Kritik an Facebook-Seite Mordfall Dano: Der Täter schweigt weiter

09.04.2014, 20:59 Uhr

dpa/lnw/kfr Herford. Im Mordfall Dano schweigt der tatverdächtige 43-jährige Nachbar weiterhin. Die Ermittlungsarbeit konzentriere sich daher jetzt auf die Auswertung der Spuren, sagte die Bielefelder Oberstaatsanwältin Ina Leinkauf am Mittwoch auf Anfrage. Auf Facebook wird dem Betreiber der größten Dano-wird-vermisst-Seite derweil „Like“-Gier vorgeworfen.

In der kommenden Woche rechnet Leinkauf mit den Ergebnissen von DNA-Analysen. Noch immer sei unklar, womit der fünfjährige Junge erdrosselt wurde.

Dano aus Herford war am 14. März spurlos verschwunden. Aufwändige Suchaktionen brachten keinen Erfolg. Knapp drei Wochen später war die Leiche des Jungen unweit des Flusses Werre gefunden worden. Der 43-Jährige hatte die Tötung gestanden . Er will dem Jungen aber nur Schläge verpasst und den Mund zugehalten haben. Die Obduktion ergab allerdings, dass er erdrosselt wurde .

 Alle Nachrichten zum Mordfall Dano 

Nach Angaben Leinkaufs hatte sich die Freundin erst kurz vor dem Tattag von dem 43-Jährigen getrennt. Bis dahin hatte das Paar mit den fünf gemeinsamen Kindern im selben Wohnblock wie Danos Familie gewohnt. Grund des Zerwürfnisses sei auch gewesen, dass der Mann seine Freundin geschlagen habe. Zudem stand der 43-Jährige unter Bewährung nach einer Verurteilung wegen Körperverletzung. Zu Details konnte Leinkauf nichts sagen.

Gegen den Tatverdächtigen wird auch im Zusammenhang mit dem Fall der verschwundenen achtjährige Jenisa in Hannover ermittelt .

Kritik an Seitenbetreiber

Auf Facebook, wo sich fast 12000 Menschen der Gruppe „Dano aus Herford , wird vermisst“ angeschlossen hatten, wächst mittlerweile die Kritik am Betreiber der Seite. Waren hier während der Suche nach dem Fünfjährigen Hinweise und Informationen gesammelt worden, unterstellen die Nutzer den Betreibern nun Geschmacklosigkeit, nachdem dieser die Aufforderung zum Schließen der Seite ignoriert. Die Mehrheit der Nutzer wirft dem Seitenbetreiber vor, er würde mit dem Leid der Angehörigen „Likes“ sammeln wollen, da dieser nach jedem Posting zum Teilen und zur Betätigung des „Gefällt mir“-Buttons aufgerufen hatte. Obwohl seit dem 6. April nichts Neues mehr gepostet wurde, gehen immer noch stündlich teils sehr harsche Aufforderungen zum Schließen der Seite ein.

Immer noch nutzen noch viele Facebook-Nutzer diese und auch andere, kleinere Seiten , um ihr Mitgefühl und ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen. Es sind aber nicht nur solche Postings, die dort zu lesen sind: Bedrohungen, Beschimpfungen und sogar Aufrufe zur Selbstjustiz gegen den Tatverdächtigen finden sich ebenfalls häufig. Gegenüber der Neuen Westfälischen bestätigte die Polizei die Drohungen gegen den 43-Jährigen, dessen Identität ebenfalls via sozialer Medien bekannt gemacht worden ist.

Strafbares Verhalten

Nicht bewusst ist sich wohl die Mehrzahl der Nutzer, die sich dieserart äußert, dass ihr Verhalten strafbar sein kann . Wie sich erst vor knapp einem Jahr gezeigt hat: Zwei junge Männer, die im Mordfall Lena in Emden zur Selbstjustiz via Facebook aufgerufen hatten , waren zu Jugendstrafen verurteilt worden. Damals war ein Unschuldiger vorübergehend festgenommen worden. Die später Verurteilten hatte zum Sturm auf die Polizeidienststelle aufgerufen.