Verband übt Kritik nach Stallbildern Tierschutzbund: NRW-Agrarministerin Tierschutz entziehen

Ein Schwein, aufgenommen von Tierrechtsaktivisten der Organisation tierretter.de. Foto: tierretter.deEin Schwein, aufgenommen von Tierrechtsaktivisten der Organisation tierretter.de. Foto: tierretter.de

Osnabrück. Der Deutsche Tierschutzbund hat Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) nach der Veröffentlichung heimlicher Aufnahmen aus Ställen aufgefordert, seiner Landwirtschaftsministerin die Zuständigkeit für den Bereich Tierschutz zu entziehen.

Der Deutsche Tierschutzbund hat Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) aufgefordert, seiner Landwirtschaftsministerin die Zuständigkeit für den Bereich Tierschutz zu entziehen. Zuvor waren Bilder verletzter und kranker Schweine aus einem Mastbetrieb veröffentlicht worden, an dem CDU-Politikerin Christina Schulze Föcking bis vor Kurzem beteiligt war. (Weiterlesen: NRW-Agrarministerin in der Kritik)

Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte Verbandspräsident Thomas Schröder angesichts der Aufnahmen: „Bei solchen Zuständen im eigenen Mastbetrieb, selbst wenn sie rechtskonform sein sollten, kann Schulze Föcking nicht Tierschutzministerin sein. Der Themenbereich gehört in die Staatskanzlei.“ Die CDU-Politikerin könne nicht glaubhaft über Verbesserungen in der Nutztierhaltung sprechen, wenn sie selbst offenbar keine Verbesserungen in ihren Ställen umgesetzt habe, so Schröder.

Staatsanwalt prüft

Die Bilder von Tierrechtsaktivisten zeigten zum Teil kranke und verletzte Tiere mit angefressenen und entzündeten Schwänzen oder geschwollenen Gelenken. Die Staatsanwaltschaft Münster prüft mögliche Rechtsverstöße. SPD und Grüne im NRW-Landtag fordern Aufklärung im Parlament.

Am Dienstag schloss Schulze Föcking einen Rücktritt aus. Bei einem Termin in Rösrath sagte die Ministerin: „Sie sehen, ich stehe hier. Ich liebe meinen Job, ich bin gerne hier. Das ist meine Arbeit und die gehe ich auch mit vollem Herzen an.“ Zum Aufgabengebiet der 40 Jahre alten Ministerin gehören neben den Bereichen Agrar, Umwelt und Verbraucherschutz auch der Bereich Tierschutz. (Weiterlesen: Er liefert die Schockbilder aus deutschen Ställen)

Die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking (CDU) steht am 25.07.2017 beim Start der neuen Waldzustandserhebung in einem Wald in Rösrath (Nordrhein-Westfalen). Foto: Rolf Vennenbernd/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

„Das war abzusehen“

Tierschutzpräsident Schröder warf NRW-Ministerpräsident Laschet Instinktlosigkeit bei der Besetzung des Agrarministeriums in Düsseldorf vor: „Es war doch abzusehen, dass es bei jemandem, der sein Einkommen aus der Nutzung von Tieren generiert, zu Interessenskonflikten kommt, wenn er dann plötzlich für Tierschutz zuständig sein soll.“ Laut Schröder wäre Bundeskanzlerin Angela Merkel auch nicht auf die Idee gekommen, den VW-Chef zum Verkehrs- oder Umweltminister zu ernennen.

Landwirte solidarisieren sich unterdessen im Internet mit der CDU-Politikerin. Unter dem Motto „#wirstehenhinterchristina“ kommentieren sie Aufnahmen von Tierrechtlern und stellen Bilder aus den eigenen Betrieben ins Netz. Die Branche kritisiert regelmäßig das Zustandekommen der heimlichen Filmaufnahmen und wirft den Tierrechtlern illegale Methoden vor..

Allerdings hält auch die Kritik an. Die Albert-Schweitzer-Stiftung kündigte für Freitag in Düsseldorf den Auftritt eines sogenannten Grunz-Mobils an. Das Fahrzeug soll mit Videoleinwänden ausgestattet sein, auf denen Videos aus dem Betrieb der Familie zu sehen sein sollen. In einer Petition fordern die Tierrechtler zudem den Rauswurf der Ministerin. Nach Angaben der Stiftung haben bislang mehr als 30000 Menschen unterzeichnet. (Weiterlesen: Agrarminister Schmidt: Peta ist keine Ersatzstaatsanwaltschaft)


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN