Nur kurzer Abschied in den Ruhestand Stemberg hat große Meriten im deutschen Handball

Von Lennart Albers

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Osnabrück Mehr als 40 Jahre lang war Uwe Stemberg aus Osnabrück als Funktionär im deutschen Männerhandball aktiv, erstellte Spielpläne für die Bundesliga und begleitete als Teammanager die Nationalmannschaft. Anfang Juni wurde er in den Ruhestand verabschiedet – aus dem er bereits am 1. Juli wieder offiziell zurückkehrte.

Dem Handball verfiel der heute 74-Jährige schon als kleines Kind. Funktionär wurde er, als es für ihn gesundheitlich nicht mehr möglich war, selbst aktiv zu spielen. Schritt für Schritt arbeitete sich Stemberg ab 1975 nach oben: Zunächst als Spielwart für den Niedersächsischen Handballverband, ab 1982 dann für den gesamten norddeutschen Bereich. 1993 wurde er Männerspielwart für den Deutschen-Handball-Bund (DHB), ehe er nach der Ausgliederung der Bundesliga 2002 zum Spielleiter in der höchsten deutschen Spielklasse (HBL) wurde. Sein Aufgabenfeld war dabei ebenso anspruchsvoll wie abwechslungsreich: Spielerpässe ausstellen, Spielpläne entwerfen, Strafen aussprechen oder als Delegierter Spiele beobachten.

Für seine verantwortungsvolle Aufgabe, immerhin fließen auch in der Handballbundesliga große Geldsummen, hatte er stets eine Richtlinie: „Das Wichtigste war, ausrechenbar zu sein. Wenn etwas im Spielbericht vermerkt wurde, wussten alle sofort: Da wird der Stemberg so reagieren.“ Außerdem zeigte er keine Angst vor den großen Vereinen wie Rekordmeister THW Kiel oder der SG Flensburg-Handewitt, ganz im Gegenteil: „Wenn man etwas verändern wollte, musste man die Großen erwischen.“ So erinnert sich Stemberg noch genau, wie er in einem komplizierten Vertragsfall 2001 bei Nenad Perunicic, der gleichzeitig einen Spielervertrag in Kiel und beim SC Magdeburg besaß, aufgrund der arbeitsrechtlichen Lage zugunsten der Magdeburger entschied. In einer Zeitung äußerte ein Verantwortlicher der Kieler damals, dass er Stemberg nie wieder in Kiel in der Ostseehalle sehen wolle. „Der hatte aber Pech: Zwei Wochen später hab ich mich da als Delegierter angesetzt“, lacht Stemberg.

Als ganz besondere Zeit bezeichnet er die Jahre 2000 bis 2004, in denen er als Teammanager der Nationalmannschaft aktiv war. Eine von Erfolg gekrönte Zeit: Vize-Europameister 2002 („Da sind wir um ein Tor betrogen worden und wären eigentlich Europameister“), Vize-Weltmeister 2003, Europameister 2004 und Silber bei Olympia 2004 in Athen. „Das war eine große Mannschaft und eine tolle Zeit“, schwärmt Stemberg über Spieler wie Stefan Kretzschmar oder den damaligen Bundestrainer Heiner Brand.

Zu Brand, der 2007 im eigenen Land den Weltmeistertitel holte, pflegte er eine besondere Beziehung und Freundschaft. „Wir haben damals die Spielpläne für die Liga bei Brand im Wohnzimmer gemacht und so Nationalmannschaft und Ligabetrieb aufeinander abgestimmt“, erinnert er sich. Ein besonderes Verhältnis hat er auch zu Weltmeister Holger Glandorf, der 300 Meter entfernt von Stemberg in Osnabrück aufgewachsen ist. Schon mit Glandorfs Vater spielte Stemberg Handball, später war es sein Hinweis, der dazu führte, dass Holger Glandorf 1999 als 16-Jähriger nach Nordhorn wechselte und dort seine Karriere als internationaler Top-Spieler startete.

Und war früher alles besser? „Ein Stück weit schon“, meint der 74-Jährige: „Früher haben wir uns hingesetzt, miteinander geredet und die Lösung per Handschlag besiegelt. Das galt dann auch, heute hat man direkt einen Anwalt am Hals.“ Dafür seien die Strukturen um ein Vielfaches professioneller geworden, und die Jugendförderung wurde extrem verbessert. „Der Handball hat sich insgesamt hinter dem Fußball hervorragend entwickelt“, resümiert er.

Bis er endgültig in den Ruhestand einkehren kann, muss Stemberg noch ein Jahr warten. Aufgrund von Personalproblemen hat er am 1. Juli für ein Jahr übergangsweise die Stelle als Spielleiter für die 1. und 2. Bundesliga der Frauen übernommen. Die Aufgaben kann er aber weitestgehend von Osnabrück aus erledigen. Dennoch schließt sich für ihn mit der Aufgabe ein Kreis: Der erste Spielerpass, den er als Spielwart der Bundesliga 1993 ausgestellt hatte, war für Markus Baur, Weltmeisterkapitän 2007. Vor einer Woche war seine erste Aufgabe in seiner neuen Funktion ebenfalls das Ausstellen eines Spielerpasses: dieses Mal für Baurs Tochter Chiara.


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