Nordrhein-Westfalen Sieben Zelte und drei Nationen

30.07.2009, 22:00 Uhr

Weiße Zelte von den Velper Pfadfindern, eine komplett mit Gaskochern, großem Kochgerät und Kühlschränken in der Remise eingerichtete Küche. Gleich nebenan, schön unter Dach, der „Speisesaal“. Dazu ein Duschcontainer und für alle (Regen-) Fälle das Naturschutzzentrum Sägemühle. 36 junge Menschen werden diese Logistik, die die ANTL vergangene Woche installiert hat, drei Wochen lang intensiv nutzen: Das „Ewoca“ hat am Montag begonnen.

Hier treffen sich 16- bis 20-Jährige aus drei Nationen, um drei Wochen lang, bis zum 16. August, gemeinsam zu leben und zu arbeiten. Denn „Ewoca“ (European Workcamp) ist deutlich mehr als ein bisschen Sightseeing und Jugendaustausch. Die Polen, Litauer und Deutschen werden richtig arbeiten. Lager-Ziel: ein üppig dimensionierter Steg in den Sägemühlenteich.

4,5 mal fünf Meter misst allein seine Plattform, die später einer kompletten Schulklasse Platz für die biologische Arbeit am Wasser bieten wird. Doch bis dieser Steg, der auf dem Beton-Mönch (regulierbarer Überlauf des Teiches zum Wechter Mühlenbach) fußt, fertig ist, werden 36 junge Menschen schwitzen, ganz bestimmt nasse Füße bekommen – und sich und das Biotop der Talaue sprichwörtlich hautnah erleben.

Von jeher legt die ANTL Wert auf die Arbeit draußen. Jetzt passiert wieder so etwas: Unter fachlicher Anleitung von Garten- und Landschaftsplaner Thomas Volk aus Mettingen werden die Camp-Teilnehmer planen, Hölzer zuschneiden und Stück für Stück ihr ganz eigenes Ding realisieren.

Gisela Lamkowsky von der ANTL hat das Projekt organisiert und freut sich über die nötigen Mittel der Mercator-Stiftung, von „Jugend für Europa“ (woran auch das Kreisjugendamt beteiligt ist), der DBU (Deutsche Bundesstiftung Umwelt) und einiger Spender und Sponsoren.

Ralf Bornstedt, Koordinator für Internationale Jugendarbeit beim Kreis Steinfurt, erklärt, dass sich die Jugendlichen in drei Gruppen teilen werden: Küche, Handwerk, Medien. Gruppenintern werde nach einer Woche gewechselt. Das bedeutet, dass jeder Teilnehmer mal am Steg arbeitet, die Truppe bekochen darf oder das Projekt dokumentiert – langweilig wird‘s garantiert nicht.

Die weiteste Anreise hatten die Litauer, deren Bus fast anderthalb Tage brauchte. Die erste Nacht im Zelt war für einige eine neue Erfahrung. Sprachhürden, kulinarische Vorlieben, handwerkliches Geschick (oder auch nicht) – die folgenden drei Wochen dürften spannend werden. Doch funktioniert das Projekt nur gemeinsam.

Morgens Arbeit, nachmittags Klettergarten, Heiliges Meer, Dyckerhoff-Steinbruch: Für Abwechslung sorgt das Rahmenprogramm. Konkrete Arbeit draußen geht Hand mit Hand mit Umweltbildung. Landrat Thomas Kubendorff interessiert das auch: Er hat schon seinen Besuch zugesagt.