Vom Fitnessraum in die Sporthalle Flüchtling trainiert mit den Basketballern des OSC

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Osnabrück. Seit November 2017 trainiert ein sudanesischer Flüchtling mit den Basketballern vom Osnabrücker SC. Der Sport gibt ihm Halt, während sein weiterer Aufenthalt in Deutschland ungewiss ist.

Der Sport ist für Flüchtling Potur Dak derzeit eine wichtige Konstante und Möglichkeit, mit Menschen in Kontakt zu kommen. Sport bestimmt seinen Alltag. Es ist etwas, mit dem er neben Sprachkursen seine meiste Zeit verbringt. An diesem Abend hat der 26-Jährige – wie jeden Montag seit vier Monaten – Training mit der zweiten Basketballmannschaft des OSC. Mit dem Fahrrad kommt er vom Flüchtlingshaus am Natruper Holz angefahren. Der gebürtige Sudanese ist 1,89 Meter groß. „In meinem Land gehöre ich eher zu den Kleineren“, sagt der junge Mann. Unter dem Parka trägt er ein knallrotes Basketballhemd und eine Trainingsjacke, die ihm der Niedersächsische Basketballverband geschenkt hat.

Seit November des vergangenen Jahres trainiert er regelmäßig mit der ambitionierten Hobbytruppe, nachdem Dirk Povey ihn im Fitnessraum des Flüchtlingshauses kennengelernt hatte. „Er ist zuverlässig und in der Mannschaft akzeptiert“, sagt Povey, der seit 30 Jahren Basketball spielt. Im Rahmen des vom Bundesministerium des Innern geförderten Programms „Integration durch Sport“ nutzt Povey seine Kontakte und die Arbeit im Fitnessstudio der Til Schweiger Foundation, um sportbegeisterte Flüchtlinge in den Osnabrücker Sportvereinen unterzubringen und sie zu integrieren. Sechs Flüchtlinge hat er etwa zu Ballsport Eversburg vermittelt. Jedoch passiere es auch manchmal, dass Flüchtlinge „von einem Tag auf den anderen“ nicht mehr da seien. Damit müssten die Vereine zurechtkommen, sagt Povey.

Verbleib ungeklärt

Auch bei Potur Dak ist der Verbleib in Osnabrück ungeklärt. Die Mannschaft kennt seinen Status nicht, auch weil Dak es selbst nicht genau sagen kann. Jedoch sei die Aussicht auf dauerhaftes Bleiben in Deutschland eher gering, da er über Italien in die Europäische Union eingereist sei, sagt Povey.

Im April 2014 floh er vor dem Bürgerkrieg im Südsudan, der 2013 ausgebrochen war. Seine Familie blieb zurück. Über Ägypten, Libyen und Italien kam er zunächst in die Schweiz, bevor er im Frühjahr 2017 erst in Hamburg und dann in einem Flüchtlingslager in Bramsche landete. Seit knapp einem halben Jahr wohnt er in Osnabrück.

Als Kind spielte er Fußball. „Das ist sehr populär bei uns“, sagt Potur Dak. Im Alter von zehn Jahren nahm ihn ein Freund mit zum Basketball. Die Sportart genießt im Sudan eine hohe Aufmerksamkeit und Tradition, Spieler wie der 2,31 Meter große Manute Bol und Luol Deng haben es beispielsweise erfolgreich bis in die nordamerikanische Basketball-Profiliga NBA geschafft.

Keine Spielerlizenz

„Angelo“, wie Potur Dak von den Mitspielern beim OSC genannt wird, ist einer der jüngsten Spieler und neben dem Briten Povey der einzige Ausländer im Team. Doch beim Training ist er wie selbstverständlich ein Teil der Mannschaft. Er zeigt großen Einsatz auf dem Feld und sucht das Gespräch mit seinen Mitspielern. Zusammen mit Povey schaute er sich vor Kurzem ein Spiel von ProA-Ligist Rasta Vechta an. Dienstags und freitags trainiert er zusätzlich mit der Oberliga-Mannschaft des OSC, deren Spieler ungefähr in seinem Alter sind.

Nach einem Probetraining durfte er sofort mitmachen, auch ohne Mitgliedsbeitrag. Über die Stadt ist er haftpflichtversichert. „Von der Athletik her passt er sehr gut rein. Manchmal hakt es noch bei taktischen Spielzügen. Man merkt, dass er keine Basketballgrundausbildung hat“, sagt Simon Hagemann, der in der ersten Basketballmannschaft des OSC spielt und Jugendmannschaften des Vereins trainiert.

Die Verständigung hapert an manchen Stellen, weil Potur Dak nur wenig Deutsch spricht. Im Basketball wird jedoch viel auf Englisch besprochen. Er besuchte Spiele der Mannschaft, feuerte das Team an. Selbst am Wettkampf teilnehmen kann er nicht. Wegen des ungewissen Asylstatus konnte der Verein keine Spielerlizenz für ihn beantragen.


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