Chronologie Was seit dem Loveparade-Unglück geschah

Von dpa

Der Loveparade-Prozess beginnt am 08.12.2017 in Düsseldorf. Foto: Bernd Thissen/dpaDer Loveparade-Prozess beginnt am 08.12.2017 in Düsseldorf. Foto: Bernd Thissen/dpa

Duisburg. Die Loveparade in Duisburg war als fröhliches Fest geplant. Sie endete in einer Katastrophe mit 21 Toten und mindestens 652 Verletzten. Die Tragödie und ihre Aufarbeitung.

24. Juli 2010: Im einzigen Zu- und Abgang zum Loveparade-Gelände kommen viel zu viele Menschen zusammen. Besucher werden erdrückt und niedergetrampelt. (Weiterlesen: Der Loveparade-Prozess: Mammutverfahren unter Zeitdruck)

27. Juli 2010: Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) nennt Rücktrittsforderungen gegen ihn nachvollziehbar, bleibt aber im Amt.

31. Juli 2010: Bei einer Trauerfeier nehmen Tausende in Duisburg Abschied von den Opfern. Die damalige Ministerpräsidentin Nordrhein-Westfalens Hannelore Kraft (SPD) hält eine bewegende Trauerrede.

18. Januar 2011: Die Staatsanwaltschaft Duisburg nimmt Ermittlungen gegen den damaligen Polizei-Einsatzleiter sowie gegen Mitarbeiter der Stadt und des Veranstalters Lopavent auf. Sauerland und Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller gehören nicht zu den Beschuldigten.

12. Februar 2012: Die Duisburger stimmen in einem Bürgerbegehren mit großer Mehrheit für die Abwahl des Oberbürgermeisters.

24. Juli 2013: Am Unglücksort wird eine Gedenkstätte eröffnet. 21 Holzkreuze und eine Gedenktafel erinnern an die Opfer. In den Monaten danach wird die Gedenkstätte mehrfach verwüstet.

10. Februar 2014: Die Staatsanwaltschaft Duisburg erhebt Anklage gegen sechs Mitarbeiter der Stadt und gegen vier Lopavent-Mitarbeiter wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung.

23. Juli 2015: Betroffene rufen eine Nachsorge-Stiftung ins Leben. Die Stiftung unter dem Namen „Duisburg 24.7.2010“ vermittelt Therapieplätze, organisiert die Gedenktage und hilft bei der Einrichtung von Selbsthilfegruppen.

5. April 2016: Das Duisburger Landgericht gibt seine Entscheidung bekannt, wonach es keinen Strafprozess geben soll. Die Anklage wird nicht zur Hauptverhandlung zugelassen. Begründung der 5. Großen Strafkammer: Das wesentliche Beweismittel, das Gutachten des britischen Panikforschers Keith Still, sei nicht verwertbar. Es leide „an gravierenden inhaltlichen und methodischen Mängeln“. Die Staatsanwaltschaft Duisburg und mehrere Nebenkläger legen Beschwerde gegen den Beschluss ein.

24. April 2017: Das Oberlandesgericht Düsseldorf gibt bekannt, dass es die Anklage nun doch zulässt. Die Bedenken der 5. Strafkammer werden zurückgewiesen. Das OLG bestimmt, dass die Hauptverhandlung nun vor der 6. Großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg durchgeführt werden muss.

8. Dezember 2017: Die Hauptverhandlung im Loveparade-Strafverfahren beginnt. Aus Platzgründen findet die Verhandlung in einem Saal des Kongresszentrums Düsseldorf statt, in den 500 Menschen passen. Bis Ende 2018 hat das Gericht bereits 111 Verhandlungstermine festgelegt.

27. Juli 2020: Liegt mit Ablauf dieses Tages kein Urteil in erster Instanz vor, gelten die vorgeworfenen Taten als verjährt.


Loveparade: Vom fröhlichen Straßenspektakel zur Tragödie

Die erste Loveparade 1989 in Berlin ist eine Art kleines Straßenfest. DJ Dr. Motte (Matthias Roeingh) gründet die Raver-Parade, die im ersten Jahr 150 Technofans unter dem Motto „Friede, Freude, Eierkuchen“ auf dem Kurfürstendamm tanzen lässt. Fünf Jahre nach dem Start feiern bereits 120 000 Raver um 40 Musik-Trucks herum. 1999 zählen die Veranstalter 1,5 Millionen Besucher.

Mangels Sponsoren fällt die Loveparade 2004 und 2005 aus - bis der Fitnessstudio-Unternehmer Rainer Schaller („McFit“) mit seinem Unternehmen Lopavent einspringt und die Rechte erwirbt. In Berlin findet die Parade mit dem Senat keinen Konsens mehr und wandert ins Ruhrgebiet ab, wo sie in Essen (2007) und Dortmund (2008) wiederum viele Besucher anlockt. Bochum verzichtet ein Jahr später aus Platz- und Sicherheitsgründen. Nach der Katastrophe in Duisburg im Jahr 2010 kündigt Schaller an, es werde keine „Loveparade“ mehr geben. (dpa)