Kleidungsstücke im Ausland bestellt Viel Kritik für Leih-Burkinis an Herner Gymnasium

Von dpa | 12.06.2018, 18:53 Uhr

Wie umgehen mit muslimischen Schülerinnen, die nicht zum Schwimmunterricht wollen? Ein Herner Gymnasium hat Burkinis angeschafft. Die NRW-Schulministerin hält das für falsch.

Ein Gymnasium in der Ruhrgebietsstadt Herne hat Leih-Burkinis für muslimische Schülerinnen angeschafft und sich damit viel Kritik zugezogen. Es gehöre zwar zu den Aufgaben von eigenverantwortlichen Schulen, auf Herausforderungen „lebenspraktisch“ zu regieren, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Dienstag in Düsseldorf. „Aber die Beschaffung von Burkinis gehört nicht zu den Grundaufgaben einer Schule.“

Das Pestalozzi-Gymnasium in Herne hat einem Bericht der „WAZ“ (Dienstag) zufolge 20 der Kleidungsstücke, die bis auf Gesicht, Hände und Füße alle Körperteile bedecken, im Ausland bestellt. Sie werden kostenlos an muslimische Schülerinnen verliehen. Damit „hat keiner mehr eine Ausrede, nicht am Unterricht teilzunehmen“, sagte Schulleiter Volker Gößling der Zeitung. „Bei uns soll jeder Schwimmen lernen und dafür schaffe ich die Bedingungen.“ Das Geld für die Burkinis stammt dem Bericht zufolge unter anderem aus einen schulinternen Spendenlauf für Flüchtlinge. Eine Stellungnahme der Schule war am Dienstag nicht zu erhalten.

NRW-Integrationsstaatssekretärin Serap Güler hält die Entscheidung der Schule für völlig falsch verstandene Toleranz. „Während in Saudi-Arabien Frauen für ein bisschen Freiheit ihr Leben riskieren, sollten wir nicht in Deutschland auf Burkinis für Mädchen setzen“, sagte sie der „Bild“-Zeitung (Mittwoch). Dagegen sieht die Lehrergewerkschaft GEW in den Leih-Burkinis eine pragmatische Lösung. „Damit werden Brücken zu den Elternhäusern gebaut“, sagte die stellvertretende Landesvorsitzende Maike Finnern.

Die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Julia Klöckner kritisierte die Entscheidung der Schule. „Das ist vorauseilender Gehorsam und ein Einknicken vor fundamentalistischen Elternhäusern - ein Einknicken auf dem Rücken der Mädchen“, sagte die Bundeslandwirtschaftsministerin.

Schulministerin Gebauer verwies darauf, dass die Schulpflicht sich auch auf den Schwimmunterricht erstrecke. „Es ist juristisch eindeutig geklärt, dass auch muslimische Schülerinnen dieser Verpflichtung nachkommen müssen.“ Einen Anspruch auf geschlechtergetrennten Schwimmunterricht gebe es nicht.