Alles selbst beigebracht „Eike San“: Faire Mode aus Bielefelder WG-Zimmer

Von Nadine Sieker | 20.02.2017, 08:00 Uhr

Weil ihm sein Wirtschaftsstudium zu theoretisch war, hat sich der damals 23-jährige Eike Lange zum Ausgleich das Nähen beigebracht. Mittlerweile verkauft er seine Produkte unter dem Namen „Eike San“. Lange legt Wert auf faire Herstellung – und näht in seinem WG-Zimmer in der Bielefelder Innenstadt.

In der einen Ecke des Zimmers steht ein Bett, gegenüber der Schreibtisch mit einer Nähmaschine darauf. An der Wand hängen T-Shirts und Turnbeutel, neben der Tür stapeln sich Kartons mit Klamotten und Stoff sowie kleine Pakete, die zum Kunden geschickt werden müssen. Noch arbeitet Eike Lange dort, wo er schläft und lebt: in einem Zimmer in einer WG mitten in der Bielefelder Innenstadt. Doch das soll nicht so bleiben. „Der nächste Schritt ist ein eigenes Büro oder Studio, um Wohnen und Arbeiten voneinander trennen“, sagt der 27-Jährige.

Mit einer Brusttasche angefangen

Noch vor ein paar Jahren sah sein Leben ganz anders aus. Nach seiner Ausbildung zum Speditionskaufmann wollte Lange unbedingt in Berlin Architektur studieren. Weil er keinen Studienplatz bekam, entschied er sich für das Fach Wirtschaftsingenieurswesen. „Das war interessant, aber total theoretisch. Ich habe einen Ausgleich gesucht“, erzählt Lange. Weil er schon immer ein Faible für T-Shirts gehabt habe, habe er angefangen, eine Brusttasche auf eines zu nähen. „Meine Mutter hat mir gezeigt, wie man den Faden einspannt, und dann habe ich losgelegt.“

Minimales Risiko

Wenn er seine Eigenkreationen trug, wurde er regelmäßig gefragt, wo es diese zu kaufen gibt. Also überlegte Lange, wie es wäre, sich selbstständig zu machen. Dann meldete er ein Gewerbe an, investierte seine letzten 500 Euro in T-Shirts und eine Internetseite und legte im Mai 2013 los. Zunächst bot er zwei verschiedene T-Shirts an, später auch einen Turnbeutel. „Ich wollte gucken, was ich mit meinen Ressourcen anfangen kann und habe die Kosten möglichst kleingehalten, um auch nicht zu viel verlieren zu können.“

Das Label „Eike San“ gibt es inzwischen seit anderthalb Jahren. Mittlerweile verkauft Lange im Schnitt 50 bis 70 Teile im Monat – privat, über den Online-Shop oder in den drei Läden in Bielefeld (Used), Gütersloh (Zigzag) und Minden (Käpt‘n Eta). Den Verkauf in kleinen, Inhabergeführten Streetwear-Läden will er künftig noch ausbauen.

Ausschließlich faire Produkte

Derzeit hat der 27-Jährige schlichte Shirts und Pullis im Angebot, die er kauft und selbst mit Siebdrucken oder Applikationen veredelt. Dazu kommen Turnbeutel und Kosmetiktäschchen, die er selbst näht. „Alle Produkte, die ich einkaufe, sind von der unabhängigen Fair Wear Foundation zertifiziert“, betont Lange. Er legt viel Wert auf die faire Herstellung, auch wenn ihn das in der Auswahl der Rohmaterialien einschränkt. In Zukunft soll es allerdings nicht mehr nur um die Veredelung gehen. „Die Sachen sollen mit ihren Schnitten, der Qualität und der Funktionalität auffallen, auch ohne Aufdruck.“

Liebevoll verpackt

Mit wie viel Leidenschaft Lange seinen Job ausübt, merkt man nicht nur, wenn er darüber spricht. Auf jeder verpackten Bestellung klebt ein Herz aus Stoff. „Das soll den Kunden ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Ich möchte ihnen etwas schönes bieten. Sie sollen Spaß am Einkauf und am Auspacken haben.“ Beim Ausschneiden der Herzen hilft ihm seine Freundin. Ansonsten macht Lange von der Designidee bis zum Versand derzeit alles noch selbst. Auch wenn er in Zukunft Mitarbeiter beschäftigen möchte, will er den Laden klein halten. „Ein Label aufzubauen, war von Anfang an nicht meine Intention. Das hat sich so entwickelt.“ Und inzwischen kann er sogar von seinen Einnahmen leben, sagt er. „Ob ein Label durchhält oder nicht, zeigt sich in der Modebranche allerdings erst nach fünf Jahren.“