Bei PSP Peugeot im Münsterland Wenn die Gewürzmühle kaputt ist – Ein Fall für den Pfeffermühlendoktor

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Im vergangenen Jahr reparierte Pfeffermühlendoktor Peter Baumgart etwa 4000 Pfeffermühlen. Foto: David EbenerIm vergangenen Jahr reparierte Pfeffermühlendoktor Peter Baumgart etwa 4000 Pfeffermühlen. Foto: David Ebener

Osnabrück. In fast jeder Küche ist eine Pfeffermühle zu finden. Wenn die nicht mehr mahlt, ist sie ein Fall für Peter Baumgart – den Pfeffermühlendoktor der Firma PSP Peugeot Deutschland. In seiner Werkstatt im Münsterland reparierte er im vergangenen Jahr etwa 4000 Mühlen. Der Grund, warum die nicht mehr funktionieren, ist meist ziemlich banal.


Ärzte gibt es viele: für Zähne, für Augen, für Sportler - und für Pfeffermühlen. Der Pfeffermühlendoktor ist Peter Baumgart. Er sitzt in einem Unternehmen im Münsterland in seiner Werkstatt. Eine Kiste Pfeffermühlen steht neben seinem Tisch.
 
 
Damit kennt sich der 55-Jährige aus: Baumgart arbeitet bei PSP Peugeot Deutschland. PSP Peugeot ist ein bekannter Pfeffermühlenhersteller. Und Baumgart kümmert sich um die Mühlen, die Kunden einschicken, weil sie nicht mehr funktionieren. Baumgart:
 
Mich fasziniert die Präzision, durch die diese Geräte entstehen.
 
Etwa 4000 Stück gingen 2016 durch seine Hände. Der Absatz der Mühlen steige, doch im Verhältnis würden immer ähnlich viele eingeschickt. "Das entspricht einer Reklamationsquote von unter einem Prozent", sagt Geschäftsführer Rüdiger Hesse.
 
Rüdiger Hesse, Geschäftsführer von PSP Peugeot Deutschland.
 
An den Wänden in Baumgarts Werkstatt reiht sich Regal an Regal. In den einzelnen Fächern stehen Pfeffermühlen und allerlei Ersatzteile: Kopfschrauben, Federn, Mahlwerke, Gehäuse, Ringe - eben alles, was ein Pfeffermühlendoktor so braucht.
 
 
Seit 2007 bietet das Unternehmen den Reparaturservice an. Vier bis fünf Mal im Jahr fährt Baumgart auch in größere Geschäfte, die die Peugeot-Mühlen verkaufen. Dort repariert er live Mühlen, die ihm die Kunden bringen. Ein Grund: Nachhaltigkeit. Ohne den Service würden Verkäufer reklamierte Mühlen wegschmeißen und dem Kunden eine neue aushändigen. Doch noch ein anderer Gedanke hängt hinter der Idee, wie Hesse sagt:
 
Wer diesen Service einmal mitgemacht hat, der kauft nie wieder eine andere Mühle.
Laut Hesse verkauft heute quasi jeder Pfeffermühlen, oft kommen diese aus Fernost. Da sei es leichter, die kaputten Produkte zu entsorgen. Nur noch wenige Mittelständler produzierten in der EU - einer von ihnen ist Peugeot. Das Holz kommt aus den französischen Vogesen, dort wird auch die Mühle produziert. Hesse:
 
Wir sind Weltmarktführer im Premiumbereich. Das Peugeot-Mahlwerk ist eines der wenigen, das fast jedem bekannt ist.
 
Wie viele Pfeffermühlen PSP Peugeot im Jahr verkauft, will Hesse nicht sagen.
 
 
In seiner Werkstatt nimmt der 55-Jährige gerade eine Pfeffermühle in die Hand, die schon 30 Jahre auf dem Buckel hat. Das Alter erkennt er unter anderem am Mahlwerk oder der Farbe der Mühle. Eigentlich ist auf dem Mahlwerk nur eine Garantie von 25 Jahren. Doch manchmal riefen auch Kunden an, die Probleme mit einer über 40 Jahre alten Mühle haben, die sie von ihrer Oma geerbt hätten. "Auch die reparieren wir dann noch", sagt Vertriebsleiterin Melanie Gang.
 
Baumgart freut das: Die Mühlen, um die er sich kümmert, haben ihre eigenen Geschichten.
 
Oft ist auch Vorkriegsware dabei, die man nicht mehr retten kann. Aber es ist schön zu sehen, wenn jemand mit so einem alten Schätzchen kommt.
Dann baut Baumgart die 30 Jahre alte Pfeffermühle auseinander, nimmt die Mahlstange heraus und wirft einen kurzen, aber fachmännischen Blick darauf.
 
 
Die ist ganz schmodderig. Das Mahlwerk ist verklebt.  
Er steht er auf und geht zu einer Maschine, mit der er die Mahlstange reinigt.
 
