Tief „Burglind“ Umgestürzte Bäume und vollgelaufene Keller im Landkreis Osnabrück

03.01.2018, 07:51 Uhr

dpa/chl/pm/hdu/ie/lj Osnabrück. Wegen des Tiefs „Burglind“ peitschen orkanartige Böen über viele Landesteile. Am Morgen gab es amtliche Unwetterwarnungen im Westen und auch erste Verkehrsbehinderungen. Auch in der Region Osnabrück gibt es eine Warnung vor Sturmböen.

Am Mittwochabend musste die Feuerwehr in Melle einige Male ausrücken: In den Stadtteilen Westhoyel und Wellingholzhausen mussten Tauchpumpen eingesetzt werden um Häuser vor den Wassermassen zu schützen. Zudem waren einige Keller und Tiefgaragen vollgelaufen. Insgesamt seien die natürlichen Ausgleichsflächen schon ziemlich belastet, berichtet Martin Dove von der Freiwilligen Feuerwehr Melle.

Morgens war die Situation im Landkreis noch recht ruhig. Zwei Einsätze der Feuerwehr wegen umgestürzter Bäume (Melle und Bad Essen-Brockhausen) auf der Fahrbahn habe es gegeben, teilt die Polizei Osnabrück mit. Ein freistehender Nadelbaum war am Ortseingang von Brockhausen durch eine kräftige Windböe umgestürzt. Der Baum versperrte vollständig die Fahrbahn. Mit einer Motorsäge wurden Äste abgeschnitten und der Stamm zerteilt. Nach kurzer Zeit war das Hindernis beseitigt.

Düte angestiegen: Feuerwehr in GMHütte im Einsatz

Überschwemmungen drohen derzeit in Georgsmarienhütte laut Mitteilung des Landkreises vom Mittwochnachmittag nicht. Dennoch waren die Feuerwehren Oesede und Kloster Oesede am Mittwochabend im Einsatz, um an heiklen Punkten Häuser vor einer womöglich über die Ufer tretenden Düte zu schützen. Wie Stadtbrandmeister Gerhard Glane am Abend mitteilte, sicherte die Feuerwehr Kloster Oesede zwei Häuser am Mühlenweg, die vom Wasser der Düte erreicht werden könnten. Darüber hinaus ist die Feuerwehr Oesede am bekannten Hochwasser-Sorgenkind der Stadt im Einsatz: der Eisenbahnstraße. „Hier ist der tiefste Punkt“, so Glane. „Aber es sind reine Vorsichtsmaßnahmen.“ In Höhe der Firma Mentrup stand der Pegel der Düte schon recht hoch, die Einsatzkräfte sicherten den Bereich mit Sandsäcken ab. Die Feuerwehr habe Messungen vorgenommen und festgestellt, dass der Pegel langsam wieder falle, teilte Glane gegen 21 Uhr gegenüber unserer Redaktion mit.

In Wersen stieg der Pegel von Mitternacht bis Mittwochmittag um über einen Meter und blieb damit zunächst nur knapp unter dem Stand Mitte Dezember. Hier wurde allerdings die Hochwassermeldestufe 1 erreicht. Laut Prognosen soll sich der Wasserstand hier knapp oberhalb der Meldestufe 1 zunächst halten.

Unter Meldestufe 1 versteht der zuständige Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, dass das Wasser bereits stellenweise das Flussbett verlässt. Ab Meldestufe 2 tritt das Wasser dann hauptsächlich in land- und forstwirtschaftlichen Bereichen über die Ufer. Erst bei Meldestufe 3 ist die Überschwemmung größerer Flächen, von Grundstücken, Straßen und Kellern zu erwarten.

Im Landkreis Oldenburg kam es nach Angaben der Feuerwehr Dötlingen zu einem umgestürzten Baum. Die Ortsfeuerwehr Brettorf rückte gegen 16 Uhr zur Straße Am Wienbarg in Hockensberg aus um eine umgestürzte Tanne von der Fahrbahn zu räumen.

Fährverbindung eingestellt

Darüber hinaus hat das Tief hat zu ersten Ausfällen von Fähren in Niedersachsen geführt. In Cuxhaven wurde am Mittwoch die einzige Insel-Fährverbindung nach Helgoland vorsorglich eingestellt. Einige Urlauber seien bereits am Dienstag abgereist, andere würden zurück fliegen oder länger bleiben, sagte eine Sprecherin auf der Hochseeinsel. Derzeit ist mit der „Funny Girl“ nur ein kleineres Schiff im Helgoland-Einsatz. Die größere Fähre „Helgoland“ war am Sonntag beim Anlegen beschädigt worden und liegt in einer Reparaturwerft.

