Treffen rechter Parteien AfD sperrt „GEZ-Medien“ bei Kongress in Koblenz aus

AfD-Bundessprecherin Frauke Petry und ihr Ehemann, der Vorsitzende der NRW-AfD, Marcus Pretzell. Foto: dpaAfD-Bundessprecherin Frauke Petry und ihr Ehemann, der Vorsitzende der NRW-AfD, Marcus Pretzell. Foto: dpa

Düsseldorf . AfD-Chefin Frauke Petry trifft in Koblenz rechtsgesinnte Partner aus Europa. Ihr Ehemann Marcus Pretzell, AfD-Vorsitzender in Nordrhein-Westfalen, 
wiegelt im Vorfeld auf und grenzt einzelne Medien aus.

Die Alternative für Deutschland (AfD) gibt sich gerne bürgernah und demokratisch – wie sie tatsächlich zu den Grundrechten steht, zeigt sie dieser Tage bei der Vorbereitung eines Kongresses in Koblenz. Bevor sich AfD-Chefin Frauke Petry mit den Vorsitzenden des französischen Front National, der niederländischen Freiheitspartei und der italienischen Lega Nord trifft, haben die Organisatoren der Konferenz einzelne Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehsender ausgeschlossen.

Als Veranstalterin des Kongresses mit dem hochtrabenden Titel „Freiheit für Europa“ tritt am Samstag, 21. Januar, die rechtsgesinnte ENF-Fraktion im Europäischen Parlament auf. In ihrem Namen hat der EU-Abgeordnete Marcus Pretzell, AfD-Vorsitzender in NRW, Marine Le Pen, Geert Wilders und Matteo Salvini in die Rhein-Mosel-Halle eingeladen. „Gekrönt“ werde die Konferenz der Parteiengruppe Europa der Nationen und der Freiheit vom Auftritt Petrys, heißt es aus dem Brüsseler Büro ihres Ehemanns Pretzell. (Weiterlesen: Frauke Petry heiratet Marcus Pretzell – und ist schwanger)

„GEZ-Medien“ sollen draußen bleiben

Zur anschließenden Pressekonferenz ruft man das „Jahr der Patrioten“ aus. Diejenigen, die bei der Gelegenheit nachfragen dürfen, suchen sich AfD und ENF lieber selbst aus. So gewähren sie zwar unter anderem der Deutschen Presse-Agentur und dieser Zeitung Zugang, verweigern jedoch bislang mindestens der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dem Magazin „Der Spiegel“, dem „Handelsblatt“ und öffentlich-rechtlichen Medien die Akkreditierung.

„Katzenjammer im Journalistenzirkus“, höhnte Pretzell auf Twitter über die „GEZ-Medien“ und jene Redakteure, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die AfD in enger Taktung kritisch zu begleiten.

Dem ZDF empfahl Pretzell lapidar den „Livestream“ im Internet. Es wirkt wie eine persönliche Abrechnung. Sie würden „jaulen und betteln“, die ausgesperrten Medien, keilte Pretzell in Trump-Manier.

„Kein privates Treffen im Wohnzimmer“

Im Wahlkampf hatte der designierte US-Präsident einzelne Zeitungen scheinbar willkürlich von seinen Veranstaltungen ausgeschlossen. Zuletzt giftete er bei seiner ersten Fragerunde nach dem Wahlsieg in New York den Nachrichtensender CNN an: „Ihr seid Fake News“ – inzwischen ein verbreiteter politischer Kampfbegriff für den Vorwurf journalistischer Lügen.

Indes stößt das Akkreditierungsverfahren für Koblenz auf harsche Kritik. Wenn die ENF-Fraktion eine Konferenz durchführe, sei das „kein privates Treffen im Wohnzimmer“, betonte der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Frank Überall. Er verlangte eine faire Anmeldung statt „bewusster Ausgrenzung“.

Mit AfD „nichts zu tun“

Parteien, die zur politischen Willensbildung beitragen sollen, „dürfen Journalisten bei ihren Veranstaltungen nicht außen vor lassen“, sagte Überall. Alles andere sähe wie der Versuch aus, „Hofberichterstattung zu erzwingen“.

AfD-Pressesprecher Christian Lüth geht die Angelegenheit angeblich längst zu weit. Regelmäßig schieben Politiker seiner Partei in der Hoffnung auf Werbeeffekte hohe Empörungswellen an. Mittlerweile ärgert man sich in der Bundesgeschäftsstelle über die Alleingänge des Paares Petry/Pretzell.

Es handle sich um eine ENF-Veranstaltung, die mit der AfD „nichts zu tun“ habe, erklärte Lüth angesichts der Kritik. Man solle „bitte unterscheiden“. Wer die Einladung liest, gewinnt einen anderen Eindruck. Die „Spitzenpolitiker des neuen Europa“, heißt es da, die in ihren Ländern „kurz davor stehen, die Regierungsverantwortung zu übernehmen“, (...) „kommen zur Alternative für Deutschland“.


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