Basketballtrainer Scherz über das Meistergefühl „Jeder Titel ist auf seine Art berauschend“

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Osnabrück. Für den BBC Osnabrück war es der größte Erfolg der jungen Vereinsgeschichte. An der Seitenlinie stand beim Deutschen-Meister-Titel der U-14-Basketballerinnen mit Jörg Scherz ein ganz erfahrener Trainer. Im Interview spricht der 54-Jährige über den großen Erfolg.

Herr Scherz, wie haben Sie den Deutschen-Meister-Titel verdaut?

Ich bin immer noch superglücklich. Es gab Glückwünsche aus nah und fern. Die Kollegen am Ratsgymnasium haben sehr herzlich gratuliert, und ich habe Nachrichten von Menschen erhalten, die ich zuletzt vor 20 bis 30 Jahren gesehen oder gehört hatte. Das ist schon toll.

Eine Mutter hatte Basketball-Muffins und einen Meisterkuchen gebacken – das hat das Wochenende noch mal versüßt?

Den Kuchen habe ich gesehen, aber nichts davon abbekommen (lacht). Es gab so viele Gratulanten, und als Ausrichter gab es noch das ein oder andere zu tun. Als ich das Blech das nächste Mal gesehen habe, war es schon leer. Die Mutter hat übrigens betont, dass sie den Schriftzug „Meister“ erst in der Halle auf den Kuchen geschrieben hat. Wenn wir Zweiter geworden wären, hätte sie Vizemeister geschrieben.

Sie haben betont, dass schon die Endrunden-Teilnahme ein Erfolg für den BBC war. Trotzdem war im Finale Druck auf dem Kessel, auch bei Ihnen. Haben Sie mitgezählt, wie oft Sie vom Schiedsrichter und Kampfgericht ermahnt worden sind, sich etwas ruhiger zu verhalten?

Auch wenn es von außen vielleicht nicht so aussah, bestand in keiner Phase des Spiels wirklich die Gefahr, dass ich mir ein technisches Foul einhandele. In einer Szene muss es für die Zuschauer aber anders ausgesehen haben, denn ich hatte mich beim Schiedsrichter mehrmals über einen Schrittfehler des Gegners beschwert, woraufhin er fast zeitgleich pfiff und sich schnell zu mir umdrehte, um mich mit dem Zeichen des technischen Fouls darauf aufmerksam zu machen, dass er nun keine weiteren Kommentare von mir hören wolle. Als es dann mit einem Einwurf für unser Team weiterging, waren - glaube ich - alle Zuschauer in der Halle sehr überrascht.

So ein Finale nimmt Sie voll mit. Sie sind ja an der Seitenlinie mehr gelaufen als Ihre Spielerinnen…

Im Basketball kann ein Trainer taktisch viel Einfluss auf ein Spiel nehmen und helfen, weil er von der Bank zum Beispiel die Lücken beim Gegner besser sieht. Ältere Spielerinnen halten daher immer Blickkontakt mit der Bank. In der U14 gibt es diese Routine noch nicht, und da reicht auch nicht eine Handbewegung, um den nächsten Spielzug anzusagen. Bei der Lautstärke in der Halle musste ich dann einfach mehr winken und springen, um auf mich aufmerksam zu machen.

Im Finale kam die Dramatik des engen Spiels hinzu…

Es gibt Situationen, gerade in so einem Nervenkrimi wie gegen Bonn, in denen man als Trainer auch mal lauter und strenger werden muss. Alle meine Spielerinnen wissen aber, dass solche Ansagen niemals persönlich gemeint sind. 15 Punkte in der ersten Halbzeit waren einfach eine unterirdische Leistung von uns. Wir waren in unserem Spiel nicht exakt genug. In der Pause haben wir noch mal ein paar Dinge aufgemalt und verändert. In der zweiten Halbzeit haben wir dann richtig losgelegt.

Sie hatten eine Ausnahmespielerin: Frieda Bühner hat 30 von 63 BBC-Punkten im Halbfinale erzielt, 28 von 50 im Endspiel. Ohne sie wäre der DM-Sieg schwierig geworden.

Natürlich ist sie ein Dreh- und Angelpunkt in unserem Spiel und macht Punkte, aber in der zweiten Halbzeit hat man gesehen, was uns eigentlich stark macht: dass jeder punkten kann und dass wir auch andere Lösungen finden, wenn sich die Gegner in der Deckung auf Frieda konzentrieren. Da sind wir über das Mannschaftsspiel zum Erfolg gekommen.