Früher abgereist sind auch einige Gäste auf der Insel Wangerooge. Dort fielen wegen Hochwasser zwei Verbindungen vom und zum Festland aus. Je eine Abfahrt wurde auch von Spiekeroog nach Neuharlingersiel und umgekehrt gestrichen. „Die Urlauber wussten aber seit Dienstag Bescheid und haben sich darauf eingestellt“, sagte eine Touristik-Sprecherin. Einschränkungen gab es zudem bei der Langeoog-Fähre. Die Linien Baltrum, Juist und Norderney sollten dagegen normal verkehren.

Viele Verkehrsbehinderungen

In Nordrhein-Westfalen kam es zu vielen Verkehrsbehinderungen durch Tief „Burglind“. Laut Polizei standen etwa Straßen in Essen und Mülheim unter Wasser, Gegenstände flogen umher. Ein umgestürzter Baum blockierte die wichtige Regionalbahnlinie zwischen Aachen und Düsseldorf. Auch auf den Autobahnen A44 zwischen Jülich und Aldenhoven und auf der A59 bei Duisburg kam es laut WDR und Radio Duisburg zu Behinderungen. Auf der A44 stürzte ein Hochsitz auf die Fahrbahn. Die Polizei in NRW bat Autofahrer, besonders vorsichtig zu fahren.

 (Weiterlesen: Sturmtief „Burglind“: Tipps für Autobesitzer, Hauseigentümer und Reisende) 

 Köln und andere Städte wappnen sich für ein drohendes Hochwasser. Die ersten Straßen am Rheinufer wurden bereits überschwemmt, die Schifffahrt läuft nur noch eingeschränkt. In Selm im südlichen Münsterland prallte ein mit 70 Fahrgästen besetzter Regionalzug gegen einen Baumstamm. Die Bahn sprang aus den Schienen und holperte laut Bundespolizei noch rund 120 Meter weit über die Bahnschwellen. Die Einsatzkräfte mussten sich den Weg durch ein matschiges Waldgebiet zur Unfallstelle bahnen. Alle Fahrgäste blieben unverletzt. Feuerwehr und Polizei mussten zu mehr als 1500 Einsätzen ausrücken. Meist ging es aber um kleinere Einsätze.

Windrad umgeworfen

Im Landkreis Schaumburg ist am Mittwoch eine Windkraftanlage umgestürzt. Menschen seien bei dem Vorfall in Volksdorf nicht verletzt worden, teilte Polizeisprecher Axel Bergmann mit. „Die Anlage stand in ausreichender Entfernung von Häusern, so waren keine Menschen gefährdet“, sagte er. Das Windrad stürzte gegen 13.30 Uhr um. Auslöser sei vermutlich ein technischer Defekt gewesen, erklärte Bergmann. So habe sich die Anlage nicht in den Wind drehen können. Das Windrad sei rund 70 Meter hoch gewesen, hatten die „Schaumburger Nachrichten“ zuvor über Twitter gemeldet. Sturmtief „Burglind“ traf am Mittwoch mit orkanartigen Böen mehrere Bundesländer.

Kapelle schwer beschädigt

Bei einem Verkehrsunfall auf dem Schöppinger Berg ist in der Nacht zum Mittwoch die Antoniuskapelle stark beschädigt worden. Nach erster Einschätzung ist das Gebäude einsturzgefährdet. Gegen 03.25 Uhr fuhr ein 43-jähriger Lkw-Fahrer auf der Landstraße 579 von Horstmar in Richtung Schöppingen. Nach dem Anstieg auf den Berg kam der Sattelzug den Spuren zufolge nach rechts von der Fahrbahn ab, fuhr über den Grünbereich und stieß dann gegen die Antoniuskapelle. Der 43-jährige Fahrer des nicht beladenen Gespanns wurde leicht verletzt. Der Schaden am LKW wird auf 7.000 Euro beziffert. Die Polizei hat die Ermittlungen zum genauen Unfallhergang aufgenommen. Geprüft wird auch, ob der Wind auf den Lkw gedrückt hatte.

Beeinträchtigungen auf den Schienen

Durch Windböen umgestürzte Bäume sorgen immer wieder für Beeinträchtigungen auf den Schienen.

