Pretzell und Partner AfD im Landtag: NRW-Premiere für die Pegida-Partei

Gezielte Provokationen: AfD-Politiker Marcus Pretzell. Foto: dpaGezielte Provokationen: AfD-Politiker Marcus Pretzell. Foto: dpa

Düsseldorf . Bis auf ihren NRW-Vorsitzenden Marcus Pretzell kennt man kaum einen Abgeordneten der Alternative für Deutschland. Vor der konstituierenden Sitzung des neu gewählten Düsseldorfer Landtags (1. Juni) fällt auf: Zur 16-köpfigen Fraktion gehören nur zwei Frauen, außerdem Ex-Schillianer und Geschichtsrevisionisten.

Die Vorgabe haben sie am Ende ziemlich weit verfehlt. „Mit über 20 Prozent“ sollte die AfD in den Landtag von Nordrhein-Westfalen einziehen, sagte Thomas Röckemann im vergangenen Sommer dem rechten Boulevardblatt „Compact“. Mit 7,4 Prozent holte die Partei bei der Wahl nun 16 Mandate. Damit schaffte es der Anwalt aus Minden gerade so ins Hohe Haus.

Röckemann, ausgebildeter Polizist, hat Jura studiert und ein Faible für die Innere Sicherheit. Lieber spricht er jedoch über angebliche „staatliche Frühsexualisierung“, eine übergestülpte „Ideologie des Gender-Mainstreaming“ – wogegen nur eines helfe, wie er bei der Landeswahlversammlung seiner Partei in Werl bescheinigte: „AfD pur“ und ein „Frontalangriff gegen die verkommene grün-rote Umerziehungspolitik“.

„Journalisten triggern“ auf Twitter

Frontalangriff, das gefällt Röckemann. Aus seiner Sicht ist es im Landesverband der AfD lange viel zu still gewesen, sagte der Mindener, bevor er Marcus Pretzell bei der Abstimmung um Platz 1 auf der Landesliste knapp unterlag. Pretzell, der Vorsitzende der NRW-AfD, tritt einigen in der Partei zu geschmeidig auf – trotz seiner gezielten Provokationen im Internet.

Twitter nutze er, um „Journalisten zu triggern“, verriet Pretzell einmal; die AfD bezeichnete er als „die Pegida-Partei“. 2015 hat der Jurist, verheiratet mit AfD-Chefin Frauke Petry, laut einem Bericht der „Rheinischen Post“ seine Zulassung als Rechtsanwalt zurückgegeben, um einem Ausschluss der zuständigen Kammer zuvorzukommen.

„Nationalromantiker“ Höcke

Als sich Röckemann in Werl über Rang 16 freute, gehörte Markus Wagner zu den ersten Gratulanten. Wagner, ein Unternehmer aus Bad Oeynhausen, kandidierte auf Platz 4. Er war früher CDU-Mitglied, 2001 trat er der Schill-Partei bei, drei Jahre später wurde er zum Bundesvorsitzenden der Partei Rechtsstaatlicher Offensive gewählt. Auf die Frage, ob es Rassisten in der AfD gebe, entgegnete er: „Mir ist noch keiner begegnet.“ In jemandem wie dem AfD-Politiker Björn Höcke, der sich für eine „180-Grad-Wende der deutschen Erinnerungskultur“ ausgesprochen hat, sieht er einen „Nationalromantiker“. Zu den relevanten Zielen der AfD in NRW zählt Wagner „die Beendigung der völlig sinnlosen Inklusion“.

Ebenfalls eine Vergangenheit in der Schill-Partei hat Frank Neppe, Listenplatz 3. Neppe ist Schatzmeister des AfD-Landesverbandes, Mitglied im Kreistag des Märkischen Kreises und im Rat der Stadt Iserlohn. Er ging nach einer Karriere bei der Bundeswehr als Mittvierziger in Pension und gilt heute, wie die ersten 13 Kandidaten insgesamt, als Vertrauter Pretzells. Vor ihm rangiert Roger Beckamp, der die AfD in einem Rechtsstreit mit der Stadt Köln vertritt. Es geht um eine Unterlassungsklage gegen die parteilose Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Sie hatte die AfD vor dem Bundesparteitag in Köln zu einem „Sammelbecken für Propagandisten von Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit“ erklärt.

Verschwörungsfans vom „Alternativen Wissenskongress“

Nic Vogel (Platz 9), Inhaber eines Comicladens in Düsseldorf, gehört zu den Organisatoren des „Alternativen Wissenskongresses“ (AWK) – einer Veranstaltung, bei der Leute wie der „Compact“-Chefredakteur Jürgen Elsässer einem recht gemischten Publikum ihre Verschwörungstheorien und geschichtsrevisionistischen Thesen näherbringen. Sven Tritschler (Platz 13) dürfte die Tagung zu seinen Pflichtterminen zählen. Der Chef der Jungen Alternative, früher einmal Vorsitzender des nationalliberalen Stresemann-Clubs, hat jedenfalls bei der AWK-Premiere in Witten teilgenommen. Er äußerte sich bereits häufiger abwertend über den Islam und über Flüchtlinge aus Syrien.

Erst auf Platz 10 der Liste steht mit Iris Dworeck-Danielowski die erste Frau. Die Versicherungsangestellte und Heilpraktikerin aus Köln war von 1994 an zwei Jahre Mitglied der PDS, aus der später die Linkspartei hervorging. Auf Rang 15 folgt Gabriele Walger-Demolsky, eine Betriebswirtin aus Bochum. Sie gehörte wie einige Kandidaten zu der WhatsApp-Gruppe, mit der die Abstimmungen für die AfD-Landesliste beeinflusst worden sein sollen.


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