 
Dass die Mühle nicht mehr vernünftig mahlt, liegt laut Baumgart an Pfefferbeeren; diese sind auch bekannt als roter Pfeffer und in vielen Pfeffermischungen enthalten. Eigentlich seien die Mühlen unkaputtbar, wenn sie gut gepflegt würden. Doch das mache längst nicht jeder. Manchmal staunt der 55-Jährige nicht schlecht über das, was Kunden so mit den Mühlen anstellen.
 
Ich habe schon mal eine elektrische Mühle bekommen, die in der Spülmaschine war. Ein anderes Mal hatte jemand Teeblätter hineingefüllt.
 
Ganz so abwegig sei die Idee, dass man alles mit der Pfeffermühle mahlen könne, dabei aber gar nicht, sagt Vertriebsleiterin Melanie Gang. "Den Leuten ist nicht bewusst, dass Mahlwerk nicht gleich Mahlwerk ist. Im Supermarkt gibt es Einwegmühlen für alles. Deshalb denken die Kunden, man kann auch mit der Pfeffermühle Vanilleschoten oder Koriander mahlen", sagt Gang.
 
 
Bei Baumgart sitzt jeder Handgriff. Das handwerkliche Geschick habe er von seinem Vater, einem Maurer. Er selbst habe sich schon immer für Technik interessiert. So kam es, dass er als Lagerist bei PSP Peugeot Deutschland anfing und mittlerweile zusätzlich auch für die Reparatur der Pfeffermühlen zuständig ist. Vier bis fünf Mal im Jahr besucht Baumgart Geschäfte, die Peugeot-Mühlen verkaufen, und repariert vor Ort kaputte Pfeffermühlen.
 
Etwa acht Minuten braucht Baumgart pro Mühle - je nachdem, was zu machen ist. In 95 Prozent der Fälle, die auf dem Tisch von Baumgart landen, sei lediglich das Mahlwerk verschmutzt, weil der Kunde falschen Pfeffer oder ein ganz anderes Gewürz hineingefüllt hat.
 
 
Das Mahlwerk schält das Pfefferkorn, schneidet es und mahlt es anschließend. Schlechte Mahlwerke hingegen quetschen das Korn, wie Geschäftsführer Hesse sagt: 
 
Das ist ein ganz anderer Geschmack, weil das Aroma sofort weg ist.
Hier liegt auch der Unterschied zu Salzmühlen: Sie brechen das Salz.
 
Die Auswahl an Pfeffermühlen ist groß: Etwa 350 verschiedene Farb- und Größenvarianten hat das Unternehmen im Programm. Zum Mahlen in der Küche werden laut Hesse hauptsächlich die Mühlen genutzt, die zwischen 18 und 30 Zentimeter groß sind. Etwa zwei Drittel der Mühlen im Premiumbereich, die verkauft werden, sind Holzmühlen, 50 Prozent davon das Standardmodell Paris. Besonders beliebt sind demnach die Farben schwarz und Schoko. 
 
Das Modell "Paris" ist am beliebtesten.
 
Seit einiger Zeit ist laut Hesse ein Trend erkennbar: In Restaurants stehen gleich mehrere Salz- und Pfeffermühlen mit unterschiedlichen Gewürzsorten auf den Tischen. Auch Zuhause hätten die Menschen wieder mehr Lust am Ausprobieren und am Kochen. Statt mit dem Pfefferstreuer wollten sie dazu eine richtige Mühle verwenden. Nicht nur, weil das Aroma dann ein anderes sei, sondern auch, weil es professioneller aussehe. Generell sei das Aussehen ein Thema: Gewürzmühlen wirken auch als Designstücke, sagt Hesse. Besonders etwas größere sähen auf dem Tisch schöner aus.
 
Der Trend geht zu einer schwarzen Pfeffer- und einer weißen Salzmühle in unterschiedlichen Größen.
Der Preis für eine Pfeffermühle variiert stark. Bis zu 900 Euro kann man für eine ausgeben - die ist dann aber auch 1,10 Meter hoch und eher Dekoartikel denn Kochutensil.
 
 
Die günstigste Mühle verkauft PSP Peugeot für 17,95 Euro. "Darunter gibt es nur ein schickes Ersatzteil", sagt Hesse und lacht.
 
Doch was muss eine Mühle überhaupt alles können? Hesse:
 
Mahlen, von ganz fein bis ganz grob.
 
 
So einfach, wie die Antwort klingt, ist sie nicht. Ein Keramikmahlwerk beispielsweise könne nicht ganz fein mahlen. Dabei würde sich das Mahlwerk selbst zermahlen. Wichtig seien außerdem Langlebigkeit, Design und Service. Bei Letzterem ist PSP Peugeot laut Hesse deutschlandweit in der Branche einzigartig - auch wegen des Mühlendoktors Baumgart. Und der hat für alle Pfeffermühlenbesitzer noch einen Tipp parat, damit die Mühle lange richtig mahlt:
Ab und zu die Pfeffermischung aus der Mühle nehmen, rohen Reis hineinfüllen und durchmahlen. Das hilft oft schon.
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