Bei „Rund um Köln“ Osnabrückerin Völkering fährt Radrennen ihres Lebens

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Ein paar Tipps mit auf den Weg hat Ex-Profi Christian Henn der Osnabrückerin Hannah Völkering (links) vor dem Start bei „Rund um Köln“ gegeben. Foto: Heike DierksEin paar Tipps mit auf den Weg hat Ex-Profi Christian Henn der Osnabrückerin Hannah Völkering (links) vor dem Start bei „Rund um Köln“ gegeben. Foto: Heike Dierks

Osnabrück/Köln. Ihre Radrenn-Premiere bei „Rund um Köln“ wird Hannah Völkering so schnell nicht vergessen. Die Osnabrückerin wurde als Siegerin eines Gewinnspiels im gesamten Rennen von Ex-Profi Christian Henn und Radsportmanager Hans-Michael Holczer angetrieben.

Völkering hatte im Frühjahr an einem Gewinnspiel teilgenommen. Ein Startplatz für die 102. Auflage von „Rund um Köln“ wurde samt kostenloser Unterbringung und Verpflegung verlost. Vor rund drei Wochen wurde die 37-Jährige benachrichtigt, ihr Los sei gezogen worden. Die Ex-Fußballerin hatte sich in den vergangenen Jahren auf Ausdauersport fokussiert. Das Rennradfahren wurde immer wichtiger. Seit zwei Jahren absolviert die Osnabrückerin Triathlon-Wettkämpfe in der Region. Aber ein richtiges Radrennen: Das war ein Novum.

In Köln fuhr Völkering das Jedermannrennen über 68,5 Kilometer mit 2300 Teilnehmern. Sie staunte nicht schlecht, als sich zur Startaufstellung Christian Henn, Ex-Fahrer des Teams Telekom und später sportlicher Leiter, und Hans-Michael Holczer, einst Manager des Teams Gerolsteiner, zu ihr gesellten. Offizielle Fotos wurden gemacht. Da hieß es, Henn werde die Gewinnerin der Verlosung im Rennen begleiten.

Henn befragte die gebürtige Bohmterin nach ihrer Erfahrung und machte klar, sie solle sich an sein Hinterrad heften. Von Beginn an hielt er sie so aus unruhigen Gruppen heraus, spendete Windschatten und zeigte Gefahrenstellen und scharfe Kurven an. Nach drei Kilometern bereute es die Novizin bereits, nicht ausgiebiger gefrühstückt zu haben. Sie fuhr gefühlt am Limit. Plötzlich klang es von hinten: „Du kannst auch mal schalten.“ Völkering wusste zunächst nicht, dass sie gemeint war. Holczer tauchte auf und wurde Kümmerer Nummer zwei. Der Radsportmanager schloss Lücken, hielt der Sportlehrerin rücksichtslose Fahrer vom Leib und ließ sich wieder hinter sie fallen, wenn sie Henns Hinterrad erreicht hatte.

Im Bergischen Land gab es knackige Anstiege. Teilweise ging es mit elf Prozent Steigung hinauf, Zuschauermassen säumten die Strecke. „Das war ein Gefühl wie bei der Tour de France“, sagte Völkering. Die professionelle Begleitung verlieh ihr Flügel. „Wir sind die Berge runtergejagt. Gut, dass mein Tacho nicht funktionierte, sonst wäre ich vor Schreck wohl hingefallen“, sagte sie.

„Wir liegen auf Platz 15“, stellte Henn vier Kilometer vor dem Ziel fest. Doch dann stürzten zwei Fahrer vor der Osnabrückerin. Die Hobbyfahrerin fiel, der Unfallverursacher lag vor ihr auf der Straße. Die 37-Jährige, selbst benommen, trug ihr Rad zur Seite, um Folgekollisionen zu vermeiden. Das Rennen ist beendet, dachte sie. Doch Henn schnappte sich ihr ramponiertes Rad und reparierte es. „Das reicht, um ins Ziel zu fahren.“ Völkering folgte und rollte als 40. von 231 Frauen über die Linie.

Der Sturz verhinderte eine bessere Platzierung. Doch das ist für die Lehrerin nicht entscheidend. Völkering ist auch Tage nach dem Ereignis noch euphorisiert. Das Lob der beiden Radsport-Granden, eine technisch so starke Hobbyfahrerin selten erlebt zu haben, ist Balsam auf die davongetragenen Schürfwunden an Ellenbogen, Hüfte und Knöchel. „Das war das Rennen meines Lebens, auch wenn es mein erstes Radrennen überhaupt war“, sagte Völkering.


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