Nichts dem Zufall überlassen Für viele Fahrer beginnt das Bergrennen weit vor dem ersten Start

Von Malte Schlaack

Alles im Blick: Christian Merli, Sieger 2016 und 2017, kennt die Strecke am Uphöfener Berg genau. Archivfoto: FrankenbergAlles im Blick: Christian Merli, Sieger 2016 und 2017, kennt die Strecke am Uphöfener Berg genau. Archivfoto: Frankenberg

Hilter Sie ist nur 2,03 Kilometer lang und hat eine durchschnittliche Steigung von 3,7 Prozent: Dennoch ist die Strecke beim Osnabrücker Bergrennen für die Fahrer eine ganz besondere Herausforderung. Das Rennen beginnt für viele von ihnen nicht erst am Start, sondern schon weit vorher.

Christian Merli war schon auf vielen Strecken in ganz Europa unterwegs. Der Vizeeuropameister aus Italien hat am Uphöfener Berg in den beiden vergangenen Jahren gewonnen – und dabei jeweils einen neuen Streckenrekord aufgestellt. Eins war dem Starfahrer dabei schnell klar geworden: „Diese Strecke verzeiht keine Fehler.“ (Hier geht´s direkt zum Livestream des Trainings und der Qualifikation am Samstag).

Strecke wird auswendig gelernt

Entsprechend stecken Merli und alle anderen professionellen Fahrer viel Aufwand in die Vorbereitung. Oder anders gesagt: Sie lernen die Strecke buchstäblich auswendig. Ob er sie im Vorfeld mehr als fünfmal abfahre, wurde Merli gefragt, als er zum ersten Mal beim Bergrennen dabei war. Der Italiener lächelte nur milde und sagte: „Eher 50-mal.“

Gerade weil die Strecke so kurz ist, muss jeder Zentimeter ausgenutzt werden. 2014 war der Asphalt komplett erneuert worden, vier Jahre später dürfte er nun perfekt eingefahren sein. Die Fahrer merken sich markante Punkte am Rand und wissen teilweise sogar, dass das Maisfeld im Vorjahr höher oder tiefer war.

Onboard-Videos helfen nicht immer

Beliebt sind auch die sogenannten Onboard-Videos, bei denen der Streckenverlauf aufgezeichnet und später analysiert wird. Das hat allerdings auch seine Tücken, wie Christoph Lampert weiß, der in diesem Jahr im Osella FA 30 dabei sein wird. „Manchmal fragt man sich, ob es dieselbe Strecke war, die man im Video gesehen hat“, gibt der Österreicher unumwunden zu. (Hier geht´s direkt zum Livestream des Bergrennens am Sonntag).

Nachts noch einmal auf die Strecke

Die Realität können solche Testfahrten aber ohnehin nicht abbilden. „Eine Strecke bei 60 bis 80 km/h im Straßenauto zu lernen ist etwas anderes, als sie im Rennen mit 230 bis 240 km/h zu fahren“, weiß Merli. Viel wichtiger ist es, ein Gefühl zu bekommen und Eigenheiten kennenzulernen. Dabei kann es auch durchaus passieren, dass ein Fahrer die Strecke in der Nacht vor dem Rennen im Kopf noch einmal durchgeht. Wenn dann eine Information fehlt, geht es mit Taschenlampe noch einmal raus. Man will auf 2,03 Kilometern ja schließlich nichts dem Zufall überlassen. spo


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