Kreisklasse, Cheftrainerin – Olympia? Petra Middelberg: Bevor sie laufen konnte, saß sie auf dem Pferd

Von Lennart Albers

Dressurhalle als zweites Wohnzimmer: Petra Middelberg aus Glandorf. Foto: Swaantje HehmannDressurhalle als zweites Wohnzimmer: Petra Middelberg aus Glandorf. Foto: Swaantje Hehmann

Glandorf. Im Dressurreiten hat Petra Middelberg aus Glandorf schon viele große Erfolge gefeiert. Jetzt will sie auch als Trainerin und Ausbilderin angreifen.

Reiten war stets der Mittelpunkt ihres Lebens. Seit Ende vergangenen Jahres ist dieser Mittelpunkt sogar noch näher gerückt. In Glandorf, nur wenige Gehminuten vom Wohnhaus entfernt, hat Vater Wilhelm Middelberg eine eigene Reithalle für die Familie gebaut. „Das ist schon ein Mädchentraum, den wir hier leben“, gibt Middelberg dankbar zu. Die acht Pferde der Familie sind nun direkt vor der Haustür untergebracht. In der eigenen großen Halle kann das Dressurtraining weiter intensiviert werden.

Großes Talent im Dressursport

Der Schritt zur eigenen Reithalle ist ein großer Aufwand, aber auch die nächste Stufe in der Entwicklung der Middelbergs. Noch bevor sie laufen konnte, saß Petra Middelberg das erste Mal auf dem Pferd. Die 24-Jährige gilt als großes Talent im Dressursport. Mit der deutschen U-21-Mannschaft gewann sie 2014 im französischen Saumur auf ihrem Pferd Barclay den Nationenpreis, regelmäßig reitet sie in Europa auf internationalen Top-Turnieren der höchsten Klasse und landet dabei auf den vorderen Plätzen. 2017 war sie zudem für den Piaff-Förderpreis nominiert: Eine Turnierreihe für die größten Dressurtalente, deren Sieger später nicht selten bei Olympia Medaillen abräumten.

Eigene Reithalle

Bis letztes Jahr standen die Pferde der Familie noch in Lengerich. Hier hat Trainer Oliver Oelrich seine Anlage, zweimal wöchentlich wird auch dort weiterhin trainiert. Mit der eigenen Reithalle haben sich die Trainingsbedingungen aber natürlich verbessert. „Es macht Spaß, sich um alles selbst zu kümmern. Wir können hier mit den Pferden super arbeiten“, schwärmt Middelberg. Im Vordergrund steht zwar ihr BWL-Studium in Osnabrück, doch Middelberg strebt trotzdem nach weiteren Erfolgen. Reicht es noch mal für Olympia? „Die Luft wird nach oben natürlich dünn. Man träumt aber davon“, gibt sie zu.

In der höchsten Dressurklasse

Aktuell verschiebt sich aber ihr Fokus ein wenig: Auch die Bereiche Ausbildung und Training hat sie für sich entdeckt. Mit ihrem zweiten Pferd, dem achtjährigen Bodyguard, ist sie bereits in der höchsten Dressurklasse angekommen. Ihr neuestes Projekt ist aber der dreijährige Hengst Bob, der denselben Vater hat wie ihre beiden anderen Pferde und ab dem Sommer von ihr ausgebildet werden soll. „Das ist mein Ziel. Mit Bodyguard klappt das Ausbilden schon sehr gut, und ich hoffe, auch mit Bob Erfolg zu haben.“ Einige von Middelberg ausgebildete Pferde wurden bereits in die USA oder nach Japan verkauft.

Trainerin der kleinen Schwestern

Neben der Ausbildung von jungen Pferden hat Middelberg mittlerweile auch den Job als Trainerin ihrer beiden kleinen Schwestern für sich entdeckt. Als sie die Reithalle präsentiert, zeigt sie deshalb auch stolz ihr Weihnachtsgeschenk von ihrer älteren Schwester Christina: ein Klappstuhl, auf dem „Cheftrainerin“ eingestickt ist. „Damit auch jeder Bescheid weiß, wie es hier läuft“, lacht sie. Im Stall sind die Bereiche unter den Geschwistern klar aufgeteilt: „Christina übernimmt das Management und ich das Training, das klappt in der Regel auch ganz gut.“

Während die elfjährige Lara noch am Anfang steht, feierte die 15-jährige Anna bereits einen großen Erfolg: 2017 wurde sie in Ungarn Europameister im Pony-Dressurreiten. Nächstes Jahr erfolgt für sie der Umstieg auf das Großpferd. Dann übergibt Petra ihren Barclay an die jüngere Schwester und hofft, dass der Erfolg anhält.

Fußball in der 1. Kreisklasse

Die 24-Jährige verfolgt aber auch noch Interessen außerhalb der Reithalle. Wenn es die Zeit zulässt, spielt sie beim SC Glandorf in der 1. Kreisklasse Fußball. Viele Spiele kann sie aufgrund der zeitgleich stattfindenden Reitturniere nicht absolvieren, dennoch genießt sie es, gelegentlich mit ihren Freundinnen zu kicken.

Vor Fußballspielen ist sie übrigens nervös als vor einer Dressurprüfung: „Wenn ich da einen Fehler mache, trage ich selbst die Verantwortung. Beim Fußball leiden noch zehn andere unter dem Fehler, obwohl in unserer Mannschaft natürlich keiner böse ist, wenn etwas nicht klappt.“ Von Kreisklasse über Ausbildung bis zum Traum von Olympia: Bei Petra Middelberg und ihren Schwestern ist in den nächsten Jahren alles möglich.