Der größte Kampf seines Lebens Osnabrücker Venjakob boxt um den WBO-Juniorentitel

Von Malte Schlaack

Bereit für das große Ziel: Angelo Venjakob bereitet sich auf seinen Kampf um den WBO-Juniorentitel vor Fotos: Philipp HülsmannBereit für das große Ziel: Angelo Venjakob bereitet sich auf seinen Kampf um den WBO-Juniorentitel vor Fotos: Philipp Hülsmann

Osnabrück. Die Osnabrücker Boxgeschichte wird am Samstag um ein großes Kapitel erweitert. Angelo Venjakob kämpft in Hannover um den Junioren-Weltmeistertitel nach Version der WBO.

Warm und stickig ist es in der Werkstatthalle im Osnabrücker Stadtteil Lüstringen. Vom Glamour, den die Boxwelt immer wieder versprüht oder auch nur versprühen will, ist hier nichts zu sehen. Der Ring ist Marke Eigenbau, eine Isolierung gegen die Wärme gibt es ebenso wenig wie eine richtige Heizung im Winter. Hier wird Boxen gelebt und gearbeitet. Vielleicht trainiert hier ein künftiger Weltmeister: Angelo Venjakob.

Große Möglichkeit in Hannover

Der 22-Jährige trifft im bisher größten Kampf seines Lebens am Samstag in der Swiss Life Hall in Hannover auf den Montenegriner Dilan Prasovic. Es geht um den WBO-Juniorentitel im Cruisergewicht. Eine große Möglichkeit, das ist Venjakob bewusst: „Die Chance, so etwas zu bekommen, ist sehr gering“, sagt der Osnabrücker. Möglich gemacht hat den Kampf sein Kieler Manager Rene Hildebrand vom Germanen-Boxstall in Kiel.

Venjakob hatte in seiner Jugend Aggressionsprobleme und ist über seinen Onkel Dirk „Tobby“ Damke zum Boxen gekommen. Das Antiaggressionstraining zeigte Wirkung, die schulischen Leistungen wurden besser. Mittlerweile hat Venjakob eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik abgeschlossen – beim Boxen ist er geblieben.

„Seine größte Stärke ist sein Herz“

„Angelo hat sich alles antrainiert und hart erarbeitet. Seine größte Stärke ist sein Herz“, sagt Damke, der vor Jahren den Osnabrücker Boxclub gegründet hat und unter anderen schon mit dem Osnabrücker Profiboxer Heiko Schütz gearbeitet hat, über seinen Neffen. Im Ring zeichnen Venjakob noch weitere Qualitäten aus, da sind sich Damke und Trainer Miguel Rahe einig. „Er hat für einen Cruisergewichtler eine unglaubliche Schlagfrequenz und sehr lange Arme. Er boxt einen unorthodoxen Stil“, erklärt Rahe.

Respekt, aber keine Angst

Venjakob selbst spricht gar nicht so gerne über sich. Dafür ist er zu bescheiden. Auf sein Ziel für den Kampf angesprochen, kommen keine markigen Sprüche oder gar ein K.-o.-Versprechen. „Er ist ein starker Gegner“, sagt der Herausforderer über den Titelträger aus Montenegro. Respekt hat er vor dem 23-jährigen Prasovic, Angst aber natürlich nicht. Venjakob weiß um seine Stärken. Von seinen sechs Profikämpfen bisher hat er vier vorzeitig beendet.

Angesetzt ist der Titelkampf am Samstag über zehn Runden. Eine Distanz, die Venjakob noch nie geboxt hat. „Ich glaube aber nicht, dass es über die Punkte geht. Sie boxen beide sehr offen“, vermutet Damke. Eine Chance habe sein Schützling allemal: „Ich schätze es 50:50 ein. Wenn er einen guten Tag hat, kann er auf jeden Fall gewinnen.“

Kampf wird im Free TV übertragen

Die Vorbereitung in der Woche vor dem Kampf wurde zurückgefahren. Entspanntes Training steht jetzt noch auf dem Programm, denn auch mental wird Venjakob gefragt sein. Der Kampf wird live bei Sport1 (Beginn der Übertragung um 20 Uhr, Kampf ca. 21 Uhr) im Free-TV übertragen. Hinzu kommt die große Chance auf den großen Titel. Am Freitag reisen Venjakob und Trainer Rahe bereits Richtung Hannover. Auf dem Programm stehen dann eine Pressekonferenz, das obligatorische Wiegen und das erste Aufeinandertreffen mit dem Gegner.

Geld von Vereinskollegen

Wie unterschiedlich die Voraussetzungen der Konkurrenten sind, zeigt übrigens allein schon die Vorbereitung. Während Prasovic unter anderem in Spanien trainiert hat, geht Angelo Venjakob bis zwei Tage vor dem Kampf noch arbeiten. Einen Sponsor hat er bisher nicht. Das nötige Geld ist auch über die Gagen von Vereinskollegen des Boxclubs Osnabrück reingekommen. „Sollte er gewinnen, ist das so ein Sieg für uns alle“, betont Damke. Und all die viele Arbeit in der stickigen Werkstatthalle in Lüstringen hätte sich für Angelo Venjakob gelohnt.


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