Nicht alle Ghosthunter rational Das Geschäft mit dem Geisterjagen

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Tom Pedall (zweiter von rechts) hat die Ghosthunter NRWup & RLP gegründet. Zum Team gehören Frank (von links), Wula, Birgit, Thomas, Kerstin, Claudia, Hagen, Liane sowie André und René (nicht im Bild). Foto: Ina CladowTom Pedall (zweiter von rechts) hat die Ghosthunter NRWup & RLP gegründet. Zum Team gehören Frank (von links), Wula, Birgit, Thomas, Kerstin, Claudia, Hagen, Liane sowie André und René (nicht im Bild). Foto: Ina Cladow

Osnabrück. Der Beruf des Geisterjägers floriert, unter anderem befeuert von Hollywood-Filmen. Doch längst nicht alle arbeiten seriös, kritisieren sowohl Ghosthunter Tom Pedall als auch die Parapsychologische Beratungsstelle in Freiburg. Dabei tragen gerade Ghosthunter – oder auf deutsch: Geisterjäger – eine große Verantwortung.

Ungewöhnliche Geräusche, das Gefühl, dass jemand anwesend ist oder Lichter, die wiederholt grundlos an- und ausgehen – mögliche Anzeichen für paranormale Aktivitäten gibt es viele. „Dahinter muss nicht immer ein Geist stecken“, sagt Tom Pedall von einer Gruppe von Geisterjägern, die in Nordrhein-Westfalen und Rheinland Pfalz unterwegs sind und sich deshalb „Ghosthunter NRWup & RLP“ nennen.

Seit August 2011 ist das Team unterwegs – mit einem ganz klaren Ziel: „Wir wollen den Menschen ihre Ängste nehmen“, sagt Pedall, der aus Wuppertal kommt und eigenen Angaben zufolge eher rational und bodenständig ist. Nachdem er und seine Lebensgefährtin vor einigen Jahren einschlägige Erlebnisse hatten, hätten sie sich mit dem Thema Geister beschäftigt und schließlich die Ghosthunter-Gruppe gegründet.

„Schon in meiner Jugend habe ich in dem alten Haus meiner Großtante einiges erlebt: Sachen bewegten sich, man hörte Schritte. Das weckte erstmals mein Interesse. Dann, vor zehn Jahren, hörten meine Lebensgefährtin und ich in unserer Altbauwohnung plötzlich Geräusche, so als ob jemand schwere Möbel verrücken würde. Das sind Sachen, die man durchaus ins Paranomale einordnen kann“, sagt Pedall.

Arbeit ohne Medium

Zwischen acht und zehn Mal im Jahr würden der 46-Jährige und sein Team in Privatwohnungen oder an anderen Orten paranormale Durchsuchungen durchführen. Dabei legt Pedall wert darauf, sich von anderen Geisterjägern abzugrenzen. Etwa 30 Ghosthunter-Gruppen gibt es seinen Angaben zufolge in Deutschland. „Wir sind einige der wenigen, die rational und mit Skepsis an die Sache ran gehen. Wir wollen nicht zwingend einen Geist beweisen, sondern herausfinden, was – vielleicht auch rationales – hinter den ‚Phänomenen‘ steckt.“

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Dazu arbeiteten sie ohne ein Medium. Allerdings würden sie immer wieder erleben, dass manche Medien den Kunden etwas nicht vorhandenes suggerieren wollen. „Wir dürfen nicht vergessen, dass wir es mit Lebenden zu tun haben. Deren Psyche zu schützen, ist das Wichtigste. Jemandem böse Geister einzureden ist kontraproduktiv“, sagt Pedall.

Psychologische Betreuung wichtig

Auch die parapsychologische Beratungsstelle in Freiburg findet das Vorgehen einiger Ghosthunter fraglich. „Geisterjäger florieren grade“, sagt Sarah Pohl, die in der Beratungsstelle arbeitet. Dort werden Menschen beraten, die ungewöhnliche Erlebnisse machen. „Es gibt einiges auf der Welt, was wir noch nicht verstanden haben“, sagt Pohl.

Bei den Ghosthuntern gehe es häufig um Sensationslust. „Meistens gibt es keine fachgerechte psychologische Betreuung der ‚Kunden‘. Die aber ist sehr wichtig. Man muss den Menschen ihre Angst nehmen.“ Die Geräte, mit denen einige Ghosthunter arbeiteten, würden allerdings wenig bringen und die Ängste eher noch verstärken.

So gehen die Ghosthunter aus Wuppertal vor

Auch Pedall hält nicht viel von dem Equipment, das es auf dem Markt gibt. Apps oder Ghostradios seien eher Partygags. Wenn sich jemand bei ihm oder seinen zehn Teammitgliedern meldet, führten sie zunächst ein Telefonat mit demjenigen. Danach werde der Fall dem Team vorgestellt. „Wir empfehlen, ein Spuk-Tagebuch zu führen. Manchmal zeigt sich eine gewisse Regelmäßigkeit bei den Vorfällen.“

Dann vereinbarten die Ghosthunter einen Termin, bei dem sie die Örtlichkeit untersuchten und Fotos sowie Videos machten. Schließlich würden die Aufnahmen aufgewertet. Dabei würden ihnen die unterschiedlichen Kenntnisse der einzelnen Teammitglieder in Naturwissenschaften, bei Tonanalysen oder ihre Menschenkenntnis helfen. Manchmal zögen sie auch einen Psychologen hinzu. (Lesen Sie auch: Melanie Schindler jagt Geister von Verstorbenen)

Kunden nicht enttäuscht

Und wie oft sind die Ghosthunter bei ihren Einsätzen schon auf einen Geist gestoßen? „Nur bei einem minimalen Prozentsatz finden wird Hinweise auf ein paranormales Phänomen. Oft spielt Leuten das Gehirn einen Streich“, sagt Pedall.

Enttäuscht seien ihre Kunden dann aber nicht. „Die Menschen sind froh, dass ihnen jemand zuhört und ihnen ihre Ängste nimmt.“


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