Serie vor dem Start der 3. Liga Karlsruher SC: Ziele bleiben trotz Einsparungen hoch

Von Rene Dankert



Kalrsruhe. Am 27. Juli startet die Saison 2018/19 in der 3. Fußball-Liga. In einer Serie stellen wir die Klubs vor. Heute: Der Karlsruher SC.

Geschichte und Tradition: 1952 aus der Fusion von FC Phönix und SW Mühlburg entstanden, gelang es dem zweimaligen DFB-Pokal-Sieger (1955, 1956) erst in den 1990ern – und dann auch nur vorübergehend –, das Image als Fahrstuhlverein abzustreifen. Das Bundesliga-Gründungsmitglied verschaffte sich Geltung als eine Art Ausbildungsverein für den FC Bayern: Oliver Kreuzer, Michael Sternkopf, Mehmet Scholl, Oliver Kahn und Michael Tarnat gingen zum Rekordmeister. Unter Trainer Winfried Schäfer gab es Sternstunden im Wildpark, gipfelnd im 7:0 vor 25 Jahren gegen den FC Valencia im Europacup. Nach dem Abstieg aus der Bundesliga 1998 gab es vor allem eine stete Kluft zwischen der unter Schäfer erwachsenen Großmannsucht der Fußball-Region und den sich verändernden Realitäten. Dreimal stieg der KSC im neuen Jahrtausend in die Drittklassigkeit ab. Am ersten, im Jahr 2000, war der heutige Bundestrainer Joachim Löw beteiligt.

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Stadion und Stimmung: Das 1955 eröffnete Wildparkstadion erfuhr nur Anfang der 1990er-Jahre durch den Einbau einer Haupttribüne eine markante Veränderung. Ein jahrzehntelang diskutierter Neubau wurde im Winter 2016 mit der Stadt besiegelt. Am Traditionsstandort soll bis 2021 eine 35000 Zuschauer fassende Arena entstehen. Die Stadt finanziert das mit Gesamtkosten von über 122 Millionen veranschlagte und ab 2019 wohl umgesetzte Bauprojekt vor. Der KSC leistet nach Liga-Zugehörigkeit gestaffelte Pachtzahlungen. Der sportliche Erdrutsch zwischen Juli 2016 und August 2017, als in Tomas Oral, Lukas Kwasniok, Mirko Slomka und Marc-Patrick Meister vier Trainer wirkten, hinterließ bei den Fans Spuren. In der abgelaufenen Runde, die mit der Relegationsniederlage in Aue endete, kamen dennoch im Schnitt rund 11000 Besucher zu den Heimspielen. Die Dauerkartenzahl von 6500 hofft der Verein auch in der neuen Saison zu erreichen.

Trainer und Team: Mit Alois Schwartz, der nach übereinstimmenden Berichten seinen Vertrag Anfang dieser Woche bis 2020 verlängert hat, ist eine blasse Erinnerung an jene Kontinuität zum KSC zurückgekehrt, die sich der Verein zwischen 2013 und 2016 unter Erfolgscoach Markus Kauczinski als Zweitligist erarbeitet hatte. Schwartz schaffte im heillosen Kader-Durcheinander, das er als Erbe von Marc-Patrick Meister vorfand, wieder Ordnung, gab seiner Truppe eine defensive Struktur und beeindruckte mit der Ligarekord-Serie von 21 Spielen ohne Niederlage. An seiner Seite geblieben sind Vertrauensmann Dimitrios Moutas sowie Ex-Profi Christian Eichner und Zlatan Bajramovic als weitere Assistenten. Die Torhüter betreut, auch dies wie gehabt, Kai Rabe.

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Führung und Management: Der KSC scheiterte am 1. Juni 2015 in der Bundesliga-Relegation am Hamburger SV. Dabei hatten die Badener sonst beste Erfahrungen mit den Hanseaten. 2013 hatte der KSC seinen Sportdirektor Oliver Kreuzer für eine Million Euro an die Elbe abgegeben. Dessen Nachfolger Jens Todt war beim KSC im Spätjahr 2016 auch wieder Geschichte und ging , freilich für nicht annähernd so viel Geld, denselben Weg. Kreuzer kehrte zurück und musste nach dem Zweitliga-Abstieg 2017, wie schon 2012, eine völlig neue Mannschaft zusammenbauen. Als starker Mann, ohne den im Verein nichts geht, gilt der CDU-Bundestagsabgeordnete und Clubchef Ingo Wellenreuther. Im früheren DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock beschäftigt der KSC seit einem Jahr ein weiteres Alphatier in der Geschäftsführung.

Finanzen und Etatplan: Die verpasste Zweitliga-Rückkehr macht sich beim KSC, der mit einem Gesamtetat von zwölf Millionen Euro operiert, auf allen Ebenen bemerkbar. Sandrock verantwortet ein Millionen-Einsparpaket. Der Lizenzspieleretat beträgt nun planmäßig 4,7 Millionen Euro (vorher rund 5,4), wird aber wohl nicht eingehalten. Bisher sorgte Vizepräsident Günter Pilarsky, Mitbegründer der Cronimet-Gruppe, für den nötigen finanziellen Halt.

Teil 3 der Serie: Eintracht Braunschweig hat trotz des bitteren späten Abstiegs eine solide Basis >>

Kommen und Gehen: Weh tat der Verlust von Fabian Schleusener. Den vom SC Freiburg ausgeliehenen Torjäger zog es knapp 50 Kilometer weiter: zum SV Sandhausen, dem Ex-Club von Schwartz. Weg sind auch die Außenverteidiger Matthias Bader (1. FC Köln) und Jonas Föhrenbach (Jahn Regensburg) sowie Marcel Mehlem, der in Belgiens 2. Liga ging. Günstig und ausbaufähig sollten die Zugänge sein. Die Abwehrlücken sollen Damian Rossbach (Sandhausen) und Sverko Marin (Mainz 05) schließen, für die Offensive kamen Justin Möbius (VfL Wolfsburg), Martin Röser (Hallescher FC), Kyoung Rok-Choi (FC St. Pauli) und Saliou Sané (Sonnenhof Großaspach).

Stars und Talente: Klingendste Namen sind die der Drittliga-Rekordtorjäger Dominik Stroh-Engel und Anton Fink. Ersterer kam über die Reservistenrolle nicht hinaus. Kriegt er seine Fitnessprobleme in den Griff, ist zumindest mit Fink wieder zu rechnen. Zu einem der besten Keeper der Liga hat sich Benjamin Uphoff entwickelt. Den nächsten Schritt auf der Karriereleiter muss der offensive Mittelfeldspieler Florent Muslija gehen.

Chancen und Pläne: „Während der Vorbereitung mache ich mir ein Bild, dann sehen wir weiter“, verschiebt Schwartz die konkretere Zielbenennung. Wellenreuther erwartet, „wieder oben mitzuspielen“. Er bezeichnet die Kluft bei den TV-Geldern als „Attentat“ auf alle aus den Top 36 gefallenen Clubs.

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Der Autor berichtet seit 2004 für die „Badischen Neuesten Nachrichten“ regelmäßig über den KSC

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