Ehrung für linken Liedermacher? CDU in Bielefeld will Straße nach Hannes Wader benennen

Von Johannes Giewald

Heißt eine Bielefelder Straße bald „Hannes-Wader-Straße“? Foto: Britta Pedersen/dpaHeißt eine Bielefelder Straße bald „Hannes-Wader-Straße“? Foto: Britta Pedersen/dpa

Osnabrück/Bielefeld. Sozialistische Hymnen und Arbeiterlieder gehören zum musikalischen Repertoire des Liedermachers Hannes Wader. Ausgerechnet Bielefelder CDU-Politiker wollen dem ehemaligen DKP-Mitglied nun einen Straßennamen widmen.

In einem Antrag an die Bezirksvertretung des Bielefelder Stadtzbezirks Dornberg heißt es: „Die Verwaltung wird gebeten, eine Straße nach dem Künstler zu benennen.“ In einer Sitzung am Donnerstag, 12. Oktober, soll darüber abgestimmt werden.

Wader als politischer Liedermacher und Kommunist

Hannes Wader ist am 23. Juni 1942 im Bielefelder Bezirk Gadderbaum geboren worden und lebte lange in der Stadt. In diesem Jahr feierte er seinen 75. Geburtstag. „Ich will als politischer Liedermacher wahrgenommen, aber nicht darauf festgenagelt werden“, sagte er im Sommer. (Weiterlesen: Hannes Wader singt in Osnabrück)

Von 1977 bis 1991 war er Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei, trat nach der „Implusion“ der kommunistischen Welt aus der Partei aus. „Meine sozialistischen Grundüberzeugungen bleiben im Kern unberührt, zumal sich meiner Ansicht nach die Verhältnisse durch die Wende nicht verbessert haben“, schreibt er über sich selbst.

Benennung nach lebenden Personen unüblich

Trotzdem wollen ausgerechnet die Lokalpolitiker der konservativen CDU den sozialkritischen Liedermacher mit der Umbenennung einer Straße ehren. Eigentlich ist es in Deutschland unüblich, Straßen nach lebenden Persönlichkeiten umzubenennen. Verboten ist das jedoch nicht, solange eine kommunale Satzung es nicht anders vorschreibt.