Erinnerungen an ein Stück Sportgeschichte BC Giants: Das Wiedersehen der Riesen in Osnabrück

Meine Nachrichten

Um das Thema OS-Sport Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. BC Giants Osnabrück – der Name hat auch heute noch einen besonderen Klang. Denn er lässt Erinnerungen ertönen an ein schillerndes Stück Osnabrücker Sportgeschichte.

Das Dutzend in Ehren ergrauter Herren fiel wahrscheinlich kaum auf beim Treffen in der Marktschänke, dem bei Sportlern beliebten Traditionslokal in Osnabrück. Sie redeten von alten Zeiten – von Basketball-Festen in der überfüllten Schlosswallhalle, von Aufstiegsrekorden und Europapokalreisen, von spektakulären Mannschaftsfahrten und einer schneeweißen Golf-Flotte…

Die Geschichte vom BC Giants Osnabrück wurde damals, eingangs und Mitte der Achtzigerjahre, in ganz Deutschland erzählt. Man kann sie ganz lang ausbreiten, ohne dass es langweilig würde. Hier muss der Zeitraffer reichen.

Der große Macher Peter Perwas

Peter Perwas liebt den Basketball. Der ehemals talentierte Jugendfußballer hat es als Geschäftsmann in der Versicherungsbranche zu Wohlstand gebracht, jetzt träumt er von einem Basketballteam, das die Begeisterung für diesen Sport in Osnabrück wieder weckt.

Mit dem früheren VfL-Trainer Rolf Henke brütet er eine verrückte Idee aus – und setzt sie um: Die beiden locken gute Spieler an, Henke mit seinem Know-how, Perwas hilft mit Geld nach. 1977 geht’s los, zunächst beim TV Bissendorf-Holte, unter dessen Dach sich das „Wunderteam“ einquartiert. Als man 1982 nach einem einmaligen Durchmarsch in der 2. Bundesliga ankommt, trägt man schon den Namen „BC Giants“.

Mannschaftsfahrt in die USA

Das entspricht dem Selbstbewusstsein des Machers. Nach großen Siegen komme der Fürst in die Kabine, witzeln die Spieler – gemeint ist die Edel-Sektmarke „Fürst von Metternich“. Alle Spieler bekommen vom Boss einen weißen Golf GTI, und zur Mannschaftsfahrt reist man in die USA zu den NBA-Finals, später auch mal auf die Bahamas.

Lange vor dem Sprung in die Bundesliga kommen Stars wie Erhard Apeltauer, Rudi Kleen und Dirk Weitemeyer, außerdem hochkarätige Amerikaner wie Tom Norwood, Arnette Hallman und vor allem Sheldon Anderson, der zum Kopf des Teams wird. Dazu stoßen natürlich die besten Akteure der Region. Einige haben noch in der großen VfL-Basketball-Ära mitgemischt, einer davon ist Eckard Meyer.

Meyer der Organisator

Der ehemalige Lehrer hat das Treffen der „Riesen“ von einst arrangiert. „Was wir in der Zeit erleben durften, hatten wir Peter Perwas zu verdanken“, sagt Meyer. Der Giants-Macher kam 1994 bei einem Autounfall ums Leben, sein Sohn Peter-Michael war in der Marktschänke dabei.

Ebenso Sheldon Anderson, der an der Miami University in Oxford/Ohio Geschichte lehrt und am europäischen Standort seiner Universität in Luxemburg in den letzten Wochen in Europa war. Dazu Jens König, Ralf und Peter Borcherding, Rainer Hebbeler, Rudi Kleen, Norbert Stahmann, Coach Rolf Henke und Johannes Goldwasty, als Betreuer, Geschäftsführer und guter Geist immer dabei.

Erinnerungen an eine große Zeit

Sie tauschten Erinnerungen aus an die Höhepunkte aus den Bundesligajahren 1983 bis 1987 und die spektakulären Freundschaftsspiele in der Schlosswallhalle, deren Kapazität selbst mit einer Zusatztribüne dem Interesse der Osnabrücker Fans nicht gerecht werden konnte. Kein Wunder, wenn Maccabi Tel Aviv oder ZSKA Moskau mit Weltstars des Basketballs dort aufspielten. Zehn Jahre währte das Märchen, dann endete die wundersame Geschichte in Führungskrisen und Finanznot.

Aber die Geschichte ist unvergessen, wie das Treffen zeigt. Die Riesen gedachten ihres Trainers Helmut Uhlig und ihres Mitspielers Christian Welp, dessen internationale Karriere in Osnabrück begann. Und sie vereinbarten eine Neuauflage des Treffens, modern besiegelt mit der Installation einer Whatsapp-Gruppe. Die Riesen mögen grau geworden sein – aber nicht alt.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN