Stellvertretender Vorsitzender CDU-Ratsmitglied unterstützt Cannabis-Petition in Münster

Von Sven Kienscherf | 29.08.2014, 18:01 Uhr

Hanf-Aktivisten aus Münster, die den Anbau und Verkauf von Cannabis in der Stadt legalisieren wollen, bekommen Schützenhilfe von unerwarteter Seite. Der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Ratsfraktion Dietmar Erber spricht sich dafür aus, dem Modellversuch eines Cannabis Social Clubs eine Chance zu geben. Dies sei aber seine persönliche Ansicht.

„Wenn Cannabis-Konsumenten dadurch entkriminalisiert werden und Kriminellen so ihre Geschäftsgrundlage entzogen wird, bin ich dafür, das auszuprobieren“, sagte Erber gegenüber unserer Redaktion. Wenn der Staat durch die Besteuerung von Cannabis noch zusätzliche Einnahmen verbuchen könne, sei das ein „willkommener Nebeneffekt“.

Der Diplom-Chemiker ist unter anderem Sprecher im Haupt- und Finanzausschuss der Ratsfraktion. Er betont allerdings, dass es sich um seine persönliche Meinung handelt und nicht um die Ansicht der CDU-Ratsfraktion. „Die Ratsfraktion hat noch keine abschließende Meinung zu dem Thema.“

Interview mit Hanf-Aktivist: Recht auf Rausch

Erber begründete seine Haltung auch mit seinem Beruf als Diplom-Chemiker: „Manche Dinge muss man ausprobieren, um zu wissen, ob man damit richtig liegt oder falsch. Anders entsteht kein Fortschritt.“

„Saufen auf Schützenfesten akzeptiert“

Er halte den bisherigen Umgang von großen Teilen der Politik und Wirtschaft mit dem Thema Cannabis zumindest für fragwürdig: „Auf Schützenfesten saufen sich die Leute die Hucke voll, und das ist gesellschaftlich vollkommen akzeptiert. Und das, obwohl es pro Jahr deutlich mehr Tote durch Alkohol als durch Cannabis geben dürfte.“

Er selbst habe übrigens noch nie gekifft, sagte Erber. „Und ich habe es auch nicht vor.“

Modellversuch beantragen

Zum Hintergrund: Drei Hanf-Aktivisten haben im April eine Petition an die Stadt gerichtet. Sie fordern, dass im Rahmen eines Cannabis Social Clubs Mitglieder legal Cannabis erwerben können. Die Droge soll von dem Club angebaut werden, die Stadt soll die Qualität überwachen und für die Sicherheit sorgen.

Irgendwann in den kommenden Monaten soll der Antrag auf der Tagesordnung des Münsteraner Rats stehen. Sollten die Politiker den Antrag befürworten, müsste die Stadt einen Modellversuch beim zuständigen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte beantragen.

Auch in Osnabrück will sich ein Cannabis Club gründen.