119 Finisher bei 6. Auflage Piesberg Ultra Marathon: Sieger in Serie nach Überraschung

Von Lennart Albers

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Osnabrück. „Hart, härter, PUM“ stand als Motto auf den Finisher-Shirts des 6. Piesberg-Ultra-Marathons. 127 Läufer gingen den Superlativ an und kämpften sich über 60 Kilometer Laufstrecke und überwanden 1837 Höhenmeter und 3354 Treppen. Am Ende gewannen zwei Seriensieger – wenn auch auf kuriose Weise.

Samstagmorgen, 11 Uhr am Piesberg: Die Autoschlange reicht bis runter zum Fürstenauer Weg, weil viele Leute das gute Frühlingswetter nutzen, um ihre Gärten auf Vordermann zu bringen – und ihre Grünabfälle beim Abfallwirtschaftszentrum abladen wollen. Gleichzeitig haben die 127 Läuferinnen und Läufer, die an den Autos vorbeirennen, ganz andere Sorgen: Insgesamt sechsmal müssen sie den mit 188 Metern höchsten Berg Osnabrücks erklimmen. Zu dieser Zeit liegt für die Aktiven noch mehr als die Hälfte der Zeit vor ihnen. „Immerhin verkürzen wir so die Wartezeit für die Autofahrer“, lacht PUM-Helfer Christian Flügler.

Ein paar Meter neben dem Eingangstor zum Abfallwirtschaftszentrum steht einer von zwei Versorgungswagen, an dem die Ultra-Läufer nach jeder Runde Energie tanken können. Einige lassen sich hier mehr Zeit: Wie Frank Wooßmann, der bereits mit PUM-Organisator Günter Liegmann den Deutschlandlauf absolviert hat. Er trinkt einen halben Liter Cola und isst ein paar Süßigkeiten, um den Körper mit Zucker zu versorgen, anschließend noch eine halbe Banane, und nach rund zwei Minuten Verschnaufpause geht es weiter. Andere haben es eiliger und halten nur wenige Sekunden, um möglichst schnell wieder auf der Strecke zu sein.

Keine Pause erlaubte sich die Siegerin bei den Frauen: Sonia Isabel Goebel aus Berlin siegte wie schon im Vorjahr mit einer Zeit von 6:43 Stunden. Während der letzten beiden Runden hatte sie zwar leichte Probleme aufgrund eines Sonnenstichs, gewann aber letztendlich mit über einer halben Stunde Vorsprung. „Der Sieg ist was Besonderes. Ich hab noch nie einen Lauf zweimal in Folge gewonnen, zumal das hier mein Lieblingslauf ist“, erzählte Goebel begeistert von der imposanten Strecke mit Panoramablick über ganz Osnabrück bei perfektem Wetter.

Kurioser verlief das Rennen bei den Männern. Lange Zeit führte hier Markus Steffen, der nach etwa der Hälfte aber aus gesundheitlichen Gründen aussteigen musste. Die Führung übernahm dann Christof Marquardt, der schließlich auch mit einer Zeit von 5:23 Stunden ins Ziel kam und damit einen neuen Streckenrekord aufstellte: Die Freude war aber nicht von langer Dauer. Nachdem Marquardt nicht mehr mit Steffen zusammenlief, kürzte er – wohl versehentlich – ab und wurde deshalb qualifiziert. Lachender Sieger war deshalb am Ende Uwe Mende, der in Münster wohnt und in Osnabrück arbeitet. Mit einer Zeit von 6:00 Stunden feierte er seinen dritten Sieg bei seiner dritten Teilnahme. „Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass ich Zweiter war, und als ich dann im Ziel erfahren habe, dass ich doch Erster bin, war das schon eine große Überraschung“, strahlte der 50-Jährige, für den der PUM ein ganz besonderes Rennen ist: „Es ist alles vertraut hier, man kennt die Strecke und die Menschen auswendig und kann während des Laufens fast schon meditieren.“

Die Schmerzen des Laufs sind aber bei vielen schnell vergessen, als am Abend alle Aktiven auf der Terrasse auf dem Gelände der Spielvereinigung Haste sitzen, die Sonne genießen, mit einem alkoholfreien Weizen auf das Geleistete anstoßen und Liegmann bei der Siegerehrung lauschen. „Es war wieder ein rundes Event mit tollen Läufern und tollen Rückmeldungen“, freute sich Liegmann, zog aber nicht nur aufgrund der guten Stimmung ein positives Fazit, sondern war auch damit zufrieden, dass von 127 Starten am Ende 119 über die Ziellinie liefen. Zu guter Letzt wurde auch noch für einen guten Zweck gesammelt: Aus Startgeldern und Spenden kamen insgesamt 6000 Euro zusammen, die an Help-Age, das Frauenhaus in Osnabrück und den Kinderschutzbund gespendet wurden.


Beim 6. Piesberg-Ultra-Marathon am Samstag stand die Familie Meyer zu Driehausen aus Belm ganz besonders im Mittelpunkt des Geschehens: Den ganzen Tag über wurden Vater Bernhard und die Söhne Gerrit und Felix von einem Kamera-Team des Norddeutschen Rundfunks (NDR) auf der Strecke begleitet.

„Das hat wirklich Spaß gemacht“, meinte der 26-jährige Felix, der wie sein Bruder Gerrit bereits zum dritten Mal am PUM teilnahm. Teilweise filmten sie selbst mit einer GoPro, teilweise stellte das Kamerateam des NDR nach den Runden Fragen an die drei, die – obwohl verschwitzt und außer Atem – entspannt und routiniert antworteten. „Da wird dann gefragt, ob man aufgibt. Aber natürlich gibt man nicht auf“, lachte der 23-jährige Gerrit, der mit einer Zeit von 8:13 Stunden rund eine Stunde eher im Ziel war als sein Vater und sein Bruder, die gemeinsam Hand in Hand die Ziellinie überquerten.

Letztendlich sei an diesem Tag sowieso nur entscheidend gewesen, dass alle drei die Strecke geschafft haben. „Es wäre natürlich blöd gewesen, wenn wir es nicht gepackt hätten, aber der Druck war durch das Kamerateam nicht größer“, wollte Gerrit den TV-Auftritt nicht überbewerten. „Wir hätten es auch ohne NDR geschafft“, ergänzte Bruder Felix schmunzelnd. Vor den TV-Kameras hatte er den neunstündigen Lauf als „meditativ“ bezeichnet.

Alle drei Belmer freuten sich natürlich auf den dreiminütigen Beitrag, der noch am selben Abend in der Sendung „Hallo Niedersachsen“ lief. Einigkeit herrschte nach erfolgreichem Zieleinlauf darüber, wie geschaut wird: auf dem Sofa und Füße hoch.

Der TV-Beitrag des NDR ist abrufbar in der Mediathek unter dem Suchwort „Hallo Niedersachsen“ (Sendung vom 7. April 2018) oder unter diesem Link (ab Minute 18): https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hallo_niedersachsen/Hallo-Niedersachsen,hallonds43550.html

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