„Knast für Prophetenbeleidigung?“ Professor der Uni Münster sorgt mit Tweet für Empörung

Von Nadine Grunewald

Ulrich van Suntum sorgt für Empörung. Foto: dpaUlrich van Suntum sorgt für Empörung. Foto: dpa

Osnabrück. Ein Professor der Universität Münster sorgt mit einem Tweet für Empörung, in dem er Strafen für Holocaustleugnung relativiert. Die Uni will dem jetzt nachgehen.

Mit diesem Tweet hat Ulich van Suntum, Professor an der wirtschaftlichen Fakultät der Universität Münster, für Kritik gesorgt. „Wir sind uns einig, dass Strafen für Holocaustleugnung richtig sind, oder?“, „Was ist das für ein Professor?“, „Billigster Populismus“ oder „So etwas gehört achtkantig vor die Tür gesetzt, ekelhaft. So jemand darf niemanden lehren!“ wird unter dem Tweet des Mannes kommentiert, der im Übrigen Landesvorsitzender der Alfa NRW ist.

Rektorat distanziert sich

Auch der Universität ist der Tweet nicht verborgen geblieben. „Das Rektorat der Universität Münster hat sich mit dem Tweet beziehungsweise den Äußerungen von Professor van Suntum in der letzten Rektoratssitzung beschäftigt. Das Rektorat und das Wirtschaftswissenschaftliche Dekanat distanzieren sich deutlich von diesen Äußerungen. Das Rektorat wird die Angelegenheit zeitnah weiter verfolgen – allerdings intern, da es sich um eine Personalangelegenheit handelt“, teilt ein Sprecher der Universität mit.

Stellungnahme der Fachschaft

Auch die Fachschaften Politik und Soziologie haben eine Stellungnahme veröffentlicht. Demnach ist van Suntum nicht zum ersten Mal negativ mit einem Tweet aufgefallen. In den Augen der Fachschaft sei er bereits „mehrfach durch rassistische und diskriminierende Äußerungen im Internet in Erscheinung getreten“. Weiter heißt es in der Stellungnahme: „Die Prognose einer Strafbarkeit für Prophetenbeleidigung ist polemisch und abwegig. Dies in einen Zusammenhang mit der Verurteilung einer Holocaustleugnerin zu stellen, ist in unseren Augen unerträglich. Als Studierende der Universität Münster fühlen wir uns deren demokratischen Grundwerten verpflichtet.“ Von einem Professor ihrer Universität würden sie eine differenzierte Urteilsbildung erwarten.

Van Suntum verweist auf Recht der Meinungsäußerung

Den Westfälischen Nachrichten sagte van Suntum, das Recht der Meinungsäußerung gelte auch für Professoren. Er sei zudem nicht der einzige, der „den Freispruch von Leuten, die offen für die Scharia in Deutschland eintreten und sogar polizeiliche Durchsetzungsgewalt dafür anmaßen, für falsch“. Die Leugnung des Holocausts halte er für idiotisch und strafbewehrt. „Ob man aber einer 88-jährigen Frau deswegen zweieinhalb Jahre Haft und damit faktisch lebenslänglich geben sollte, darüber kann und darf man geteilter Meinung sein“, sagte van Suntum den WN.


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