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16 Personen verletzt Tote nach Feuer in Bochumer Krankenhaus

Von dpa


Bochum. Ein Großbrand in einem Bochumer Krankenhaus hat in der Nacht zum Freitag mindestens zwei Menschen das Leben gekostet. Mindestens 16 weitere wurden verletzt, sechs von ihnen schwebten am Morgen in Lebensgefahr.

Mitten in der Nacht war der Brand in einem Patientenzimmer auf einer Station im sechsten Stock ausgebrochen, auf der Infekte behandelt wurden. Schnell hatten die Flammen auf die gesamte Station übergegriffen und sich dann auf die siebte und achte Etage sowie das Dachgeschoss ausgebreitet. Die Einsatzkräfte waren von dem Ausmaß überrascht, als sie am Brandort eintraf. „Das Brandereignis war viel weiter fortgeschritten, als zu vermuten war“, sagte Gottfried Wingler-Scholz von der Bochumer Feuerwehr.

200 Feuerwehrleute im Einsatz

Einer der beiden Toten des Bochumer Klinikbrandes war in dem Zimmer untergebracht, in dem das Feuer in der Nacht ausgebrochen war. Das andere Todesopfer habe in einem Nachbarzimmer gelegen, sagte Thomas Schildhauer, der Ärztliche Direktor der Klinik Bergmannsheil, am Freitag.

Mehr als 200 Feuerwehrleute waren am frühen Morgen im Einsatz. Weitere Unterstützung aus dem gesamten Ruhrgebiet wurde angefordert. Die Feuerwehr rechnet damit, dass die Löscharbeiten noch Stunden andauern werden. Anwohnern wurde empfohlen, wegen der Rauchentwicklung Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Komplett zerstörtes Dach

Mindestens eines der oberen Stockwerke des Universitätsklinikums Bergmannsheil brannte völlig aus. Augenzeugen berichteten von einem komplett zerstörten Dach. Wegen der enormen Hitze des Feuers seien Fenster und Möbel geschmolzen. Die Brandursache war zunächst unklar.

Das Feuer war gegen 2.35 Uhr ausgebrochen. In dem betroffenen Gebäude waren zuletzt 180 Patienten untergebracht, 100 von ihnen wurden vorzeitig entlassen, um die Lage zu entspannen. Weitere 80 Patienten werden hausintern verlegt. „Das Krankenhaus nimmt derzeit keine Patienten auf“, teilte die Feuerwehr weiter mit. „Operationen finden bis auf weiteres nicht statt.“

Patientenschützer fordern Sprinkleranlagen

Patientenschützer fordern jetzt Sprinkleranlagen in jedem Zimmer der Krankenhäuser und Pflegeheime. „Rund 40 Mal im Jahr brennt es in deutschen Krankenhäusern, noch häufiger in Behinderten- und Pflegeeinrichtungen“, sagte Vorstand Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz.

Krankenhaus- und Pflegeheimbetreiber würden aber ebenso halbherzig reagieren wie die Politik in den Ländern.

Nach Auskunft der Stadt Bochum gab es in allen Patientenzimmern Brandmelder. Diese hätten auch den Alarm bei der Feuerwehr ausgelöst. Sprinkler habe es in dem Gebäude aber nicht gegeben.

„Es ist absurd, dass Sachwerte in Großlagern besser geschützt sind als Menschen in Krankenhäusern und Pflegeheimen“, sagte Brysch. Schlafende Menschen könnten Brandrauch nicht riechen. Die Gefahr werde spät erkannt, Rettungsmaßnahmen könnten immer nur verzögert eingeleitet werden.

Das Universitätsklinikum Bergmannsheil mit rund 650 Betten ist eines der größten Krankenhäuser des Ruhrgebiets.


In deutschen Krankenhäusern gibt es nicht oft Brände mit Toten, aber sie kommen vor. Einige Beispiele:

  • August 2014: Bei einem Brand in einer psychiatrischen Klinik im rheinland-pfälzischen Wissen stirbt eine 53-jährige Frau. Möglicherweise hatte sie in ihrem Bett geraucht, heißt es am Tag nach dem Feuer. Zwei Menschen werden verletzt.
  • November 2013: In einem Krankenhaus im hessischen Weilburg bricht im Zimmer einer 78-jährigen Patientin ein Feuer aus. Sie stirbt vermutlich an einer Rauchgasvergiftung. Wegen des Feuers wird die gesamte Station geräumt.
  • Juni 2013: Bei einem Brand im Essener Marienkrankenhaus kommen zwei Patienten ums Leben. Knapp 60 Patienten werden in Sicherheit gebracht. Die Feuerwehr rettet zwei Patienten per Drehleiter von einem Flachdach.
  • Dezember 2009: In einem Zimmer eines Kölner Sterbehospizes bricht ein Feuer aus. Drei Menschen kommen ums Leben, drei Bewohner werden verletzt. Der Brand zerstört die gesamte obere Etage des Gebäudes.
  • Dezember 2003: In der Pfalzklinik für Psychiatrie und Neurologie in Klingenmünster (Rheinland-Pfalz) brennt es in einem Patientenzimmer. Die 44 Jahre alte Bewohnerin stirbt. Zwei Ärztinnen, zwei Pfleger und drei Krankenschwestern werden bei den Rettungsarbeiten verletzt.
  • März 2003: Ein Feuer im Erzgebirgsklinikum Annaberg-Buchholz tötet zwei Menschen, zwei Patienten kommen mit Rauchvergiftungen in die Notaufnahme. Der Brand war in einem Stationszimmer der psychiatrischen Abteilung in der dritten Etage ausgebrochen. (dpa)