EM in Russland Eduard Drewlau kämpft in Kasan gegen Europas Taekwondo-Elite

Von Johannes Giewald

Eduard Drewlau will bei der Europameisterschaft in Kazan (Russland) auf das Treppchen. Foto: Swaantje HehmannEduard Drewlau will bei der Europameisterschaft in Kazan (Russland) auf das Treppchen. Foto: Swaantje Hehmann

GMHütte. Deutscher Meister ist er schon, jetzt greift er nach Europas Taekwondo-Krone. Eduard Drewlau aus Osnabrück kämpft am Wochenende bei der Europameisterschaft im russischen Kasan. Wenn sie gut läuft, erhofft er sich bald einen Traum zu erfüllen.

Eduard Drewlau war sichtlich angespannt. „Ich bin schon aufgeregt“, sagte der 23-Jährige vor seiner Abreise. Am Montag ist der Osnabrücker nach Kasan in Russland geflogen. 2700 Kilometer von Osnabrück entfernt, misst sich der Taekwondo-Kämpfer bei der Europameisterschaft am Wochenende mit den besten Kämpfern des Kontinents.

Für Drewlau ist das Turnier in der Wolga-Metropole der größte Wettkampf seiner bisherigen Laufbahn. Jedes Land kann einen Taekwondo-Kämpfer pro Gewichtsklasse nominieren. Für den 23-Jährigen heißt das, ihm stehen die Besten eines jeden Landes gegenüber. „Man trifft nur auf die Elite“, sagt Drewlau, der sich in seiner Gewichtsklasse bis 74 Kilogramm als bester deutscher Kämpfer qualifiziert hat. Allein darauf sei er schon sehr stolz. Die Anspannung und der Adrenalinkick bei Kämpfen auf diesem Niveau lassen in ihm die Vorfreude auf das Wochenende ansteigen.

Konzentration siegt

Vor dem Abflug hat sich der Kampfsportler intensiv mit seinem Trainer Wolfgang Kiss bei seinem Heimatverein, dem PSV Georgsmarienhütte, auf den harten Wettbewerb vorbereitet. „Wir haben öfter sportartspezifisch trainiert, das heißt, weniger Krafttraining und mehr im Kampfbereich“, sagt Drewlau. Physisch seien bei der Leistungsdichte an der Spitze ohnehin alle auf dem gleichen Niveau. Beim Wettkampf in Kasan kommt es auf Nervenstärke und Tagesform an. „Es gewinnt der, der sich am besten konzentrieren konnte“, sagt der Osnabrücker.

Herausforderung wächst von Runde zu Runde

Im K.o.-System stellt sich Drewlau am Samstag dem ersten Gegner. Wer das ist, erfährt er erst einen Tag zuvor beim Wiegen. Die Kämpfe dauern dreimal zwei Minuten. Wenn das Turnier für den Osnabrücker schlecht läuft, ist es nach nur einem Kampf vorbei. Je weiter er kommt, desto stärker werden die Gegner. „In den ersten Runden kämpft man noch risikoreicher. Auf hohem Niveau wird vorsichtiger gekämpft, wenn man hier einen Fehler macht, ist es schwer, ihn wettzumachen“, erklärt der 23-Jährige. Er hofft auf vier bis fünf Duelle und hat ein Ziel vor Augen: „Ich will auf jeden Fall aufs Treppchen.“

Viele seiner möglichen Gegner kennt der angehende Steuerfachangestellte bereits. Gegen die Besten sei er schon angetreten, in fast allen Ländern Europas stand er schon im weißen Kampfdress auf der Matte. „Man ist schon daran gewöhnt, viel zu reisen – manchmal ist man jedes Wochenende unterwegs“, sagt Drewlau, der den koreanischen Kampfsport seit dem zehnten Lebensjahr ausübt. So weit entfernt wie jetzt in Russland habe er jedoch noch nie gekämpft. In Belgien, Luxemburg und den Niederlanden gewann er bei großen Turniere schon Medaillen. In diesem Jahr sicherte sich der Osnabrücker zum ersten Mal die deutsche Meisterschaft.

Traum von Olympia

„Disziplin, Fleiß und Härte“ seien die Stärken, mit denen sich Drewlau nach oben gekämpft hat, sagt sein Trainer Kiss. „Er hat schnelle, harte Tritte und eine hohe Explosivität und Antrittsschnelligkeit.“ Wenn die EM für ihn gut läuft, erhofft sich der 23-Jährige seinen persönlichen Traum zu erfüllen: die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. „Es ist ein Traum, aber auch realistisch“, sagt Drewlau.