Für wissenschaftliche Zwecke Cannabis-Modellversuch: Münster verteilt Gras an 100 Probanden

Von Olga Zudilin | 02.08.2017, 16:35 Uhr

Für wissenschaftliche Zwecke möchte die Stadt Münster ein Jahr lang kostenlos Cannabis an 100 Münsteraner verteilen. Damit soll der Einsatz von Cannabis als Genussmittel besser erforscht werden.

Wie die Stadt Münster auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt, hat sie einen Antrag beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gestellt. Wird dieser genehmigt und stimmt auch der Rat der Stadt Münster zu, wird die Stadt 200 Probanden auswählen, von denen die Hälfte ein Jahr lang Cannabis bekommt.

Dazu sucht das Gesundheitsamt der Stadt zunächst per Zufall 2.000 Personen aus, die zwischen 21 und 63 Jahre alt sind und in Münster leben. Aus der Gruppe der Personen, die an der Studie teilnehmen möchten, werden wiederum 200 Probanden ausgewählt.

Kriterien für Probanden

Die ausgewählten Probanden dürfen weder körperlich noch psychisch schwer krank sein oder unter einer Sucht leiden. Auch schwangere oder stillende Frauen seien ausgeschlossen. Gibt ein Proband das ihm verabreichte Cannabis weiter, wird er von der Studie verbannt.

Insgesamt 100 Probanden werden ein Jahr lang maximal zwei Gramm pro Woche erhalten. Bezahlen müssen sie dafür nichts. Die anderen 100 Probanden bekommen dagegen kein Cannabis. Die Probanden werden nach Angaben der Stadt Münster über den gesamten Zeitraum medizinisch betreut.

Die Stadt Münster geht davon aus, dass sie das Haschisch von der Cannabisagentur beziehen wird. Diese ist dem BfArM untergeordnet und soll die Abgabe von Cannabis an Großhändler und Apotheker oder Hersteller kontrollieren. Anlass für die Gründung der Agentur ist das am 10. März 2017 in Kraft getretene Gesetz, das die Möglichkeit zur Verschreibung von Cannabisarzneimitteln erweitert.

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Die Agentur hat die Aufgabe, die Versorgung schwerkranker Patienten mit in Deutschland angebautem Cannabis sicherzustellen. Nach Angaben des BfArM hat die Agentur ihre Arbeit im März 2017 aufgenommen. Angebaut wird das Cannabis nicht beim Bundesinstitut, sondern von Unternehmen, die die Cannabisagentur beauftragt.

Erkenntnisse für Wissenschaft

Doch was erhofft sich die Stadt von diesem Modellversuch? Nach Angaben der Stadt besteht an den Erkenntnissen, die sich aus dem Modellprojekt ergeben, ein öffentliches Interesse. Der Versuch soll Aufschluss darüber geben, welche Dosis unproblematisch ist, wie sich Cannabis auf die Gesundheit sowie auf die persönliche Zufriedenheit auswirkt. Die Stadt Münster wolle einen Beitrag für wissenschaftliche Erkenntnisse leisten.

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