Rollstuhl-Basketballer verlieren Erfolgstrainer Nach insgesamt 26 Jahren: Wiegmann verlässt RSC Osnabrück

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Hört beim RSC auf: Frits Wiegmann. Foto: David EbenerHört beim RSC auf: Frits Wiegmann. Foto: David Ebener

Osnabrück. Eine Ära ist nach 26 Jahren zu Ende gegangen. Frits Wiegmann, zunächst als Spielertrainer und dann als Trainer für den Erfolg der höchstspielenden Rollstuhlbasketballer dieser Region verantwortlich, verlässt den Zweitligisten RSC Osnabrück und wechselt aller Voraussicht nach zum künftigen Ligakonkurrenten Baskets 96 Rahden.

Ein Bauchgefühl hat den 65-Jährigen veranlasst, nach langer Zeit noch einmal etwas Neues zu probieren. „Ich hatte den Eindruck, dass nicht mehr die ganze Mannschaft zu 100 Prozent hinter mir steht. Bevor die Mannschaft sagt, ‚mit dir wollen wir nicht mehr‘, übernehme ich lieber die Entscheidung. Vielleicht ist es für alle das Beste“, so der 520-fache Nationalspieler der Niederlande.

Als Nationalspieler hatte er bei einem Länderspiel in Herford seine spätere Ehefrau Andrea kennengelernt. In der Kreisstadt gründeten sie eine Familie samt Tochter Jana. Wiegmann begann 1991 beim Osnabrücker SC, der später vom RSC als Heimat der Rollstuhlbasketballer abgelöst wurde, zunächst seine Spielertrainerzeit. „Alles, was ich mir an persönlich Wichtigem aufgebaut habe, hat auch mit Osnabrück zu tun“, sagt Wiegmann, der bis 2019 Reha-Fachberater bei der Osnabrücker Firma Gehrmeyer bleibt, ehe er in Rente geht. „Dann habe ich noch mehr Zeit, in Rahden, wohin ich zu 95 Prozent wechseln werde, etwas aufzubauen.“ Die BSG ist jüngst in die 2. Liga abgestiegen. „Mich reizt es, nochmal was Neues zu machen. Dort sind die finanziellen Mittel auch einfach größer. Wir wollen in zwei bis drei Jahren wieder in der Bundesliga spielen. Das ist mit den begrenzten Möglichkeiten in Osnabrück leider nicht möglich“, so der in Krimpen an der Lek geborene Niederländer.

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In seinen acht Bundesligajahren mit dem OSC war die deutsche Meisterschaft und der Pokalsieg in der Saison 1997/98 der Höhepunkt, der von den Plätzen fünf und acht in der Champions League in 1998 und 1999 flankiert wurde. Danach gelang ihm noch die Vizemeisterschaft, ehe er 2000 für ein Jahr zum BBC Warendorf wechselte, von wo aus er den Erstliga-Abstieg des RSC nach großem personellen Aderlass beobachtete.

Ein langer und besonderer Wegbegleiter erst als Spieler und dann als Sportwart war Robert Bergmann. „Robert ist der Einzige aus den erfolgreichen Zeiten in Osnabrück, mit dem ich noch immer wöchentlich Kontakt habe“, verrät Wiegmann.

Seinen Höhepunkt als Spieler hatte er 1992 als Olympiasieger in Barcelona dank des überraschenden Finalsieges über die USA gefeiert. Als Trainer erlebte er drei weitere Olympiaden: 2004 in Athen und 2008 in Peking als jeweils Fünfter mit der deutschen Nationalmannschaft sowie 2016 in Rio der Janeiro als Siebter mit seinem Heimatland. Weitere Angebote als Nationaltrainer hat Wiegmann aus familiären Gründen abgelehnt.

Als Nachfolger beim RSC könnte sich Wiegmann seinen bisherigen Center Dennis Nohl vorstellen. „Er kennt die Liga und hat als Kapitän genügend Erfahrung, um die Mannschaft als Spielertrainer zu führen. Einen erfahrenen Trainer, der bereits Erfolge vorzuweisen hat, wird der Verein jedenfalls nicht noch einmal so preisgünstig bekommen.“ Auch weil die Verbindung von Wiegmann zu (Jugend-)Nationalspielern seines Landes wegfällt, dürfte der zukünftige Verbleib auf zweithöchster Ebene für seinen ehemaligen Verein keine Selbstverständlichkeit sein. Sicher aber ist: Wiegmann wird seinen ehemaligen Spielern alle Daumen für eine möglichst erfolgreiche Zeit nach seiner Ära drücken.


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