Nordrhein-Westfalen Große Stimmen – großes Orchester

29.07.2009, 22:00 Uhr

Schöneres gibt es kaum für einen Dirigenten: Ein kurzer Wink, ein Blick – und Deborah Sasson, Eva Lind und Björn Casapietra kommen nach vorne auf die Bühne. Sie nehmen Lior Shambadal an die Hand. Verneigung, ein Winken, zurück hinter die Bühne. Diese Szene wiederholte sich am Montagabend auf der Freilichtbühne mehrfach. Begeisterte Zuschauer feierten minutenlang die drei Solisten, den Dirigenten und sein Orchester, die Berliner Symphoniker. Die „Nacht der Klassik“ präsentierte große Stimmen und ein großes Orchester.

Was geboten wurde, machte Lior Shambadal nach der Ouvertüre zur „Zauberflöte“ klar: „Ach ich fühl’s“, sang Deborah Sasson wenige Augenblicken später. Der Chefdirigent der Berliner Symphoniker deutete den Titel auf seine Weise: „Ich glaube, es bleibt trocken“, sagt er mit Blick zum Himmel. Eine Hoffnung, die sich erfüllte. Mehr als erfüllt wurden die Erwartungen der rund 1500 Zuschauer. Schon die ersten Töne von Sasson elektrisierten die Menschen geradezu. So klar, so rein, so sicher, so einfühlsam – selbst der Wind wandelte sich zu einem lauen Lüftchen.

Musik von Mozart, in derartiger Qualität und gleichzeitig anmutiger Harmonie mit der mächtigen Kulisse der Burgruine – das Publikum war begeistert. Umso mehr, als Eva Lind und Björn Casapietra mit dem „Ci Darem La Mano“ aus „Don Giovanni“ nahtlos an die Glanzvorstellung von Deborah Sasson anknüpften.

Über Giuseppe Verdi, Pablo Sorozabal und Giacomo Puccini spannte sich der Bogen der Opernmelodien zur Pause. Verdienter Beifall begleitete ein Orchester, das mit bemerkenswerter Leichtigkeit seine musikalische Klasse bewies, hinter die Kulissen.

Selten hat der Pausengong auf der Bühne so eine Wirkung gehabt: Die Sitzreihen waren schnell gefüllt, Blicke und Ohren wandten sich der Bühne zu. Lind, zuvor in einem burgunderfarbenen langen Kleid, erschien in einem sonnigen Rot ohne Ärmel. Ihr „O mio babbino“ erwärmte die Herzen der Menschen. Lior Shambadal plauderte ein wenig aus dem Nähkästchen, erzählte von seiner Liebe zum Walzer „Gold und Silber“, den Franz Lehár zur Faschingssaison 1902 komponiert hat.

Solisten und Orchester schienen auf einer Woge der Euphorie zu musizieren, ausgelöst und getragen vom Publikum. Zwei Zugaben waren geprobt worden. Eine dritte gab es, und auch noch eine vierte.