Blumen aus Münster positiv getestet Woher kommen die gentechnisch veränderten Petunien?

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In Finnland ist man auf orangefarbene Petunien aufmerksam geworden. Tests ergaben, dass die Blumen gentechnisch verändert wurden. Foto: Raimund SchneckingIn Finnland ist man auf orangefarbene Petunien aufmerksam geworden. Tests ergaben, dass die Blumen gentechnisch verändert wurden. Foto: Raimund Schnecking

Osnabrück. Petunien gibt es in vielen verschiedenen Farben – nur nicht in orange. Doch in Finnland sind jetzt ebensolche aufgetaucht. Eine Untersuchung ergab, dass die Pflanzen, die unter anderem aus Nordrhein-Westfalen kommen, gentechnisch verändert worden sind. Besteht ein Zusammenhang mit Freilandversuchen im Jahr 1990?

„Die wichtigste Frage ist jetzt: Wo kommen die Petunien her?“, sagt Raimund Schnecking. Schnecking arbeitet als Pflanzenzüchter in einem Betrieb in Münster, bei dem wie bei mehreren Betrieben in Nordrhein-Westfalen ebenfalls gentechnisch veränderte Petunien gefunden worden sind. Laut Schnecking sind diese angekauft worden. „Wir haben unsere Käufer schon darüber informiert, dass sie die Petunien aus dem Handel nehmen sollen. Für Verbraucher besteht aber keine Gefahr“, sagt er.

Aufgefallen waren die orangefarbenen Petunien kürzlich in Finnland. Aufgrund der für diese Blume untypischen Blütenfarbe ließ die finnische Behörde für Lebensmittelsicherheit die Blumen untersuchen, heißt es vom nordrhein-westfälischen Umweltministerium. Demnach sind bei mehreren Petunienlinien gentechnische Veränderungen nachgewiesen und die Pflanzen vom Markt genommen worden.

Zusammenhang mit Freilandversuchen?

In der Europäischen Union dürfen gentechnisch veränderte Petunien weder angebaut noch vermarktet werden. Derzeit wird molekularbiologisch untersucht, woher die Blumen stammen und ob es möglicherweise einen Zusammenhang mit Freilandversuchen gibt, die das Kölner Max-Planck-Institut 1990 durchführte.

Wie Wolfgang Schuchert, Sprecher des Max-Planck-Instituts für Pflanzenzüchtungsforschung, sagt, ist damals ein Gen aus Mais in Petunien übertragen worden, wodurch sich die Blütenfarbe der Petunie allerdings nicht in orange, sondern in lachsfarben veränderte. Im Freilandversuch zeigte sich, dass das übertragene Gen durch die sehr hohe UV-Strahlung abgeschaltet wurde.

Veränderte Blütenfarbe nur Mittel zum Zweck

Schuchert glaubt nicht, dass es einen Zusammenhang zwischen den gentechnisch veränderten Petunien in Finnland und den Versuchen von damals gibt. „Die Petunie wurde damals extra gewählt, weil die Pflanze über den Winter sicher abstirbt. Außerdem ergibt das Gen aus dem Mais eine instabile Farbe, die für die dauerhafte Ausbildung einer Blütenfarbe nicht geeignet“, sagt Schuchert. Die veränderte Blütenfarbe sei als Mittel zum Zweck in der Grundlagenforschung genutzt worden. Experimente hinsichtlich der Ausbildung der Blütenfarbe seien nicht durchgeführt worden.

Tests in Finnland

Weil laut Umweltministerium der Verdacht bestand, dass einige der gentechnisch veränderten Petunienlinien aus NRW kommen, sind Tests durchgeführt worden. Bei Proben von drei der fünf untersuchten Produktlinien, die bei einem Unternehmen in NRW genommen worden sind, bestätigte sich der Verdacht. Dabei handelt es sich um folgende Produktlinien:

  • Pegasus Orange Morn (Produktname beim Züchter: Salmon Ray)
  • Pegasus Orange (Produktname beim Züchter: Bingo Mandarin)
  • Pegasus Table Orange (Produktname beim Züchter: Bingo Orange)

Weitere Proben von anderen Firmenstandorten werden derzeit noch untersucht.

Pflanzenzüchter Schnecking vermutet, dass der Fund zu einer neuen Sicherheitsdebatte führen könnte. „Man wird sich fragen, wie sicher Freilandversuche sind und ob nicht doch irgendwann etwas davon in Umlauf gelangen kann.“


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