17 Jahre beim VfL Osnabrück Bärbel Grafe hört als Leiterin der Gymnastikabteilung auf

Mitten im Geschehen: die scheidende Abteilungsleiterin Bärbel Grafe (in Lila). Foto: PentermannMitten im Geschehen: die scheidende Abteilungsleiterin Bärbel Grafe (in Lila). Foto: Pentermann

Osnabrück. Nach 17 Jahren als Leiterin der Gymnastikabteilung des VfL Osnabrück geht Bärbel Grafe an diesem Dienstag in den Ehrenamts-Ruhestand. „Der VfL ist und bleibt mein Verein“, sagt die 80-Jährige. Gerade deshalb nutzt sie die Stunde zu einer Botschaft an das neue Präsidium.

Wenn sie bei den Jahreshauptversammlungen des VfL Osnabrück ans Rednerpult trat, mitten in all diesen Aufgeregtheiten um das Wohl und Wehe des lila-weißen Profifußballs, dann war Bärbel Grafe ein wohltuendes Stück Sportnormalität. Ruhig, freundlich, selbstbewusst und mit einer Prise Witz trug sie vor, wie es bestellt ist um die Gymnastikabteilung mit ihren gut 200 Mitgliedern.

Sie erzählte von der Ferienfreizeit auf Borkum, erwähnte langjährige Übungsleiterinnen und trug stolz den mindestens ausgeglichenen Kassenbestand vor. Wenn dabei jemand ein leichtes Blinzeln in Richtung der Fußballchefs mit ihren stetigen Finanzsorgen entdeckte, war das wohl keine reine Einbildung.

Gemeinschaftserlebnis und Gruppengefühl

„Ich wünsche mir, dass der VfL sich nicht nur über den Fußball definiert, sondern auch als Breitensportverein wahrgenommen wird. Das muss auch nach außen getragen werden. Darüber ist oft gesprochen worden, aber es ist wenig passiert“, mahnt Bärbel Grafe, wenn man mit ihr über ihre Bilanz spricht.

Zum Sport gehören für sie das Gemeinschaftserlebnis und das Gruppengefühl: „Wir wollen die Menschen zusammenhalten und ihnen Freude machen.“ In kleinen Gruppen läuft das Übungsprogramm in 20 Stunden pro Woche ab. Der persönliche Bezug zu den Aktiven ist wichtig: „Wir bieten mehr als Sport. Die soziale Kompetenz zeichnet uns aus“, sagt Grafe.

Seit 1969 aktives Mitglied

Das Angebot reicht von Fitnessgymnastik über Nordic Walking bis zu Wirbelsäulenprophylaxe und Wassergymnastik. Von den zehn Übungsleiterinnen sind vier seit mehr als 20 Jahren dabei – allen voran Doris Hegekötter, die seit 1980 Stunden leitet, sowie zudem Barbara Siebe, Marlies Druwen und Marianne Ahlers.

Bärbel Grafe ist da, wenn es darauf ankommt. Seit 1969 als aktives Mitglied, seit 1979 als stellvertretende Abteilungsleiterin unter „Chefin“ Annelie Wellmann. Wichtig war ihr immer, dass Übungsleiterinnen und Aktive selbstständig waren. „Vom ersten Tag an hatte ich mir vorgenommen, Teamspielerin zu sein und nicht Anführerin“, sagt sie, „nur wenn man jemandem Verantwortung gibt, kann er auch Verantwortung übernehmen“.

Mitglieder fühlten sich wohl

So entstand über viele Jahre eine Wohlfühlatmosphäre, in der die Menschen gern Sport treiben. Die Mitglieder sind zwischen 40 bis 90 Jahre alt, überwiegend Frauen. Dass sie sich wohlfühlten, las Bärbel Grafe sogar aus den Kündigungen derer heraus, die austraten, weil sie wegzogen oder den Sport aufgaben: „Das war oft so liebevoll und freundschaftlich geschrieben, dass ich mich sogar über diese Kündigungen irgendwie gefreut habe.“

Leise, aber klar und pragmatisch übte Grafe auch ihre Rolle als Frauenbeauftragte im Stadtsportbund aus: „Früher wollten die Frauen noch an die Hand genommen werden, das hat sich Gott sei Dank geändert – auch im Sport. Und vielleicht auch ein bisschen durch den Sport.“

Amtsübergabe am Dienstag

Wenn Bärbel Grafe an diesem Dienstag ihr Amt an die 22 Jahre jüngere Sabine Wolff übergibt, wird es Blumen und Beifall geben. Das geschieht im VIP-Raum des Stadions an der Bremer Brücke, denn das „Clubheim für die ganze VfL-Familie“, das Grafe gern hätte, ist ein Traum geblieben.

Nun freut sie sich auf ein bisschen mehr Familienleben mit ihrem Mann Bernhard, auf die Gartenarbeit und ein paar Reisen. Und – natürlich – auf die Übungsstunden im VfL. Dreimal in der Woche.


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