Auf der Tribüne hat es jemand so formuliert: Wenn man eine herausragende Spielerin im Team hat, macht sich das in den jüngeren Jahrgängen umso deutlicher bemerkbar.

Das mag sein, aber auch hier ist es in meinen Augen eher das gesamte Team, das Vorbildcharakter hat. Ich denke, dass neben Frieda vor allem Luise Hansmann mit ihren Assists und ihrer hochprozentigen Trefferquote ein grandioses Spiel gemacht hat. Nehmen wir außerdem eine Spielerin wie Akosua Asare: Sie spielt erst seit zwei Jahren Basketball. Offensiv fehlt ihr vielleicht manchmal noch der Mut, aber mit ihrer Verteidigung war sie am Wochenende für jede Gegenspielerin höchst unangenehm und hatte damit maßgeblichen Anteil am Gewinn der deutschen Meisterschaft. Und man muss auch sehen: Mit sieben Spielerinnen des Jahrgangs 2005 waren wir mit Abstand die jüngste Mannschaft der Endrunde.

Sie sind schon mehrfach deutscher Meister geworden. Was ist – außer talentierten Spielerinnen – das Geheimnis eines Meistermachers?

Die Mannschaften, die ich trainiere, sind technisch immer recht gut ausgebildet. Da bin ich ein ziemlicher Pedant. Das führt aber auch dazu, dass all meine Teams eine Schwäche bei den Rebounds haben. Denn im Training unterbreche ich so oft, dass die Spielsituationen nicht bis zum Ende laufen. Dadurch gibt es keine Rebounds. Da muss ich dringend mal was anders machen.

Welcher Ihrer Titel war am schönsten?

Das kann man nicht vergleichen. Jeder Titel ist auf seine eigene Art berauschend. Am liebsten bin ich nach dem Spiel kurz alleine, um den Moment zu genießen. Der Stolz und die Freude sind extrem groß, wenn Kinder und Jugendliche hart arbeiten und dafür belohnt werden. Bei meinem ersten DM-Titel 1986 war ich 22 Jahre alt, damit hatte niemand gerechnet. Die Meisterschaft vom Wochenende war die erste, die wir in eigener Halle geholt haben. Insofern hat dieser Titelgewinn für mich seine ganz besondere Bedeutung.

Man hatte das Gefühl, dass die Ausrichtung der Meisterschaft den ganzen BBC mitgerissen hat. Der Titelgewinn dürfte die Euphorie im Verein unendlich gesteigert haben?

Die Begeisterung ist überall zu spüren. Wir haben mit der Meisterschaft ein Ausrufezeichen für alle gesetzt, die sich ehrenamtlich im Verein engagieren. Viel Zeit zum Genießen bleibt allerdings nicht: Am 9./10. Juni wollen wir uns in Neuss für die weibliche U-18-Bundesliga qualifizieren, und eigentlich geht auch schon wieder die Vorbereitung auf die neue Saison los, für die wir 30 Mannschaften gemeldet haben.

Für die jetzige U14 werden Druck und Erwartungshaltung nach dem Meistertitel künftig steigen…

Der Druck ist immens groß, allerdings eher von außen und nicht von innen. Ich sehe es etwas ruhiger: Jede einzelne Spielerin muss Zeit für ihre Entwicklung bekommen. Ich möchte nicht, dass jemand zu früh hochgepusht wird und dann aus körperlicher Überforderung die Lust verliert. Bei uns wird keine 13-Jährige in einer U-18-Mannschaft spielen. Das wird es nicht geben.


Jörg Scherz (54) spielte früher selbst Basketball im Osnabrücker SC, bei dem er ab 1980 auch Mannschaften trainierte. 1986 feierte er mit der weiblichen C-Jugend des OSC seinen ersten nationalen Titel. 1988 wurde er mit der weiblichen B-Jugend des Vereins erneut deutscher Meister. Mit den OSC-Frauen stieg er 1992 in die Bundesliga auf und wurde zweimal Vizemeister. Nach einer Basketballpause (1998 bis 2007) stieg er wieder beim OSC ein und feierte mit der weiblichen U17 im Jahr 2014 den nächsten Gewinn einer deutschen Meisterschaft. 2014 gehörte er zu den Gründern des BBC Osnabrück. Am vergangenen Wochenende gelang mit den U-14-Mädchen des BBC in der Schlosswallhalle der vierte nationale Meistertitel.

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