Stadt nimmt Millionen ein Hunderttausende werden auf A2 am Bielefelder Berg geblitzt

Seit Jahren wird auf der A2 am Bielefelder Berg geblitzt. Trotzdem fahren immer noch hunderttausende Verkehrsteilnehmer auf dem Stück zu schnell. Foto: dpaSeit Jahren wird auf der A2 am Bielefelder Berg geblitzt. Trotzdem fahren immer noch hunderttausende Verkehrsteilnehmer auf dem Stück zu schnell. Foto: dpa

Osnabrück. Der Blitzer auf der A2 am Bielefelder Berg ist der wohl bekannteste in Deutschland. Seit fast neun Jahren wird dort geblitzt. Doch warum rasen immer noch über hunderttausend Autofahrer pro Jahr in die Radarfalle?

Es klingt fast unglaublich: Seit Ende 2008 wird am Bielefelder Berg auf der A2 in Richtung Hannover geblitzt. Trotzdem sind im vergangenen Jahr 124.335 Fotos von zu schnellen Verkehrsteilnehmern gemacht worden. Und das, obwohl der Blitzer zu den wohl bekanntesten Deutschlands gehört. 2015 rasten rund 106.000 Menschen in die Radarfalle, im Jahr davor waren es etwa 119.000. „Die Zahl liegt immer so in diesem Bereich“, sagt Petra Burkhard, Geschäftsbereichsleitung für Verkehrsordnungswidrigkeiten beim Ordnungsamt Bielefeld.

Keine gravierenden Unfälle mehr

Aufgebaut wurden die drei Blitzer in der Kurve mit Gefälle bei Lämershagen, weil der Streckenabschnitt ein Unfallschwerpunkt war. Sie decken alle drei Fahrspuren ab. „Seit die Blitzer da stehen, sind dort keine gravierenden Unfälle mehr passiert“, sagt Burkhard. Auf dem Streckenabschnitt darf mit 100 km/h gefahren werden. (Lesen Sie auch: Radarfallen: Hassobjekt und Geldmaschine)

Autofahrer zu unachtsam?

Rechnet man die Zahl der in 2016 Geblitzten um, kommt man auf etwa 340 Bußgeld-Fälle am Tag. Wie häufig die Blitzer täglich auslösen, sei aber von mehreren Faktoren abhängig. „Wetter, Tageszeit, allgemeines Verkehrsaufkommen – all das spielt eine Rolle“, sagt Burkhard. Doch warum immer noch so viele Menschen dort geblitzt werden, dafür hat auch Burkhard keine stichhaltige Erklärung. Sie vermutet, dass zu viele Verkehrsteilnehmer beim Autofahren nicht aufmerksam genug sind.

Stadt nimmt Millionen ein

Die Stadt Bielefeld dürfte es freuen, dass nach wie vor so viele Menschen in die Radarfalle rasen. Der Blitzer spült jährlich knapp sieben Millionen Euro in die Stadtkasse. Allerdings würden immer wieder Geblitzte Einspruch gegen die Bußgeldverordnung einlegen. Meistens jedoch ohne Erfolg. Ende des vergangenen Jahres hatte ein Gütersloher sogar gegen die Geschwindigkeitsbegrenzung geklagt. Das Gericht jedoch befand, dass Tempo 100 auf dem Streckenabschnitt gerechtfertigt sei. Und laut Burkhard gibt es auch keine Überlegungen, die Blitzer am Bielefelder Berg abzubauen. „Dazu beseht kein Grund.“

2016 war der schnellste geblitzte Fahrer übrigens mit 174 km/h unterwegs. Dabei könne es sich möglicherweise auch um ein Einsatzfahrzeug gehandelt haben. Gegen diese wird kein Bußgeld verhängt.


Fragen und Antworten zum Thema „Blitzen“

Welche Toleranz wird bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung abgezogen?

  • unter 100 km/h gefahren: 3 km/h von der Differenz zur Höchstgeschwindigkeit
  • über 100 km/h gefahren: 3 Prozent von der Differenz zur Höchstgeschwindigkeit
  • Ausnahme: wurde die Geschwindigkeitsüberschreitung in einer Videoaufzeichnung aus einem fahrenden Polizeiauto festgestellt, ist der Toleranzabzug größer

Wann tritt die Verjährung ein?

Die Behörde hat in der Regel drei Monate Zeit, um dem Fahrzeughalter einen Anhörungsbogen zuzuschicken. Wir der Zeitraum nicht eingehalten, gilt das Vergehen meist als verjährt. Zum Teil gibt unterschiedliche Verjährungsfristen. In den meisten Fällen gelten folgende Verjährungsfristen:

  • Zeit von Begehung der Tat bis zum Erhalt des Bußgeldbescheids: drei Monate
  • Wird stattdessen ein Anhörungsbogen verschickt, verlängert sich die Verjährungfrist um drei Monate

Wie hoch fallen die Strafen aus?

Geschwindigkeitsüberschreitungen werden nach dem Ort des Vergehens bewertet. Werden Sie innerorts mit 31 km/h zu viel geblitzt, bekommen Sie ein Bußgeld von 160 Euro, zwei Punkte in Flensburg und einen Monat Fahrverbot. Außerorts beträgt das Bußgeld in diesem Fall 120 Euro und es gibt einen Punkt in Flensburg.

Quelle: bussgeldkatalog.org

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