Knatsch im EU-Parlament Sonneborn kontert Angriff von CDU-Politiker Brok

Von Florian Pfitzner, Florian Pfitzner | 24.03.2017, 18:54 Uhr

Martin Sonneborn, Vorsitzender der Satirepartei „Die Partei“, gilt in Brüssel als Außenseiter. Einige im Europäischen Parlament nehmen ihm seinen Quatsch übel. Jetzt spricht der Abgeordnete über seinen Lieblingsfeind.

Als Abgeordneter im EU-Parlament hat sich Martin Sonneborn schon über so manches gewundert. Der UKIP-Politiker Nigel Farage habe ihn etwa mal umgarnt, weil er Verstärkung für seine Fraktion suchte. „Ich hatte schon angekündigt, dass ich für jeden zu haben sei: für eine Million, netto“, sagt Sonneborn, Chef der Satirepartei „Die Partei“. Farage habe abgewunken, wurde dafür mit Beatrix von Storch (AfD) einig – „die war billiger“.

Neben den Rechtsauslegern ärgert Sonneborn gerne und oft die Großkopferten des Brüsseler Betriebs, die „alten weißen Männer, die die unsoziale EU-Politik verantworten“, wie er im Gespräch mit dieser Redaktion sagt. Haushaltskommissar Günther Oettinger oder dem Abgeordneten Elmar Brok geht der „Politikclown Sonneborn“ schwer auf die Nerven. Der ehemalige Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“ hat beide einige Male auf die Schippe genommen. Es begann mit einem Foto im Internet, das Brok auf einem Podium zeigt – scheinbar eingenickt.

„Seitdem verfolgt er mich mit Rache“

Über 180.000 Menschen haben bei der Europawahl 2014 die „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (PARTEI)“ angekreuzt. Die „Spaßguerilla“, wie sie häufig genannt wird, zog ins EU-Parlament – mit Forderungen nach einer „Faulenquote“ und „Artenschutz für die Grünen“. Dass der Präsident der Vereinigten Staaten ihre „Absicht, eine Mauer zu bauen“ bald teilen sollte, konnte man da noch nicht ahnen.

In Brüssel gilt Sonneborn, der gerade seinen Vater als Bundespräsidenten vorgeschlagen hat, als Außenseiter. Einige nehmen ihm seinen Quatsch übel. Elmar Brok, dienstältester Abgeordneter im EU-Parlament, hat ihm gezeigt, was passiert, wenn man sich mit Elmar Brok anlegt. Er habe Sonneborn „vor laufender Kamera angepfiffen“, sagt der CDU-Politiker aus Bielefeld, weshalb der Satiriker nun „sauer“ auf ihn sei. „Seitdem verfolgt er mich mit Rache.“ Daran sehe man, „wie kleinkariert der ist“.

„Ein großes Wort für einen so kleinen Mann“

Sonneborn erinnert sich an den Tag. Er habe der ARD ein Interview gegeben, als Brok vorbeiging und geschimpft habe: Sonneborn sei „faul, faul, faul, frech. Und faul!“

„Rache ist ein sehr großes Wort für einen so kleinen Mann“, lästert der Satiriker. Brok leide „unter seinem Bedeutungsverlust“ – sei er doch gerade „zum Verzicht auf den Vorsitz des Außen-Ausschusses gedrängt“ worden. Die Tätigkeit der „Partei“ halte Brok für „Majestätsbeleidigung“. Da sei er seinem Freund Helmut Kohl recht ähnlich. „Das System wird es überleben, dass ich jetzt hier bin“, sagt Sonneborn. „Wir nennen das Demokratie.“

Mit seiner Kritik an Brok meint er es durchaus ernst. Angesichts der Ukraine-Politik der EU erhebt Sonneborn schwere Vorwürfe. Brok, die „konzentrierte CDU“, habe eine „geschichtsvergessene, wirtschaftsorientierte, kurzsichtige und skrupellose Position“ mitgetragen, sagt er – und schiebt dann doch einen Witz hinterher: „Nicht umsonst“ habe seine Partei die Forderung ins Programm aufgenommen, „vor osteuropapolitischen Entscheidungen einen Über-75-Jährigen zu befragen“.

„Schon das Mandat gehört zur Show“

Mit Satire von außen könne er gut leben, versichert Brok. Sonneborn allerdings, und das geht aus der Sicht des CDU-Abgeordneten eben nicht, greife ihn „von innen“ an, aus dem Parlament heraus. „Schon das Mandat gehört zur Show“, sagt Medienberater Jo Groebel, der Broks Wut verstehen kann. Mit „Flapsigkeit“ hätten Sonneborns Angriffe kaum etwas zu tun. Eher gingen sie „in die Nähe der üblen Nachrede“. Die beste Reaktion wäre gewesen, „einfach nicht zu reagieren“. Der Zug ist längst abgefahren.