Die Deutsche Bahn beobachtet die Wetterlage genau, wie ein Sprecher in Frankfurt am Main am Dienstag sagte. Bundesweit stünden etwa an mehreren Standorten Reparaturtrupps und -fahrzeuge bereit, um Sturmschäden an Oberleitungen zu beseitigen.

 (Weiterlesen: Es wird stürmisch und nass in unserer Region) 

Aufgrund von Schäden durch das Sturmtief Burglind ist der Fernverkehr derzeit regional eingeschränkt.

Auf folgenden Strecken sind aktuell Sperrungen vorhanden:


  • Köln Hbf - Bonn Hbf
  • Köln Hbf - Aachen Hbf
  • Aachen - Krefeld
  • Köln Hbf - Koblenz Hbf
  • Kaiserslautern - Ludwigshafen
  • Köln Hbf - Niederlahnstein

Auch die Nordwestbahn teilt mit, dass insbesondere auf den Linien der Region Niederrhein/Ruhr/Münsterland mit Ausfällen oder Verspätungen gerechnet werden muss.

Der Streckenabschnitt Ahlhorn - Sandkrug ist aktuell gesperrt. Ein Busnotverkehr zwischen Ahlhorn und Oldenburg ist eingerichtet.

Umherfliegende Gegenstände und umstürzende Bäume

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte vor umherfliegenden Gegenständen und umstürzenden Bäumen. „Die Böden sind durch den Regen der vergangenen Tage durchnässt, Bäume kippen leichter um“, sagte der DWD-Meteorologe Robert Hausen in der Nacht zum Mittwoch. Vor allem in Wäldern solle man sich am Mittwoch lieber nicht aufhalten. (Weiterlesen: Zug prallt im Münsterland gegen umgestürzten Baum) 

Kaltfront mit Winden, Regen und Gewittern

Eine Kaltfront mit heftigen Winden, kräftigem Regen und möglichen kurzen Gewittern sollte vom Westen aus über Deutschland ziehen. Ab vier Uhr waren auch im Saarland und Rheinland-Pfalz orkanartige Böen zu erwarten. Das Ganze sollte laut Hausen „rasend schnell“ vorbeigehen. „Es gibt kurze, heftige Böen.“

Für den Südwesten von Nordrhein-Westfalen, das westliche Rheinland-Pfalz und große Teile des Saarlandes hatte der Deutsche Wetterdienst für den Zeitraum zwischen 4.30 Uhr und 7 Uhr eine amtliche Unwetterwarnung herausgegeben. Man sollte Abstand von Gebäuden, Bäumen, Gerüsten und Hochspannungsleitungen halten.

Stromausfall in Bayern

Am Vormittag sollte die Kaltfront in Richtung südliches Hessen, Baden-Württemberg und Bayern weiterziehen. Der Wind dürfte laut Hausen Spitzengeschwindigkeiten zwischen 100 und 130 Stundenkilometern erreichen.

Atlantiktief Burglind hat für vereinzelte Stromausfälle im Bayernwerk-Netzgebiet gesorgt. Betroffen waren in erster Linie Teile Oberbayerns. Auf dem Höhepunkt der von Westen her rasch über den Freistaat ziehenden Sturmausläufer waren rund 10.500 Haushalte und Betriebe im Versorgungsgebiet zeitweise ohne Strom. Bereits am frühen Nachmittag hatte das Bayernwerk die betroffenen Regionen größtenteils wiederversorgt.

Ganztägig wird im Alpenvorland in Höhenlagen ab 1500 Metern vor Orkanböen gewarnt. In Hochlagen im Harz und auf dem Fichtelberg im Erzgebirge gilt das bis Donnerstagmorgen.

Schäden in Belgien

Der Sturm hat in Belgien Schäden und Verkehrsbehinderungen verursacht. Anders als in Deutschland heißt der Sturm hier „Eleanor“. Auf den Strecken des Hochgeschwindigkeitszugs Thalys nach Amsterdam sowie nach Dortmund kam es zu deutlichen Verspätungen, wie die Betreibergesellschaft am Mittwoch mitteilte. Zwischen Brüssel und Paris wurde eine Verbindung wegen des schlechten Wetters gestrichen. In der niederländischsprachigen Region Flandern wurden durch heftigen Wind einige Dächer abgedeckt, wie die Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf die örtlichen Behörden berichtete. In der Hauptstadt Brüssel war der Bahnverkehr ebenfalls stark beeinträchtigt.