Start-up-Unternehmen aus dem Münsterland „Wurstgeschwister“ verschicken Hausmannskost

Meine Nachrichten

Um das Thema Nordrhein-Westfalen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Nadine, Daniel und Anja Rüweling (v.l.) wollen mit ihrem Start-up-Unternehmen „Wurstgeschwister“ die gute alte Hausmannskost zurück auf den Tisch bringen. Foto: Maximilian VirgiliNadine, Daniel und Anja Rüweling (v.l.) wollen mit ihrem Start-up-Unternehmen „Wurstgeschwister“ die gute alte Hausmannskost zurück auf den Tisch bringen. Foto: Maximilian Virgili

Südlohn-Oeding. Anja, Nadine und Daniel Rüweling wollen mit ihrem Start-up-Unternehmen „Wurstgeschwister“ die gute alte Hausmannskost zurück auf den Tisch bringen. Und das ganz bequem per Onlinebestellung.

Verschickt werden Wurstprodukte, die in der Familienmetzgerei des Vaters hergestellt werden. „Das sind Mett- oder Leberwürste, aber auch Eintöpfe und Suppen in Einweckgläsern“, sagt Anja Rüweling.

Die Fleischerei von nebenan fehlt in der Großstadt

Die Idee zu „Wurstgeschwister“ kam nicht von heute auf morgen. Es waren eher die Freunde der Schwestern in Hamburg und Berlin, die sie auf das Konzept brachten: „Wenn wir in die Heimat gefahren sind, haben einige gesagt, dass wir ihnen doch etwas aus unserer Metzgerei mitbringen sollen, weil vielen die Metzgerei von nebenan dort fehlt.“ Im Supermarktregal würde man oft nicht wissen, woher das Fleisch kommt und eine Fahrt aufs Land sei für einen Einkauf zu weit. „Wir haben dann aus Spaß gesagt, dass Papa eigentlich einen Online-Shop bräuchte.“ Die Präsentkörbe, die sie woanders im Netz gefunden haben, sahen nicht ansprechend und gar nicht modern aus und die Geschwister haben sich gefragt „Warum bieten wir nicht Hausmannskost online an?“

Jobs gekündigt

Aus Spaß wurde innerhalb weniger Monate Ernst und die Schwestern stellten schnell fest, dass sie das Projekt ganz oder gar nicht machen wollen. Kurzerhand kündigten Anja und Nadine Rüweling ihre Jobs in Hamburg und Berlin, um ihr eigenes Unternehmen zu gründen. Im August 2016 waren die „Wurstgeschwister“ geboren. „Das war natürlich ein riesiger Schritt, den Job zu kündigen, aber jetzt ist der perfekte Zeitpunkt dafür. Wir haben noch keine Verpflichtungen und müssen keine Familie ernähren – in ein paar Jahren würden wir uns das bestimmt nicht mehr trauen“, sagt Anja Rüweling. Und ergänzt mit einem Lachen: „Was haben wir denn zu verlieren, außer unser Erspartes?“ Die 29-Jährige, die als Redakteurin in Hamburg gearbeitet hat, kümmert sich um das Marketing und die Texte auf der Homepage, Nadine Rüweling ist für den Onlineshop zuständig. Ihr 25-jähriger Bruder ist als Metzgermeister der handwerkliche Teil des Trios.

In Boxen werden die Produkte der „Wurstgeschwister“ an den Kunden verschickt. Foto: Maximilian Virgili

Eintöpfe kochen sich viele nicht selbst

Das Prinzip funtkioniert wie bei anderen Online-Shops: Der Kunde wählt die gewünschten Produkte auf der Homepage aus und geht am Ende mit seinem Warenkorb zur Kasse. Es können auch Geschenkboxen und Gutscheine an andere Personen verschickt werden, die mit einer Karte versehen werden. Innerhalb von 24 Stunden wird das Paket verschickt und ist in ein bis drei Tagen Zuhause.

An den Erfolg von „Wurstgeschwister“ glauben die drei fest. „Bei Wurst- und Fleischprodukten legen die Menschen Wert auf die Qualität und man ist dann auch bereit, mehr Geld auszugeben“, sagt die 29-Jährige. Außerdem sinke mittlerweile die Hemmschwelle, Lebensmittel im Internet zu bestellen. Anja Rüweling ergänzt: „Hinzu kommt, dass viele die Gerichte, die man von früher kennt, beispielsweise Eintöpfe, selbst nicht kochen, sie aber gerne essen würden.“

Regionale Produkte

Derzeit sind sie dabei, vegetarische Produkte zu entwickeln. „Das ist natürlich ein heiß diskutiertes Thema, das ist uns bewusst. Aber wir finden die Diskussion an sich eigentlich schlimm. Jeder soll doch das essen, was er für sich persönlich richtig findet.“ Die „Wurstgeschwister“ wollen nicht dazu ermuntern, jeden Tag Fleisch zu essen: „Wir wollen den bewussten Konsum fördern.“ Dazu gehöre auch, dass man wisse, woher das Fleisch kommt. „Wir kennen die Bauernhöfe persönlich, von denen die Tiere kommen“, erklärt die 29-Jährige.

Oma stempelt Etiketten

Mittlerweile habe sich auch ihr Vater an die Geschäftsidee gewöhnt: „Er findet es spannend, was man online alles machen kann und lernt ständig was dazu. Er sieht, dass der Austausch mit Jüngeren die Zielgruppe von morgen ist.“ Eigentlich hatten die Geschwister vorher überlegt, dass Kunden ab 30 Jahren bei ihnen bestellen werden – mittlerweile machen sie die Erfahrung, dass viele Menschen um die 60 ihren Shop nutzen.

Wir wecken wieder...Heute gehen die Rouladen baden #weckglas #eingeweckt #roulade #rouladen #wasserbad

Ein von Wurstgeschwister (@wurstgeschwister) gepostetes Video am 12. Jan 2017 um 5:14 Uhr

Anja und Nadine Rüweling pendeln zwischen der Heimat im Münsterland und den Großstädten. Eine der beiden ist immer im kleinen Ort Südlohn-Oeding. Das ist auch notwendig: „Die Absprachen sind einfach viel schneller, wenn wir hier direkt vor Ort sind. Und alle helfen mit. Am Wochenende hatten wir so viele Anfragen, dass Oma geholfen hat, Etiketten zu stempeln“, sagt Anja Rüweling und fügt mit einem Lachen hinzu: „Heute morgen hat Oma angerufen und gefragt, ob sie wieder zur Arbeit kommen soll.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN