Sportpolitik Landessportbund NRW warnt vor Übermacht des Fußballs

Von Florian Pfitzner, Florian Pfitzner | 18.10.2017, 13:08 Uhr

Der Präsident des nordrhein-westfälischen Landessportbundes (LSB), Walter Schneeloch, hat vor der erdrückenden Macht von Deutschlands Sportart Nummer eins gewarnt. Die Gründung der Initiative „Athleten Deutschland“ stößt beim LSB auf größeres Verständnis als bei seinem Dachverband.

Der Fußball bekommt in Deutschland größte Aufmerksamkeit – und mit Abstand das meiste Geld aus der Wirtschaft. Der Landessportbund (LSB) Nordrhein-Westfalens hat nun vor einer zunehmenden Verdrängung des Spitzensports gewarnt. „Unsere Athleten stehen längst nur noch im Schatten des milliardenschweren Fußballbetriebs“, sagte LSB-Präsident Walter Schneeloch in einem Gespräch mit dieser Redaktion. „Wenn das so weitergeht, erdrückt die Fußballblase den deutschen Spitzensport.“

Aus der Sicht des Funktionärs leidet der hiesige Sport unter der gewaltigen Konkurrenz. „In Deutschland gibt es nur Fußball, Fußball und Fußball, irgendwann kommt dann Formel 1 und alle paar Jahre die Olympischen Spiele“, sagte Schneeloch. Ihn stört die mediale Reichweite, zumal das Fernsehen inzwischen sogar Regionalligaspiele live überträgt. „Man kann sich vorstellen, was die Vereine schon auf diesem Niveau für Gehälter zahlen.“

„Mehr Geld, sonst wandern unsere Trainer ab“

Dagegen seien junge Athleten aus anderen Sportarten häufig auf Familie und Freunde angewiesen, um überhaupt angemessen trainieren zu können. „Mit den paar Kröten, die sie verdienen, können sie ihr Leben neben der Ausbildung kaum absichern.“

Um den Athleten finanziell zu helfen, setzt der LSB-Präsident unter anderem auf die sogenannte Leistungssportreform. Bund und Länder müssten bereit sein, mehr Geld in den Spitzensport zu investieren, sagte Schneeloch. „Sonst wandern unsere Trainer immer häufiger nach China oder England ab.“ Bislang sei die Förderung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein gewesen, gerade angesichts der aufwendigen bürokratischen Pflichten. „Die Politik sonnt sich gerne im Glanz unserer Sportler, Wettkampferfolge gibt es aber nicht umsonst.“

Staatssekretärin hält Ausrichtung für ausgewogen

Im vergangenen Jahr haben sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), der Bund und die Länder auf die Eckpunkte zu einer Neustrukturierung des Leistungs- und des Spitzensports verständigt. „Wir sind etwa in der Frage der Konzentration der Bundesstützpunkte ein gutes Stück vorangekommen“, sagte die NRW-Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt, Andrea Milz. Die CDU-Politikerin zeigte sich „optimistisch, dass die noch offenen Finanzierungsfragen zwischen Bund und Ländern über die zukünftige Leistungssportförderung bald beantwortet werden“.

Milz hält die sportpolitische Ausrichtung in NRW für ausgewogen. Sie sei „stolz auf die Breite unseres Sportangebots“, sagte die Staatssekretärin. Das Land fördere gemeinsam mit dem LSB, der Sportstiftung NRW und den Olympiastützpunkten „in besonderer Weise den Nachwuchsleistungs- und Spitzensport in den olympischen und paralympischen Disziplinen“. Der Erfolg dieser Förderung lasse sich an den Bilanzen der beiden zurückliegenden Olympischen und Paralympischen Spiele ablesen: „NRW hat den größten Anteil deutscher Athletinnen und Athleten gestellt und war das erfolgreichste Bundesland.“

Die Gründung der selbstständigen Initiative namens „Athleten Deutschland“ stößt beim LSB NRW auf größeres Verständnis als bei seinem Dachverband, dem DOSB. „Die Top-Athleten professionalisieren ihre Interessenvertretung, ich kann das nachvollziehen“, sagte LSB-Präsident Schneeloch. Die Aufgaben rund um die Leistungssportreform seien „von ein paar wenigen ehrenamtlichen Mitarbeitern heute nicht mehr zu bewerkstelligen“. Nun sei er „gespannt auf den konkreten Finanzplan“.