40.000 Menschen betroffen? Krebsmittel zu gering dosiert — Apotheker unter Betrugsverdacht

Von dpa

Ein Apotheker soll bei Krebsmitteln an Wirkstoffen gespart haben. Die Stiftung Patientenschutz fordert nicht nur strafrechtliche Ermittlungen. Symbolfoto: Jan-Philipp Strobel/dpaEin Apotheker soll bei Krebsmitteln an Wirkstoffen gespart haben. Die Stiftung Patientenschutz fordert nicht nur strafrechtliche Ermittlungen. Symbolfoto: Jan-Philipp Strobel/dpa

Bottrop . Ein Apotheker soll bei Krebsmitteln an Wirkstoffen gespart haben. Die Stiftung Patientenschutz fordert nicht nur strafrechtliche Ermittlungen. Auch die Patienten bräuchten Aufklärung.

Ein Apotheker in Bottrop steht im Verdacht, massenhaft Krebsmedikamente beim Zusammenmischen zu niedrig dosiert zu haben. Der 46-Jährige sitze in Untersuchungshaft, teilte die Staatsanwaltschaft Essen am Donnerstag mit.

Zu geringe Dosierung in 40.000 Fällen

In mindestens 40.000 Fällen soll er Infusionen zur Krebsimmuntherapie abweichend von den individuellen ärztlichen Verordnungen zu gering dosiert haben. Dabei habe er auch gegen Hygienevorschriften verstoßen. Mit den Kassen habe der Apotheker den vollen Betrag für die angeforderte Dosierung abgerechnet. Der finanzielle Schaden liege bei 2,5 Millionen Euro.

Unklar, welche Patienten betroffen sind

Welchen gesundheitlichen Schaden der Apotheker angerichtet hat, ist offen. Es sei voraussichtlich nicht herauszubekommen, welche Patienten von fehlerhaften Infusionen betroffen waren und welche Auswirkungen das gehabt haben könnte, erklärte die Staatsanwaltschaft. Der Apotheker schweige.

Betroffene auswendig machen

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz reagierte bestürzt und fordert die Ermittler auf, schnellstens aufzuklären, welche Patienten gestreckte Medikamente erhalten haben. „Das Schweigen des Apothekers darf den Opferschutz nicht behindern. Schließlich sind die Daten der Patienten den belieferten Krankenhäusern und Arztpraxen bekannt“, sagte Vorstand Eugen Brysch. Deshalb seien auch die Kliniken und Ärzte aufgefordert, nicht nur die Staatsanwaltschaft bei den Ermittlungen zu unterstützen, sondern direkt Kontakt mit den betroffenen Patienten aufzunehmen. Ebenso sollte beim Gesundheitsministeriums des Landes eine Hotline für Betroffene eingerichtet werden, forderte der Patientenschützer.


2 Kommentare