Viele Pokale, aber kein großer Sieger Fair-Play bestimmt Gösmann-Klose-Cup mit 620 Kindern

Von Lennart Albers

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Osnabrück. Jedes Tor wurde bejubelt wie bei der Weltmeisterschaft und am Ende durfte jeder der 620 Kinder einen goldenen Pokal in die Höhe recken. Eine richtige Siegermannschaft gab es beim 38. Gösmann-Klose-Turnier für G- und F-Jugendliche auf der Anlage von RW Sutthausen aber nicht.

„So sehen Sieger aus“, sang die G-Jugend der TSG Burg Gretesch freudenstrahlend, als sie wie alle Mannschaften zur Siegerehrung gebeten wurde. Einen richtigen Gewinner gab es nicht. Nach der Idee des NFV-Kreises Osnabrück-Stadt hätten aber alle anderen Mannschaften einstimmen können: Bereits zum dritten Mal wurde nach dem Fair-Play-Prinzip gespielt, das besagt, dass es keine Finalspiele und große Pokale mehr gibt.

Der Spielfreude und dem Ehrgeiz der kleinen Fußballer tat das aber keinen Abbruch: Auch wenn die Siege zwar in keine Wertung einfließen und auch nicht öffentlich bekannt gegeben werden, ist die Freude nach Abpfiff bei jeder Siegermannschaft grenzenlos. Jedes Tor wird ohnehin groß gefeiert. So rutschte der neunjährige Karl Bernhards vom TuS Nahne nach einem Treffer auf den Knien Richtung Mitspieler. „Mach das nicht noch einmal. Wir haben nicht so viele Auswechselspieler“, witzelte Trainer Pascal Law vom Rand. Dass sein Tor in keiner Statistik aufgeführt wird, stört Karl nicht. Das Fair-Play-Prinzip findet er ohnehin gut: „Ohne Sieger kann sich jede Mannschaft freuen. Ich will einfach nur so viele Spiele wie möglich gewinnen und am liebsten auch ein paar Tore schießen.“

Wie sehr das Prinzip des fairen Miteinanders mittlerweile in der G- und F-Jugend gelebt wird, zeigte die G1 des TuS Haste am Sonntagmorgen auf beeindruckende Art und Weise: Weil der SC Schölerberg nur mit fünf Spielern antreten konnte, spielten mit Paula Bensch Benavente und Melina Fazlic spontan zwei Hasterinnen bei SCS mit. „Das war eine tolle Aktion von Haste. Genau so sollte Fair-Play von allen gelebt werden“, freute sich Schölerbergs Trainer Goran Sedlarevic. „Für uns ist das eine Selbstverständlichkeit“, winkte sein Haster Gegenüber Daniel Bensch ab: „Das hat einfach gut gepasst und die Schölerberger haben unsere Beiden auch gut aufgenommen. So hatten einfach alle etwas davon, weil wir richtig spielen konnten.“

Für alle gab es schließlich auch bei der Siegerehrung etwas: Jeder Spieler bekam einen kleinen, goldenen Pokal, der anschließend stolz in die Höhe gereckt wurde. Auch hier gab es keine Wertung, wie Kreisjugendobmann Thomas Schocke betonte: „Ich rufe euch durcheinander auf. Gewinner seid ihr heute alle.“ Und als jeder seinen eigenen Pokal den Eltern und Großeltern präsentieren durfte, war der Unmut, der wegen des fehlenden Siegers teilweise unter den Trainern herrschte, schnell vergessen.

Unmut herrschte nach dem Turnier bei Schocke nur, weil es eine Mannschaft gab, die ohne Abmeldung nicht zum Turnier kam. Außerdem reisten drei Teams am Samstag vor Turnierende um 18 Uhr ab, um sich bereits auf das Deutschlandspiel vorzubereiten. „Da habe ich kein Verständnis für. Das ist ärgerlich für die Kinder, die dann weniger Spiele haben“. ärgerte sich der Kreisjugendobmann. Lob hingegen hatte er für Ausrichter Sutthausen übrig: „Die haben das mit dem ganzen Rahmenprogramm toll gemacht. Es war wirklich sehr angenehm.“ Auch Philipp Vierhaus, hauptverantwortlich auf Seiten der Sutthauser, war nach einem langen Wochenende zwar sichtlich erschöpft, aber zufrieden. „Die Stimmung war super, wir können uns nicht beschweren“, resümierte der 29-Jährige. Einen positiven Effekt hatte das Fair-Play-Prinzip für auf jeden Fall: „Die Kinder haben es geschafft, Probleme untereinander zu klären. Die Atmosphäre war gerade am Rand deutlich entspannter.“


Splitter aus Sutthausen

Eine Besprechung im LKW stand vor jedem einzelnen Turnier für alle Trainer an. Kreisjugendobmann Thomas Schocke bat die Übungsleiter zum Meeting zur Sprecherkabine, die auf der Ladefläche eines LKWs untergebracht war. Dadurch wurden einige Unklarheiten direkt beseitigt, immerhin gab es keine Schiedsrichter. „Es wird immer Meinungsverschiedenheiten geben, aber ihr werdet euch da im Sinne der Kinder schon einig“, appellierte er an die Trainer.

Große Zuverlässigkeit bewiesen sechs D-Jugendliche von Ausrichter RW Sutthausen, die als Spielbeobachter fungierten. Phil Markert, Paul Mohnhaupt, Leon Kuhlmann, Jan Büttemeyer, Vincent Weretiky und Karl Ernst gaben Ergebnisse an die Turnierleitung weiter, besorgten Leibchen und halfen bei Blessuren. „Dass man die kleinen Kinder spielen sieht und sich so vorstellen kann, wie man selbst früher mal gekickt hat, hat mir viel Spaß gemacht“, freute sich der 13-Jährige Phil. Als Dank für den fleißigen Einsatz an beiden Tagen gab es für ihn und seine fünf Kollegen am Ende noch Karten für ein Heimspiel vom VfL Osnabrück.

Hoch hinaus ging es für die jungen Kicker in den Spielpausen. Die Sutthauser hatten ein Bungee-Trampolin und eine große Hüfburgrutsche besorgt, die den ganzen Tag gut frequentiert waren. Die gute Aussicht auf das Spielfeld bot zudem auch die Möglichkeit, das Spielgeschehen aus einer ganz anderen Perspektive zu genießen.

In Erinnerung schwelgten am Rand Thomas Schocke, Der Kreisvorsitzende Frank Schmidt und Theo Karg, der vor 38 Jahren den Gössmann-Cup ins Leben berufen hatte. Die drei erinnerten sich an die langen Turniertage, die es früher noch gab. Damals stärkten sich die Spieler in der Mittagspause noch mit einer kräftigen Erbsensuppe. So sehr die drei den damaligen Eintopf auch lobten, waren sie sich dennoch einig: „Damit begeistert man heute kein Kind. Jetzt braucht man Pommes“, meinte Karg.

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