Müssen Tiere geschlachtet werden? Antibiotika im Futtermittel: Bauernhöfe gesperrt

Von Dirk Fisser | 23.07.2014, 20:19 Uhr

Bei Kontrollen eines niederländischen Futtermittelherstellers sind verbotene Antibiotika in dessen Produkten festgestellt worden. Rund 100 Bauernhöfe, die mutmaßlich verunreinigte Tiernahrung von dem Unternehmen bezogen haben, sind daraufhin von Behörden in den Niederlanden gesperrt worden. Auch landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland sind betroffen.

Elf Betrieben in Nordrhein-Westfalen sei derzeit untersagt, schlachtreife Tiere abzugeben, sagte ein Sprecher des zuständigen Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschut z unserer Zeitung. Veterinäre der zuständigen Landkreise hätten Proben bei den Tieren genommen. Es soll überprüft werden, ob sie mit dem verbotenen Antibiotikum Furazolidon in Kontakt gekommen sind.

Tieren droht Schlachtung

Erst wenn die Proben negativ ausfielen, würden die Höfe wieder freigeben, so der Sprecher. Sollte der Wirkstoff nachgewiesen werden, stelle sich die Frage, ob die Tiere möglicherweise getötet werden müssen. Nach Niedersachsen seien keine verdächtigen Chargen mit Futtermitteln des niederländischen Unternehmens gegangen, teilte ein Sprecher des hiesigen Landwirtschaftsministeriums mit. Dementsprechend seien hier auch keine Hofsperrungen erforderlich.

Nachweise im Urin

 Wie die niederländische Behörde für Lebensmittelsicherheit (NVWA) erklärte , sei die Verunreinigung in einem Futtergrundstoff entdeckt worden. Dies werde zur Herstellung von Tiernahrung für Sauen, Mastschweine und Kälber verwendet. Dementsprechend breit gestreut auch die Zahl der betroffenen Höfe in den Niederländern: Etwa 100 Betriebe sind hier derzeit gesperrt. Bei fünf Höfen sei das verbotene Antibiotikum bereits im Urin von Tieren nachgewiesen worden. Betroffene Masttiere würden entsprechend europäischer Regelungen geschlachtet und die Kadaver vernichtet, so die Behörde. Allein mehrere Hundert Kälber sollen in der Provinz Gelderland auf zwei Höfen betroffen sein, schreiben niederländische Agrarzeitschriften. 

Verunreinigtes Fleisch bereits gegessen

NVWA stellte klar, dass möglicherweise der größte Teil des verunreinigten Fleisches bereits in den Handel gelangt, bereits verkauft und konsumiert sei. Für Menschen bestehe aber keine akute Gefahr. Noch in den Ladenregalen liegende Fleischprodukte würden zurückgezogen.

Die Niederlande hatten über das nach dem Pferdefleischskandal eingerichtetes Frühwarnsystem Deutschland, Frankreich, Belgien und Italien über den Vorfall informiert. (hier die Info als PDF) 

Unklar ist bislang noch, wie das Antibiotikum, das seit 1995 in der EU verboten ist, ins Futter gelangt ist. Nach Angaben des betroffenen Futtermittelhändlers sei möglicherweise Taubenmist für die Verunreinigung verantwortlich.