Branko Kreinz hilft Kindern in Not Facebook löscht Gruppe „Herforder für Herford“

Die Facebook-Gruppe „Herforder für Herford“ von Branko Kreinz wurde ohne Begründung gelöscht. Er hat mittlerweile eine neue gegründet. Screenshot: Facebook/NOZDie Facebook-Gruppe „Herforder für Herford“ von Branko Kreinz wurde ohne Begründung gelöscht. Er hat mittlerweile eine neue gegründet. Screenshot: Facebook/NOZ

Herford. Als Branko Kreinz aus Herford am Montag seine Facebook-Gruppe „Herforder für Herford“ öffnen will, traut er weder seinen Augen noch seinem Internetanschluss: Die Gruppe wurde gelöscht.

Die Gruppe gab es seit März 2015 auf Facebook. Der Herforder nutzte sie, um Spenden für bedürftige Familien zu organisieren. „Das ist kein Verein, ich nehme ausschließlich Sachspenden an und verteile sie an die Menschen, die sie brauchen. Das kann beispielsweise auch mal eine Packung Nudeln sein“, sagt Branko Kreinz. Er helfe besonders Kindern, aber auch Alleinerziehenden, die Unterstützung benötigen. Er erreiche rund 120 Hilfsbedürftige. Seine Frau und sein Sohn unterstützen ihn dabei. Eigentlich wollte er mit dieser ehrenamtlichen Arbeit, die er seit 2009 betreibt, nie in die Öffentlichkeit treten. Facebook habe die Organisation der Spenden aber deutlich einfacher gemacht.

Kein Verständnis, gegen welche Richtlinien sie verstoßen haben soll

Über die Löschung seiner Gruppe hat der 43-Jährige keine Mitteilung von Facebook erhalten. „Mithilfe einer Freundin habe ich irgendwann eine Kontaktadresse gefunden, an die ich dann geschrieben habe. Als normaler Bürger ist es fast unmöglich, herauszubekommen, wo man sich bei Facebook melden kann“, sagt Kreinz. Daraufhin hat er eine allgemeine Antwort des Unternehmens bekommen: „Wir prüfen Meldungen sorgfältig, um sicherzustellen, dass wir die richtigen Maßnahmen ergreifen. Wir entfernen Inhalte von Facebook, wenn sie gegen unsere Gemeinschaftsstandards verstoßen.“

Der Herforder, der als Tischler arbeitet, kann nicht nachvollziehen, gegen welche Gemeinschaftsstandards seine Gruppe verstoßen haben soll. Er habe die Mitgliedsanfragen und Beiträge stets geprüft, sodass keine unseriöse oder kriminelle Postings dort veröffentlicht wurden. „Ich habe bei Facebook mal ein Video gemeldet, in dem ein Kind geschlagen wurde. Darauf habe ich die Antwort bekommen, dass das nicht gegen die Richtlinien verstoßen würde. Ich verstehe das einfach nicht“, sagt der 43-Jährige frustriert.

Facebook will Löschung prüfen

In der Gruppe waren bereits mehr als 1600 Mitglieder. Branko Kreinz hat zwar inzwischen eine neue Gruppe gegründet, die ebenfalls „Herforder für Herford“ heißt und innerhalb von 48 Stunden sind ihr bereits mehr als 1000 Mitglieder beigetreten, aber „alle Fotos und Texte aus der alten Gruppe sind weg.“ Von dem organisatorischen Ärger, den Kreinz in den letzten Tagen hatte, ganz zu Schweigen. Ob er nun rechtliche Schritte gegen Facebook einleitet, will er prüfen.

Auf Nachfrage unserer Redaktion will Facebook die Löschung der Gruppe prüfen, teilte aber mit, dass das Unternehmen keine Auskünfte zu einzelnen Gruppen oder Seiten geben kann.

Selbst Gewalt in der Kindheit erfahren

Dass sich der 43-Jährige sozial engagiert, hat mit seiner Kindheit zu tun: „Ich bin in Slowenien geboren und dort mit sechs Jahren in ein Kinderheim gekommen, weil meine Mutter mich verlassen hat. Meinen Vater habe ich nie kennengelernt.“ Im Heim sei Gewalt an der Tagesordnung gewesen. Neben Schlägen von älteren Mitschülern gab es die auch von Lehrern. Mit 15 sei er nach Deutschland gekommen und in Herford freiwillig in ein Kinderheim gegangen. Dort hatte er endlich eine Perspektive, konnte die Schule beenden und eine Lehre zum Tischler absolvieren. „Damals habe ich mir gesagt, dass ich später auf jeden Fall Kindern, denen es ähnlich geht, helfen möchte.“


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