Wenn die Kugel hin- und herfliegt Osnabrücker trainiert für Teilnahme an Flipper-WM

Von Nadine Grunewald

Flippern ist Dirk Elzholz‘ Leidenschaft. Der Osnabrücker spielt auch in der Flipper-Liga. Foto: David EbenerFlippern ist Dirk Elzholz‘ Leidenschaft. Der Osnabrücker spielt auch in der Flipper-Liga. Foto: David Ebener

Bünde/Osnabrück. In kaum einer Kneipe steht noch ein Flipper, der Osnabrücker Dirk Elzholz hat dafür gleich drei in seinem Hobbyraum. Derzeit hofft er, doch noch einen Startplatz bei der nächsten Flipper-Weltmeisterschaft zu ergattern. Dafür trainiert er im Pinball-Universe in Bünde.


Dirk Elzholz fing früher damit an. Und während seine Frau eher keine Lust zum Flippern hat, jagt seine Tochter ab und zu die Kugel über das Spielfeld.
Für einen neuen Flipper kann man schnell mehrere tausend Euro ausgeben. Jedes Gerät wird nur etwa zwei Jahre lang produziert. Sind diese ausverkauft, regelt der Markt den Preis. Aus ganz Deutschland kommen Kunden, um in Bünde oder einem der Showpoints bei Berlin, Fulda oder Düsseldorf die Geräte zu testen.
 
„Viele Kunden sind Mitte 50. Wenn die Kinder aus dem Haus sind, rüsten sie den Partykeller um.“
Doch wer spielt überhaupt Flipper? „Das ist generationenübergreifend. Die Älteren kennen ihn noch von früher, die Jüngeren spielen Pinball auf dem Smartphone oder am PC", sagt Schwarz.
 
"Oft kommen Väter, die an der Spielekonsole keine Chance gegen ihre Kinder haben. Beim Flippern können sie dann mal gewinnen.“
 
Möglichkeiten zum Spielen gibt es heute aber nur noch wenige: In kaum einer Kneipe stehen laut Schwarz wegen der hohen Vergnügungssteuer heute noch Flipper. 
 
Auch Daniel Schwarz hat sein Hobby wiederentdeckt. Foto: Nadine Grunewald
Für Designer sei es einfacher, sich an einer vorgegebenen Geschichte zu orientieren. Und: „Viele Jüngere können sich mit den Serien identifizieren und sich schnell ins Regelwerk einfinden.“ Derzeit sei einer der Bestseller der „Ghostbusters“-Flipper. 
 
Foto: Nadine Grunewald
 
„Das ist ein anspruchsvolles Spiel mit Herausforderungen und ein generationsübergreifendes Thema.“ Knapp 100 davon hat Schwarz innerhalb eines Jahres bereits verkauft.
Mit der Zeit haben sich die Flipper verändert. „Ein Gerät aus den 70ern hat eine Kugel und Durchläufe. Die Neuen sind deutlich aufwendiger. Es gibt mehrere Ebenen und es sind viel mehr Aktionen im Gerät möglich“, sagt Daniel Schwarz. Und noch etwas ist anders:
 
„Bei den neueren Geräten gibt es fast nur Lizenz-Themen.“
 
Serien-Fans werden auch im Pinball Universe fündig: Flipper mit Themen wie „Avengers“, „Transformers“, „Lord of the Ring“, „The Walking Dead“ oder „Game of Thrones“ stehen dort nebeneinander. 
 
Auch Flipper mit dem Thema "The Walking Dead" gibt es. Foto: Nadine Grunewald
Um in Ruhe zu trainieren und Techniken oder Strategien zu testen, fährt der Osnabrücker meist für mehrere Stunden ins Pinball Universe nach Bünde, das seit 2014 von den Brüdern Daniel und Thilo Schwarz betrieben wird. Eigenen Angaben zufolge ist es das einzige Ladengeschäft mit einer so großen Auswahl an Flippern in Deutschland. 60 Verkaufsgeräte, die Interessenten auch anspielen können, stehen dort. Darunter auch alle Geräte des größten Flipper-Produzenten „Stern Pinball“. Dazu kommen rund 30 in einem Bereich, den Gruppen mieten können – und 40 in der „Battle-Zone“, in der auch Turniere ausgetragen werden. 
 
