Wir fluten Bielefeld 160.000 Flaschen verkauft: Muss Brauerei trotzdem Strafe zahlen?

Von Christian Lang

160.000 Flaschen Bier hat die Ravensberger Brauerei in drei Monaten verkauft, um eine Geldstrafe verhindern. Screenshot: NOZ/Facebook.com/ravensbergerbrauerei160.000 Flaschen Bier hat die Ravensberger Brauerei in drei Monaten verkauft, um eine Geldstrafe verhindern. Screenshot: NOZ/Facebook.com/ravensbergerbrauerei

Osnabrück. Ziel erreicht: 160.000 Flaschen Bier hat eine ostwestfälische Brauerei in drei Monaten verkauft, um eine Geldstrafe zu verhindern. Nun droht aber doch noch ein juristisches Nachspiel.

Brauerei-Chef Mike Cacic ist zufrieden. In nur drei Monaten hat er es geschafft, 160.000 Flaschen von seinem Craft Beer „Bielefelder Flutlicht“ zu verkaufen. Nachdem die ostwestfälische Ravensberger Brauerei das Bier mit dem Hashtag „Endlich kein Bier mehr aus Herford“ beworben hatte, drohte dem Start-up eine empfindliche Geldstrafe. Die Wettbewerbszentrale München wurde auf den Marketing-Spruch aufmerksam. Zum einen werde durch den Spruch ein Mitbewerber – eine großere Brauerei in Ostwestfalen – verunglimpft. Darüber hinaus nahm die Wettbewerbszentrale daran Anstoß, dass das Bier „Bielefelder Flutlicht“ heißt, obwohl es in Brakel gebraut wird. Brauerei-Chef Mike Cacic erhielt deshalb eine Unterlassungserklärung. Die Folge: Um eine empfindliche Geldstrafe zu vermeiden, durften die Flaschen, die mit dem ursprünglichen Etikett bedruckt wurden, ab dem 1. Oktober nicht mehr verwendet werden. Dabei handelte es sich um 160.000 Flaschen. Über die sozialen Netzwerke und eine eigene Homepage mit dem Titel „Wir fluten Bielefeld“ rief Cacic diverse Werbekampagnen ins Leben, die die Brauerei deutschlandweit bekannt machte.

Alle Flaschen verkauft

Das zahlte sich aus. Am Sonntag gab der 29-Jährige auf der Facebook-Seite der Brauerei bekannt, dass alle Flaschen verkauft wurden. „Das war eine sehr schwierige Aufgabe“, sagt der Brauerei-Chef im Gespräch mit unserer Redaktion.

Wirklich überrascht, dass er es geschafft hat, war Cacic laut eigenen Angaben nicht, „obwohl es bei der Menge schon sehr schwer vorstellbar erschien“, gibt er zu. Unterstützung erhielt er in den letzten Wochen noch durch einige Großhändler und Supermärkte, die ihm viele Flaschen abgekauft hätten. In den Märkten dürfen sie auch nach dem 1. Oktober verkauft werden, sagt er.

Doch noch ein Nachspiel?

Doch wirklich aufatmen kann er immer noch nicht. Denn der Streit mit der Wettbewerbszentrale ist noch nicht vorüber. Nach Angaben des Unternehmers hätte die Wettbewerbszentrale München die Fristsetzung bis Ende September nicht akzeptiert – und ihm dies erst vor einigen Wochen mitgeteilt. Eine Frist, bis wann die Flaschen verkauft werden dürften, habe es demnach nicht gegeben. „Die Zentrale hat sich seit Mai nicht mehr bei mir gemeldet. Erst kurz vor Fristende wurde mir gesagt, dass eine solche Frist nicht akzeptiert wird“, berichtet Cacic. Und das, obwohl der Slogan, der einen Mitbewerber angeblich verunglimpfen würde, nicht mehr verwendet und der Brauort (Höxter) auf den Etiketten geändert wurde. Die Wettbewerbszentrale würde sich vor allem daran stören, dass Cacic nach wie vor bestreiten würde, der ursprüngliche Slogan hätte einen Mitbewerber verunglimpft. „Es wurde niemand verunglimpft. Dabei geht es ums Prinzip“, sagt der 29-Jährige.

Weitere Sorten geplant

Nun wird die Angelegenheit wohl bald vor Gericht verhandelt. Obwohl sich Cacic im Recht sieht, blickt er einem möglichen Prozess nicht gelassen entgegen. „Das kann man nicht sein als Jungunternehmer. Immerhin geht es um viel Geld“, sagt Cacic, der im Dezember Vater wird.

Trotzdem hat der Unternehmer große Pläne. Sein „Bielefelder Flutlicht“ hat er mittlerweile als Marke eintragen lassen. Statt „Endlich kein Bier mehr aus Herford“ soll nun der Slogan „Aus Überzeugung anders“ verwendet werden. Zudem soll es neben dem „Bielefelder Flutlicht“ bald weitere Sorten geben, berichtet er.


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