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Zusammenstoß mit Güllefass Prozess nach Zugunglück in Ibbenbüren: Urteil am Montag?

Dort, wo im Mai 2015 eine Westfalenbahn mit einem Güllefass kollidierte, haben Trauernde Blumen und Kerzen niedergelegt. Bei dem Unglück in Ibbenbüren starben zwei Menschen. Foto: dpaDort, wo im Mai 2015 eine Westfalenbahn mit einem Güllefass kollidierte, haben Trauernde Blumen und Kerzen niedergelegt. Bei dem Unglück in Ibbenbüren starben zwei Menschen. Foto: dpa 

Ibbenbüren. Im Mai 2015 kollidierte in Ibbenbüren eine Westfalenbahn mit einem Güllefass. Zwei Menschen starben. Am heutigen Mittwoch, 18. Oktober 2016, beginnt der Prozess. Wir berichten live.


LIVETICKER: PROZESS NACH ZUGUNGLÜCK IN IBBENBÜREN BEGINNT

19. Oktober 2016 09:06
Hallo aus den Räumen des Landgerichtes Münster. Hier verhandelt heute das Amtsgericht Ibbenbüren über das fatale Zugunglück im Mai 2015. Angeklagt ist der Treckerfahrer, in dessen Güllefass der Zug krachte. Zwei Menschen starben.
Dirk Fisser
19. Oktober 2016 09:10
Fünf Nebenkläger nehmen am Prozess teil. Zwei Angehörige der Verstorbenen sowie drei Fahrgäste. Insgesamt 15 Menschen wurden damals verletzt.
Dirk Fisser
19. Oktober 2016 09:13
Insgesamt vier Verhandlungstage sind angesetzt. Der Vorwurf gegen den Angeklagten lautet unter anderen auf fahrlässige Tötung.
Dirk Fisser
19. Oktober 2016 09:15
Das Medieninteresse an dem Fall ist groß. Zudem sitzen etwa 40 Zuschauer in dem größten Verhandlungssaal des Landgerichts. Die Verhandlung wurde hier hin verlegt, weil die Räume des Amtsgerichtes in Ibbenbüren zu klein sind.
Dirk Fisser
19. Oktober 2016 09:21
Der Angeklagte ist eingetroffen. Im Falle einer Verurteilung droht dem 25-Jährigen eine Geld- oder Gefängnisstrafe.
Dirk Fisser
19. Oktober 2016 09:27
Der Zug war damals von Osnabrück unterwegs in Richtung Grafschaft Bentheim. Auf dem Bahnübergang stand das Güllefass. Der Angeklagte hatte noch versucht, den Lokführer zu warnen - vergeblich.
Dirk Fisser
19. Oktober 2016 09:30
Der Richter ist da, es geht los. Wir melden uns später wieder.
Dirk Fisser
19. Oktober 2016 10:56
Mit stockender Stimme hat der Angeklagte den Unglückstag geschildert. Demnach war er am 16. Mai bereits mehrfach mit dem Gespann über den Bahnübergang gefahren, bevor sich beim sechsten Mal der Anhänger löste. Laut Staatsanwaltschaft war ein Sicherungsbolzen nicht eingesteckt worden. Die Bremsen des Anhängers blockierten, per Notruf alarmierte der Angeklagte die Polizei, Augenzeugen eilten mit Trecker und Kette herbei, doch die Hilfe kam zu spät: Die Schranken senkten sich, die Westfalenbahn näherte sich. Mit 127 Stundenkilometer krachte der Zug in das Fass. Zwei Menschen starben, 15 wurden verletzt.
Dirk Fisser
19. Oktober 2016 10:58
"Es tut mir wahnsinnig leid. Ich bereue es zutiefst. Wenn ich könnte, würde ich es rückgängig machen", sagt der Angeklagte. Seit dem Unfall hat er sich nicht bei den Hinterbliebenen gemeldet. Jetzt will er mit der Witwe des Lokführers sprechen. Er denke seit dem Unfall jeden Tag daran, wie er das machen könne. Dem Vernehmen nach kannte der Angeklagte die 18-Jährige, die ebenfalls bei dem Unfall starb, vom Sehen her. Beide stammen aus dem selben Ort.
Dirk Fisser
19. Oktober 2016 10:59
Pause im Prozess. Gleich sollen die Nebenkläger aussagen. Sie werden schildern, wie der Unfall ihr Leben verändert hat.

Nach der Aussage des Angeklagten besteht kein Zweifel daran, dass er fahrlässig gehandelt hat. Er hatte nicht überprüft, ob das Güllefass ordnungsgemäß angehängt war.
Dirk Fisser
19. Oktober 2016 11:03
Ja, sein Mandant habe fahrlässig gehandelt, sagt der Anwalt des Treckerfahrers. "Er lacht nicht mehr", sagt der Anwalt über den Angeklagten.
Dirk Fisser
19. Oktober 2016 11:20
Hier noch ein kurzer O-Ton des Verteidigers.
Dirk Fisser
19. Oktober 2016 11:22
Prozess wird fortgesetzt. Wir melden uns später.
Dirk Fisser
19. Oktober 2016 12:53
Ein Gutachter hat deutlich gemacht, wie viele Faktoren zusammengekommen sind, dass der Anhänger sich löste: Bolzen vergessen, abgebremst wegen eines Radrennens und der steile Anstieg auf den Bahndamm. All diese Faktoren führten im Zusammenspiel in die Katastrophe. Der Gutachter sagte auch: Ein Blick vor Fahrtaufnahme hätte gereicht, um das Unglück zu verhindern.
Dirk Fisser
19. Oktober 2016 12:54
Eine 26-Jährige aus Rheine schildert ihre Erinnerung an den Tag: Sie sei mit ihrer Familie aus dem Urlaub
auf der Heimfahrt gewesen. An den Unfallhergang selbst erinnere sie sich nicht mehr. Sie sei aufgewacht auf dem Boden liegend, überall Glas, Schreie im Zug. Ihr Fuß sei eingeklemmt gewesen. Rettungskräfte hätten sie befreit. Auch ihr Sohn und ihr Bruder seien verletzt. Ihr Bruder so schwer, dass er mit Helikopter in ein Krankenhaus nach Osnabrück geflogen sei. Der Richter liest aus den Akten: Beckenbruch und "Skalpierungsverletzung". Insgesamt wurden 15 Passagiere verletzt.
Dirk Fisser
19. Oktober 2016 12:55
Der erste Prozesstag ist beendet. Drei weitere Termine sind anberaumt. Ob sie gebraucht werden, ist unklar. Dass der Angeklagte fahrlässig gehandelt hat, ist unstrittig. Montag um 9.30 Uhr wird der Prozess fortgesetzt. Es sollen weitere Zeugen vernommen werden. Möglicherweise fällt auch bereits ein Urteil.

Später an dieser Stelle eine ausführliche Zusammenfassung.
Dirk Fisser