Zwischen Absturz und Aufstieg 3. Liga: Mehrheit der Ostvereine kämpft ums Überleben

Von Daniel Brickwedde


Osnabrück. Die untere Tabellenhälfte der 3. Liga wird derzeit von den Ostklubs dominiert. Viele vereinen dabei sportliche und wirtschaftliche Probleme – eine gefährliche Schieflage. Ein Vorzeigeklub ist dagegen der 1. FC Magdeburg.

Die Kulisse am Sonntag glich einer schaurigen Beerdigung. Totenköpfe, rot-weiße Urnen, Grabsteine und schwarzer Rauch schmückten die Choreografie in der Südkurve des Ernst-Abbe-Sportfelds. Die Ultras von Carl Zeiss Jena adressierten im thüringischen Derby ihre Botschaft an den verhassten Nachbarn aus Erfurt. Das Motto: „Rest in Hell.“

So drastisch die Szenerie war, einen wahren Kern traf sie dennoch. Die 0:1-Niederlage in der Nachspielzeit in Jena war für Rot-Weiß Erfurt der nächste Nackenschlag in in dieser Saison. Sportlich besteht mit nun elf Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz kaum noch Hoffnung. Finanziell erdrücken Verbindlichkeiten von mehreren Millionen Euro den Verein. Der DFB belegte die Thüringer wegen Liquiditätslücken in dieser Saison bereits mit einem Punktabzug. Eine Planinsolvenz wird mittlerweile geprüft.

Finanzielle Schwierigkeiten begleiten viele Drittligisten seit vielen Jahren. Doch besonders bei den Vereinen aus Ostdeutschland drückt oft der Schuh. Hinzu kommt ein sportlicher Absturz in dieser Saison. In den vergangenen drei Spielzeiten standen mindestens drei Ostvereine am Ende unter den Top Ten der Tabelle, in der Saison 2015/16 waren es gar sechs. Von dieser Dominanz ist wenig geblieben.

Zittern um Lizenz

Fünf der sieben Ostvereine belegen in dieser Drittliga-Spielzeit einen der letzten neun Plätze in der Tabelle, für Erfurt und den Chemnitzer FC wird der Klassenerhalt immer unwahrscheinlicher. Beide Vereine stehen stellvertretend dafür, wie wirtschaftliche Probleme die sportliche Situation beeinflussen. Erfurt und Chemnitz mussten vor der Saison um ihre Drittliga-Lizenz zittern, die Genehmigung gab es nur unter Auflagen. Sportliche Großtaten lassen sich so nur schwer umsetzen.

In Chemnitz wird Trainer David Bergner von Sponsoren bezahlt, Sportvorstand Steffen Ziffert arbeitet ehrenamtlich – der Vereinsetat darf nicht belastet werden. Erst 2016 rettete die Stadt den Verein vor der Insolvenz.

Bangen um Klassenerhalt

Dabei kann sich die sportliche Bilanz der Ostvereine in der Drittliga-Historie sehen lassen. Nur drei Vereine stiegen bislang ab: Jena (2012), der SV Babelsberg (2013) sowie Energie Cottbus (2016). Dass sich die Anzahl der Absteiger aus dem Osten in dieser Saison mit einem Schlag verdoppeln könnte, hängt mit der Situation um den Halleschen FC zusammen. Sieben Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsrang sind beruhigend, die finanzielle Schieflage mit einem Defizit von 1,35 Millionen Euro lässt den Verein trotzdem um den Klassenerhalt bangen. „Unsere wirtschaftliche Situation ist zweifellos brisant“, sagt Präsident Michael Schädlich. Die Lizenz für die kommende Spielzeit ist in Gefahr, der Verein hofft auf die Unterstützung der Stadt.

Sorge um wirtschaftliche Situation

Im unteren Tabellendrittel steckt auf Platz 14 ebenfalls der FSV Zwickau, im Vorjahr noch Tabellenfünfter. Zumindest wirtschaftlich stehen die Sachsen aber stabil da.

Das Wort Insolvenz geisterte jahrelang auch durch Rostock. Die wirtschaftliche Situation um Hansa war heikel, ehe der Verein 2015 mit Rolf Elgeti einen Investor fand. Der Multimillionär aus der Finanzbranche rettete dem Verein mit Darlehen die Lizenz und besitzt nach der Ausgliederung inzwischen 45 Prozent der Spielbetriebsgesellschaft. Nach fünf Jahren in der unteren Tabellenhälfte mischt Hansa Rostock in diesem Jahr als aktuell Fünfter um den Aufstieg mit.

Hoffnung aufs Überleben

Dazu trug auch der 1:0-Erfolg am Wochenende gegen den 1. FC Magdeburg bei. Der FCM ist in dieser Saison das Vorzeigebeispiel aus dem Osten. Magdeburg leitete 2012 die Konsolidierung ein, arbeitete sich kontinuierlich nach oben und erzielt wirtschaftlich mittlerweile Gewinne – als Tabellenführer ist nun sogar der Aufstieg in die 2. Bundesliga ein realistisches Ziel. Eine Entwicklung wie in Magdeburg bleibt allerdings die Ausnahme. Denn auch in Jena dürften die Fans trotz aller Häme in Richtung Erfurt kaum zufrieden mit der wirtschaftlichen Entwicklung sein. Sportlich spielt der Aufsteiger eine stabile Saison, finanziell sehen die Zahlen indes weniger erfreulich aus. 1,4 Millionen Euro betrug das operative Minus im vergangenen Geschäftsjahr. Überlebensfähig ist der Verein derzeit vor allem durch das Geld des Investors Roland Duchâtelet. Erst eine Zahlung über 1,6 Millionen Euro aus dem Darlehensvertrag mit dem Belgier sicherte Jena die Spielberichtigung für die 3. Liga. Geld, das Duchâtelet teilweise zurückverlangt.