Airport-Aufsichtsrat tagt Neues Finanzkonzept soll FMO retten

Von Wolfgang Elbers | 10.10.2014, 12:35 Uhr

Der Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) hat dringenden Kapitalbedarf, Profit ist noch lange nicht in Sicht – trotz sich aktuell erholender Passagierzahlen. Knapp 100 Millionen Euro sollen die Gesellschafter nach einem Entschuldungsszenario bis 2023 aufbringen. Dabei ist die letzte Kapitalerhöhung noch gar nicht lange her.

Die 15 Gesellschafter der Flughafen Münster/Osnabrück GmbH, an der die Stadt Osnabrück mit rund 17,8 und der Landkreis mit 5,08 Prozent beteiligt sind, hatten erst Ende 2012 eine Kapitalerhöhung um insgesamt 26,8 Millionen Euro beschlossen, um den Regionalairport aus den Turbulenzen zu bringen. Die letzte Tranche des für die Stadt insgesamt 4,679 Millionen Euro ausmachenden Anteils (Landkreis: rund 1,5 Millionen) ist Anfang kommenden Jahres fällig. 1,87 Millionen müssen dann überwiesen werden. Doch der in der Vergangenheit weitgehend durch Darlehen finanzierte Flughafenausbau schlägt heute mit Verbindlichkeiten in fast dreistelliger Millionenhöhe zu Buche. Der FMO ist auf noch mehr Zuwendungen der Gesellschafter angewiesen, um aus der Schieflage zu kommen.

Flughafen-Geschäftsführer Gerd Stöwer: „Gesellschafter wie Banken sind sich seit Längerem einig, dass wir von den hohen Verbindlichkeiten runtermüssen und eine andere Kombination aus Eigenkapital und Gesellschafter-Darlehen sinnvoll ist. Darüber werden gerade intensiv Gespräche geführt – ohne jede Dramatik.“

Das von der Geschäftsleitung und den größten Gesellschaftern entworfene Szenario sieht vor, dass die Gesellschafter durch Eigenkapitalzuführung und Gesellschafterdarlehen die finanzielle Situation in die Balance bringen. Doch über das Konzept wird auch kritisch diskutiert. Die Unternehmensplanung, auf der das Sanierungs-/Finanzierungsmodell fußt, soll für die kommenden Jahre von einer mehr als 50 Prozent höheren Steigerung der Fluggastzahlen gegenüber dem mit jährlich zwei Prozent veranschlagten Airport-Durchschnitt in Deutschland ausgehen. Bis 2020 werden danach um die 1,2 Millionen Fluggäste pro Jahr am FMO erwartet. Die Prognose birgt also Risiken. Denn träfen die optimistischen Annahmen nicht ein, käme der FMO trotz der großen Finanzspritze nicht ins Plus.

Flughafen-Chef Stöwer ist derzeit auf Tour, um bei den Ratsfraktionen der Gesellschafter-Kommunen für eine möglichst umfassende Entschuldung zu werben. Er kann dabei aktuell wieder positive Entwicklungen präsentieren. So sind im gerade zu Ende gegangenen dritten Quartal 330405 Fluggäste am FMO gezählt worden – ein Plus von 9,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Die Banken drängen

Aufgrund dieser Entwicklung wird nach einem Zuwachs von 2,1 Prozent im ersten Halbjahr jetzt als Jahresergebnis eine Steigerung der Passagierzahlen von fünf Prozent prognostiziert. Pressesprecher Andres Heinemann ist auch für den Winterflugplan 2014/15 optimistisch – trotz der wegfallenden Ryanair-Verbindung nach Málaga (Spanien), die im vergangenen Winter insgesamt rund 10000 Fluggäste verbuchte: „Wir gehen trotzdem von einem deutlichen Wachstum im Bereich von zehn Prozent aus, da Ziele hinzukommen.“

Dies betrifft zum Beispiel eine weitere wöchentliche Verbindung nach Hurghada (Ägypten). Außerdem werden Zuwächse auf der Strecke ins türkische Antalya erwartet. Vor allem aber dürften die seit dem Sommer auf dem FMO-Flugplan stehenden vier wöchentlichen „Turkish Airlines“-Flüge nach Istanbul für mehr Frequenz als in der letzten Wintersaison sorgen. Heinemann: „Wir sind nach 858000 Fluggästen in 2013 noch weit von früheren Zeiten entfernt und die Wolken für uns sicher noch nicht rosarot. Aber wir gehen davon aus, in diesem Jahr wieder an die 900000-Marke heranzukommen.“

Das große Problem, das alle der mehr als 20 Regionalflughäfen in Deutschland haben: Allein mit den Gebühren für Starts und Landungen ist der Betrieb nicht zu finanzieren, da die Erlöse hier abnehmen. Eine größere Bedeutung kommt dem Terminalgeschäft zu, etwa durch Einnahmen aus Vermietung an Shopbetreiber. Der FMO spürt nach dem Einbruch bei den sich zu Hochzeiten 2005 im Bereich von 1,7 Millionen Fluggästen bewegenden Nutzerzahlen wieder Aufwind. FMO-Sprecher Heinemann: „Derzeit weisen wir die stärksten Zuwächse aus. Auch wenn wir natürlich von einem niedrigen Niveau kommen, wir sind wieder auf Kurs.“

Am 20. Oktober wird der FMO-Aufsichtsrat über das Finanzierungskonzept beraten. Die Zeit drängt: Die Geschäftsbanken fordern, dass die 15 Gesellschafter-Kommunen bis Ende 2015 die notwendigen Beschlüsse fassen.