Mit 4x400-Meter-Staffel Schlusslicht Dammermann: Trotz Platz acht „ein großartiges Erlebnis“

Von Christian Detloff

Fabian Dammermann übergibt den Staffelstab an den deutschen Schlussläufer Johannes Trefz beim 4x400m-Finale der Leichtathletik Europameisterschaften 2018 im Berliner Olympiastadion. Foto: imago/Sebastian WellsFabian Dammermann übergibt den Staffelstab an den deutschen Schlussläufer Johannes Trefz beim 4x400m-Finale der Leichtathletik Europameisterschaften 2018 im Berliner Olympiastadion. Foto: imago/Sebastian Wells

Berlin/Osnabrück. Sportlich entsprach das Finale der deutschen  4x400-Meter-Staffel bei der Europameisterschaft in Berlin als Schlusslicht nicht den Erwartungen von Fabian Dammermann und dem Team. Die packende, positive Atmosphäre vor 60500 Zuschauern im Olympiastadion lässt den nicht enttäuschenden Leichtathleten von der LG Osnabrück dennoch auf ein „großartiges Erlebnis“ zurückblicken.

Berlin/Osnabrück Bereits nach 280 Metern hatte zwischen dem deutschen Startläufer Patrick Schneider (LAC Quelle Fürth) und dem Rest des Feldes eine große Lücke geklafft. Schneiders Staffelkollegen Torben Junker (LG Olympia Dortmund), Dammermann und Johannes Trefz (LG Stadtwerke München) liefen danach ein einsames Rennen. Ausgerechnet die DM-Besten Trefz und Schneider blieben in Berlin weit unter der Form, die sie zwei Wochen zuvor in Nürnberg dargeboten hatten.

„In solch einem Finale will man als Sportler seine allerbeste Performance abliefern und am liebsten schneller laufen als jemals zuvor. Entsprechend waren wir nach dem Finale zunächst alle ein bisschen geknickt“, sagt Dammermann. „Ich konnte leider nicht so gut loslaufen, wie ich es mir vorgenommen hatte, weil vor mir Gewusel war. Danach habe ich ganz gut ins Rennen gefunden und versucht, den Anschluss so gut es geht herzustellen. Das war allerdings schwierig heute.“

Dennoch war der 20-Jährige auch positiv beeindruckt – von den Gegebenheiten der Heim-EM. „Man hat gemerkt, dass das Publikum im Olympiastadion komplett hinter uns stand. Als wir eingelaufen sind, standen alle Zuschauer auf – obwohl wir noch nichts geleistet hatten. Es war unglaublich. Ich glaube: So etwas erlebt man nur einmal im Leben“, sagt der Osnabrücker. Dammermann ist mit Hochspringer Eike Onnen der erfolgreichste Niedersachse der Europameisterschaft und der insgesamt viertjüngste unter den rund 60 männlichen deutschen EM-Startern. „Im Halbfinale habe ich in 45,8 Sekunden meine Staffelbestzeit erzielt. Das Finale war sehr eigenartig – es ist halt ganz anders, komplett alleine hintendran als mitten im Pulk zu laufen“, so Dammermann.

Nach der ersten Enttäuschung im Ziel gab es bald den ersten Trost. „Als wir ein bisschen geknickt mit hängenden Köpfen in die Mixedzone kamen, applaudierten 20 Volunteers und feierten uns. Das fand ich total schön. Es war unglaublich“, so Dammermann, dem in diesem Jahr unter anderem mit vier DM-Medaillen und der um deutlich mehr als eine Sekunde gesteigerten Bestzeit ein so nicht erwarteter Leistungsschub gelang. Nach dem Endlauf wurde er von rund 50 Osnabrückern, die im Olympiastadion waren, in Empfang genommen. „Sie haben mich gefeiert. Auch das war einmalig. Trotz der Enttäuschung über die sportliche Leistung im Finale überwiegt bei mir die Freude“, sagt der Osnabrücker. „Ich bin dankbar für das Privileg dieser bedingungslosen Unterstützung, die ich in Berlin auch in unzählig vielen Kleinigkeiten erfahren habe. Allen voran meinem Trainer Anton Siemer, ohne den ich nicht da wäre, wo ich nun bin.“

Auch in der Staffelgemeinschaft sei es gut gelungen, sich wieder aufzubauen. „Wir haben dies als Team gut gelöst und uns gut zusammengerauft“, sagt Dammermann.

Sportlich gesehen hatte Heimtrainer Anton Siemer ein wenig Mitleid mit seinem Schützling. „Fabian konnte den gut 60000 Zuschauern und weiteren Millionen vor den Fernsehgeräten ohne Konkurrenzdruck naturgemäß nicht wirklich zeigen, was er kann. Fabians überragende Zielgerade im Kampf Mann gegen Mann war diesmal leider nicht gefragt. In 46,4 Sekunden war er somit eine halbe Sekunde langsamer als im Vorlauf. Auch seine Hüft- und Adduktorenprobleme haben zu dieser Zeit beigetragen.“

Doch niemand dürfe vergessen: „Als wir unseren Jahresplan aufgestellt hatten mit dem Ziel der EM-Teilnahme als Ersatzläufer, haben uns viele milde belächelt. Nun stand sein Start zu keiner Sekunde infrage. Fabians Entwicklung ist sensationell.“ Der Weltcup in London, als das deutsche Quartett in EM-Final-Besetzung 1,53 Sekunden schneller war und Bronze holte, und das EM-Halbfinale hätten gezeigt, dass die Staffel im Endlauf prinzipiell eine Zeit von 3:01 Minuten hätte laufen und somit der WM- und Olympiaqualifikation näherrücken können. „Woran dies gescheitert ist, muss aufgearbeitet werden“, fordert Siemer, der gespannt ist, ob die Heimtrainer 2019 stärker in die Vorbereitung auf die U-23-EM und Männer-WM eingebunden werden als vor der Heim-EM.


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