Osnabrücker Allgemeinmediziner im Interview Meyer: „Sport ohne Anstrengung als Gesundbrunnen“

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Franz Meyer ruft zu „regelmäßiger moderater Bewegung ohne größere Anstrengung“ auf. Foto: imago/Sabine GudathFranz Meyer ruft zu „regelmäßiger moderater Bewegung ohne größere Anstrengung“ auf. Foto: imago/Sabine Gudath

Osnabrück „20 Jahre 40 bleiben“ lautet der Vortrag, mit dem Franz Meyer mehrfach in Osnabrück aufgetreten ist – wobei letztlich auch alle jüngeren und älteren Bewegungsmuffel angesprochen werden. Der 65-Jährige ruft zu „regelmäßiger moderater Bewegung ohne größere Anstrengung“ auf.

Herr Meyer, welche Folgen hat die mangelnde körperliche Aktivität, die sie bei einer zunehmenden Patientenzahl ausmachen?

Seit 35 Jahren bin ich praktizierender Hausarzt. Die körperliche Betätigung meiner Patienten hat in den letzten Jahrzehnten immer mehr abgenommen. Der Anteil der übergewichtigen Patienten hat dagegen im Laufe der Jahre zugenommen, viele leiden immer früher unter Verschleiß-Erscheinungen der Gelenke. Auch Depressionen, Bluthochdruck und Diabetes – jeder dritte Ältere leidet mittlerweile darunter – kommen deutlich häufiger vor.

Ein wesentlicher Grund ist, dass sich zu viele Berufstätige lange nicht mehr sportlich betätigt haben?

Ja, auch weil sie das Thema Sport mit unangenehmen Gefühlen wie Stress bis hin zur Qual assoziieren. Es sollte allen aber um die Gesundheit gehen, die mit Sport zu erreichen ist – zwar mit regelmäßigem Einsatz, aber mit geringer Intensität und wenig Anstrengung. Zu wenigen ist bewusst, dass Körper und Geist nur fit bleiben, wenn sie kontinuierlich betätigt werden. Nicht zu unterschätzen ist, dass ich mit moderatem Sport meine Lebenserwartung erhöhe.

Die Fettverbrennung, die durch moderaten Ausdauersport angekurbelt wird, ist ein großer Motor der Gesundheit.

Man kann sich dies vorstellen wie einen Muskel, der bei Vernachlässigung nur vor sich hinschlummert. Auch die Kraftwerke der Fettverbrennung, die sich in jeder Körperzelle befinden, erwachen und entwickeln sich bei regelmäßiger moderater Bewegung. Fettverbrennung steigert die Körperabwehr und kann vor Krankheiten, sogar vor Krebs schützen. Das gilt auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck bis hin zu Schlaganfall und Herzinfarkt sowie für Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes. Bei leichter körperlicher Belastung steigert sich die Durchblutung des Kopfes um bis zu 50 Prozent und schützt nachweislich vor Demenzerkrankungen wie Alzheimer. Sport in der richtigen Intensität hält Gelenke fit, weil diese nur bei Bewegung mit Nährstoffen versorgt werden. Und Sport verbessert zudem die Stimmung. Die positive Wirkung von Sport wird intensiv zur Behandlung von Depressionen eingesetzt.

Wie sollten Sportanfänger am besten vorgehen?

Wichtig ist, dabei nicht außer Atem zu geraten. Die Intensität ist richtig, wenn ich gleichzeitig noch in der Lage bin, mich noch problemlos zu unterhalten. Gerade Männer denken immer: Je intensiver ich Sport treibe, umso bessere Effekte erziele ich. Doch bei intensiver Belastung verbrenne ich nicht Fett, sondern hauptsächlich Zucker, was relativ wenige positive Effekte für die Gesundheit bringt. Beginner sollten zunächst zwei- bis dreimal die Woche 15 Minuten Sport treiben und sich langsam auf 30 bis 45 Minuten steigern. Bewege ich mich zweimal in der Woche entsprechend, steigere ich meine Fettverbrennung. Bei drei Einheiten ist dieser Effekt noch stärker. Es schadet übrigens bestimmt nicht, 20 Euro oder mehr in einen Pulsmesser zu investieren. Der ideale Puls für das Sporttreiben ergibt sich aus der Formel „180 minus Alter“. Natürlich ist für das Laufen, Wandern oder Nordic Walking auch das passende Schuhwerk, wenn nötig mit Einlagen, wichtig. Anfängern ab 35 Jahren ist außerdem zu empfehlen, vor dem Sportbeginn am besten einmal den Herz-Kreislauf bei ihrem Arzt durchchecken zu lassen.

Zu zweit oder in der Gruppe Sport zu machen kann zusätzlich motivieren. Sie sehen hier aber auch Gefahren.

Wichtig ist in einer Gruppe, dass es dort Gleichgesinnte mit einem ganz ähnlichen Wohlfühltempo gibt. Sonst passiert es schnell, dass sich die, die ein langsameres Idealtempo haben, von den Schnelleren angetrieben fühlen und hinterher hasten. Das wäre aber kontraproduktiv.

Wie stark beeinflusst eine verbesserte Fettverbrennung eine Diät?

Sport als großes Hobby: Allgemeinmediziner Franz Meyer. Foto: Christian Detloff

Ohne Bewegung kommt bei einer Diät die Gewichtsreduktion irgendwann nahezu zum Erliegen. Training ohne eine Umstellung der Ernährung lässt aber auch nur langsam die Pfunde schwinden. Nur die Kombination bringt den gewünschten Erfolg.


Geeignete Sportarten für Beginner

Franz Meyer bezeichnet Wandern, Nordic Walking, Joggen beziehungsweise Langlaufen, Radfahren, Skaten, Rudern und Schwimmen als ideale Sportarten, um die Fettverbrennung anzukurbeln. „Also Sportarten, die nicht den Gedanken haben, einen Gegner zu besiegen.“ Einige dieser Sportarten lassen sich (besonders) in der kalten und nassen Jahreszeit auch gut im Fitnessstudio ausüben. „Mit 15 Minuten auf dem Laufband, 15 Minuten auf dem Ergometer oder Stepper und 15 Minuten am Rudergerät – ohne große Pause bei den Wechseln – werden eine permanente Fettverbrennung und unterschiedliche Muskeln aktiviert“, so Meyer. Für deutlich Übergewichtige oder Menschen mit stärkerem Gelenkverschleiß sind Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren vorzuziehen.

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