„Kickfair“-Projekt an Möserschule Drei Halbzeiten, zwei Mannschaften, eine Gemeinschaft

Von Luis Rewwer

Regeln eingehalten? Nach dem Abpfiff vergeben sich die Jugendlichen gegenseitig Fair-Play-Punkte. Foto: Jörn MartensRegeln eingehalten? Nach dem Abpfiff vergeben sich die Jugendlichen gegenseitig Fair-Play-Punkte. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Sich gegenseitig auf die Beine helfen, keine Alleingänge und nicht meckern: So lauteten die drei vor dem Spiel ausgewählten Regeln. Hält sich die Mannschaft an diese Abmachungen, bekommt sie Fair-Play-Punkte: Das sind die Gründzüge des Konzepts der Organisation „Kickfair“, die sich zum Ziel nimmt, mit Straßenfußball die individuellen Fähigkeiten und die persönliche Entwicklung von Kindern zu stärken.

In dieser Woche stand in Zusammenarbeit mit dem Kinderhilfswerk „terre des hommes Deutschland“ eine Projektwoche der 5. bis 9. Klasse in der Möserschule an. Die Schüler, die meisten mit Migrationshintergrund, setzten sich zum Einstieg in die Projektwoche ausführlich mit dem Regelwerk und der Geschichte des Straßenfußballs auseinander. Im Rahmen des Projekts „Spielbetrieb“ standen Teamgeist, Fairness und das Miteinander im Mittelpunkt. Als Zugang diente der Straßenfußball, der in dem von „Kickfair“ entwickelten Konzept, nicht aus zwei, sondern aus drei Halbzeiten besteht.

Drei Halbzeiten

In der ersten Halbzeit fanden sich die Teams zusammen und verständigten sich gegenseitig auf drei ihrer in der Woche erarbeiteten Fair-Play-Regeln. In der zweiten Halbzeit wurde Fußball gespielt, angelehnt an die besondere Art des Spiels aus Südamerika. Nach dem Schlusspfiff wurde das Einhalten der Regeln von allen beurteilt und gegenseitig mit Fair-Play-Punkten bewertet. Dieses gemeinschaftliche Vergeben der Fairness-Punkte wurde zum Spielergebnis hinzuaddiert. „So lernen die Kinder, dass man auch mit Fair-Play punkten kann“, sagte Sportlehrer Ralf Kramer begeistert. „Es geht darum, dass die Jugendlichen in den Dialog kommen, Meinungen akzeptieren und sich untereinander verständigt wird.“ Dieses Projekt wird bereits zum zweiten Mal an der Möserschule durchgeführt. „Im letzten Jahr mussten wir Lehrer noch viel anpacken. In diesem Jahr übernahmen die Schüler die Organisation, den Aufbau und Abbau“, erzählte Kramer. Für die Leitung des Spiels und des anschließenden Dialogs sorgten sogenannte „Teamer“, ältere Schüler, aus der Zielgruppe selbst. Wie schon im letzten Jahr war Cristian aus Chile zu Besuch an der Schule, um die Projektwoche zu begleiten und spannende Einblicke in die Arbeit bei „Chigol“, einer langjährigen Partnerorganisation von „Kickfair“, zu geben.

Chile und Kolumbien als Vorbild

„Dieses Projekt ist genau richtig für diese Klientel an unserer Schule“, so Kramer, dessen Schüler besonders im Sport oftmals aggressive Verhaltensweisen aufweisen. „Die Jugendlichen übernehmen Verantwortung. Es ist eine wunderbare Selbsterfahrung“, sagte Sebastian Fritz von „Kickfair“. „Bei diesem Projekt gewinnt die Fairness, jeder wird akzeptiert, so wie er ist und an genau das werden sich die Schüler auch noch in 20 Jahren erinnern“, schwärmte Kramer: „Die Jugendlichen nehmen sich Chile und Kolumbien zum Vorbild.“

In dieser Woche ist deutlich geworden, dass der Straßenfußball für eine besondere Art des Fußballs steht, bei der die Schüler aus 15 verschiedenen Nationen sich zu einer Gemeinschaft gefunden haben. Der Dialog, der im Mittelpunkt der Woche stand, wurde gestärkt – ist aber auch nach dem Projekt durchaus noch ausbaufähig.