Bei „Kitchen Impossible“ auf Vox Sternekoch Roland Trettl trifft auf mürrische Ostwestfalen

Von Svenja Kracht, Svenja Kracht | 27.02.2017, 10:16 Uhr

Was passiert, wenn ein temperamentvoller Italiener nach Bad Oeynhausen kommt, um dort die ostwestfälische Küche nachzukochen? Sternekoch Roland Trettl hat bei der Vox-Sendung „Kitchen Impossible“ seine Erfahrung mit der Mentalität der Menschen in der Heimat von Sternekoch Christian Lohse gemacht.

Eigentlich reisen die Köche bei „Kitchen Impossible“ immer in andere Länder und Kulturen, um dort fremde Gerichte nachzukochen. Die Rezeptur müssen sie beim ersten Probieren herausschmecken. Anschließend müssen Einheimische bewerten, wie nah der Sternekoch an das heimische Essen rangekommen ist. In der neuesten Folge treten Christian Lohse und Roland Trettl gegeneinander an. Trettl kommt aus Südtirol, Lohse ist gebürtiger Bad Oeynhausener.

Genau dorthin darf Roland Trettl reisen. In der schönen Kurstadt darf der 45-jährige Italiener das Leibgericht der Ostwestfalen nachkochen: Stippgrütze. Angekommen in der fast 50.000-Einwohner-Stadt Bad Oeynhausen bekommt Trettl gleich einen Kulturschock: „Man kann ja nichts dafür, wo man geboren ist. Hier gibt es mehr Rollatoren als Autos.“

Unsympathische Ostwestfalen

Von der Mentalität bekommt der Südtiroler gleich eine erste Kostprobe: In der menschenleeren Fußgängerzone scheint er einem älteren Fahrradfahrer im Weg zu stehen. Der Radler lässt seinem Unmut über den Fremden freien Lauf und beschwert sich über Trettl, nachdem er ihn fast umgefahren hätte. Die Ostwestfalen werden für den Sterne-Koch nicht sympathischer, als er zu seinem Auto zurückkommt und einen selbst geschriebenen Zettel unter seinen Scheibenwischer findet. Sein Einparkstil scheint keinen Gefallen zu finden bei den Bad Oeynhausenern. Nach Wünschen, dass ihm das nächste Mal jemand sein Auto kaputt fährt, schließt der Brief damit, dass Trettl ein intelligenter Versager sei. Der 45-Jährige hat schon jetzt genug von der Kurstadt, bevor er überhaupt mit dem Kochen angefangen hat.

Andere Art zu loben

Die Stippgrütze selbst schmeckt dem Italiener überraschenderweise sehr gut. Nicht ganz zurecht kommt er mit der Art, wie Ostwestfalen jemanden loben. Nicht nur beim Bäcker Brante werden bei seinem gut gelungenen Brot Fehler gesucht, auch die Testesser bekommen nicht mehr als ein „schmeckt anders“, „zu fettig“ und „würzig ist es auch nicht“ raus. Christian Lohse erklärt: „Wenn wir ‚sehr gut‘ denken, sagen wir ‚ganz ordentlich‘.“

Am Ende bekommt er eine Durchschnittspunktzahl von 2,7 Punkten – obwohl er beim ersten Probieren gleich die Zutaten wie mageres und fettes Schweinefleisch, Herz und Leber herausgeschmeckt hat. Roland Trettel hat einzig den Fehler gemacht, die Grütze am Ende nicht mehr in der Pfanne anzubraten. Dadurch fehlten dem Gericht die Röstaromen. Er ist jedenfalls froh, das beschauliche Bad Oeynhausen wieder zu verlassen – und will auch erst mal nicht wiederkommen.