Im Mietpark veranstalten Firmen oft Feiern. Neben Flippern gibt es dort auch einen Star-Wars-Flugsimulator und einen Air-Hockey-Tisch, an dem mit bis zu 30 Puks gleichzeitig gespielt werden kann. Foto: Nadine Grunewald
Derzeit hofft der Osnabrücker, noch eine Zusage für die Weltmeisterschaft im Juni in Dänemark zu bekommen. 64 Startplätze gibt es, er steht auf Nachrückposition drei.
 
„Ich will mich mit anderen messen.“
 
Außerdem gefällt es dem 41-Jährigen bei den Wettkämpfen immer die gleichen Leute zu treffen. Durch die Turniere haben sich Freundschaften entwickelt.
Doch Flipper ist nicht nur daddeln, sondern auch ein Strategiespiel. Gerade, wenn man bei Turnieren antritt, muss man strategisch vorgehen, erklärt Elzholz, der 2008 an seinem ersten Wettkampf teilnahm. Auf der Suche nach Flippern machte er sich damals mit anderen Osnabrückern auf den Weg zu einem Turnier nach Wuppertal. Dort sollten einige Geräte zum Verkauf stehen. Spontan spielte er mit – und belegte auf Anhieb und ohne viel Übung den dritten Platz.
 
„Da habe ich gemerkt, dass mir das Spaß macht.“
 
Inzwischen nimmt Elzholz jährlich an 12 bis 15 Turnieren in Deutschland und angrenzenden Ländern teil. Die Pokale, die er dort gewonnen hat, füllen zwei kleine Regale im Hobbyraum. Er gehört nicht zu denen, die seine Preise ständig in der Öffentlichkeit präsentieren müssen, sagt er selbst. Stolz kann er dennoch sein – auch, wenn es für den ersten Platz bislang nicht ganz gereicht hat.
 
„Das letzte Quäntchen fehlt immer noch.“
 
Auf einem Regal in Dirk Elzholz' Hobbyraum stehen zahlreiche Pokale. Foto: David Ebener
Und dazu muss er sich nicht mal eine Jacke überziehen: Drei seiner Spielgeräte stehen in einem Zimmer im Erdgeschoss des Hauses in der Osnabrücker Wüste. Dort wohnt Elzholz mit seiner Frau und der fünfjährigen Tochter. Vor sieben Jahren zog der erste Flipper bei ihnen ein. Der ist in der Zwischenzeit von anderen ersetzt worden. Früher kaufte er Flipper, die er nicht kannte, lernte, sie zu spielen, und verkaufte sie dann wieder. Doch eines der drei Spielgeräte, die jetzt in Elzholz‘ Hobbyraum stehen, wird ihn nie verlassen: der „Metallica“-Flipper. Der 41-Jährige ist Fan der Death-Metal-Band.
 
„Für den Flipper habe ich drei andere verkauft.“
 
Elzholz hat in diesen Flipper schon viel Herzblut hineingesteckt und beispielsweise Spiegel an den Innenwänden eingebaut. Langweilig werden dürfte ihm das Spiel so schnell nicht werden: „Der ist sehr schwer. Ich habe mich bewusst für diese Herausforderung entschieden. Seit anderthalb Jahren habe ich ihn jetzt und erst zwei Mal das Finale erreicht.“ Um so weit zu kommen, müsse man schon ein bis anderthalb Stunden am Stück gut spielen.
 
„Die besten Spiele hat man aber immer, wenn man eigentlich nur mal zehn Minuten daddeln will.“
 
Den "Metallica"-Flipper wird Elzholz nicht mehr hergeben. Foto: David Ebener
Im Hobbyraum von Dirk Elzholz blinken bunte Lichter, verschiedenste Geräusche ertönen. Leicht gebeugt steht der Osnabrücker an einem seiner drei Flipper und jagt die 80 Gramm schwere Stahlkugel ein ums andere Mal über das Spielfeld. Dann bleibt sie auf einem Feld liegen – und ein Blitzlichtgewitter belohnt den Erfolg.
 
Mit elf Jahren spielte Elzholz das erste Mal im ehemaligen Schinkelbad Flipper. 30 Jahre später ist er immer noch fasziniert davon. „Ich spiele auch gerne Brettspiele. Aber die muss man erst aufbauen und sich die Anleitung noch mal durchlesen“, sagt Elzholz. „Flipper sind einfach eine Welt für sich. Jeder hat eine eigene Geschichte, ist ein eigenes Abenteuer und will entdeckt werden. Ich kann da einfach eintauchen.“ 
 
Am Flipper ist Dirk Elzholz in seinem Element. Foto: David Ebener

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