Kehrtwende Notlandung auf A2: Polizei ermittelt doch gegen Piloten

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Ein Kleinflugzeug steht am 13.06.2016 auf der Autobahn A2 bei Herzebrock-Clarholz (Nordrhein-Westfalen) neben einem Lastwagen. Auf einer Autobahn in Ostwestfalen hatte ein Pilot am Montag sein Kleinflugzeug notgelandet. Die einmotorige Propellermaschine setzte auf dem rechten Fahrstreifen und dem Seitenstreifen auf, berührte einen Sattelzug und drehte sich. Foto: dpaEin Kleinflugzeug steht am 13.06.2016 auf der Autobahn A2 bei Herzebrock-Clarholz (Nordrhein-Westfalen) neben einem Lastwagen. Auf einer Autobahn in Ostwestfalen hatte ein Pilot am Montag sein Kleinflugzeug notgelandet. Die einmotorige Propellermaschine setzte auf dem rechten Fahrstreifen und dem Seitenstreifen auf, berührte einen Sattelzug und drehte sich. Foto: dpa

Kreis Gütersloh. Der Pilot, der am Montag ein Kleinflugzeug auf der A 2 notlandete und dabei mit einem Lkw kollidierte, steht nun im Fokus polizeilicher Ermittlungen.

Wie die Neue Westfälische berichtet, prüft das Verkehrskommissariat Bielefeld den Verdacht des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr nach § 315b StGB. Dabei war die Polizei noch am Dienstagmittag davon ausgegangen, gar nicht zuständig zu sein. (Weiterlesen: Flugzeug auf Weg nach Nordhorn auf A2 notgelandet)

„Jetzt werden alle Beteiligten noch einmal vernommen“, sagt Christoph. Die Tendenz spricht wohl für den Piloten. In einem Schriftstück des Verkehrskommissariats heiße es explizit, der Sattelzug sei nur leicht beschädigt und niemand verletzt worden. Zudem gebe es keine Hinweise auf die Gefährdung weiterer Verkehrsteilnehmer.

Kehrtwende bei Ermittlungen

Dass die Polizei aber überhaupt ermittelt, ist eine Kehrtwende. Zunächst hatte sie mitgeteilt, das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) sowie die Luftaufsichtsbehörde informiert zu haben. Letztere ist in diesem Fall bei der Bezirksregierung Münster angesiedelt. „Wir ergründen verschiedene Unfallursachen“, sagt Pressesprecherin Sigrun Rittrich. „Nach aktuellem Stand trifft aber den Piloten keine Mitschuld. Er hat alle Lizenzen und hat eine sehr gute Flugvorbereitung unternommen.“ Derzeit würden unter anderem noch die Radarspuren kontrolliert.

Wer ist zuständig?

Das LBA dagegen ist nach eigener Aussage nicht zuständig und verweist an die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU). Dort will man den Fall aber nicht untersuchen. „Das tun wir nach unseren Regularien nur, wenn ein Unfall oder eine schwere Störung vorliegt. Beides trifft nicht zu“, sagt Sprecher Germout Freitag. Die BFU werde nur tätig, wenn es Tote oder Schwerverletzte gebe oder ein Fahrzeug schwer beschädigt wurde. Die Einschätzung der leichten Beschädigung sowohl des Flugzeugs als auch der Zugmaschine des Sattelzugs kam von der Polizei.

Die Polizei hatte mit der Aussage für Verwirrung gesorgt, nicht zu ermitteln, da es sich um keinen „herkömmlichen Verkehrsunfall“ handele. Die privatrechtliche Schadensregulierung kläre der Pilot direkt mit dem Eigentümer des Sattelschleppers. Später überlegte es sich das Verkehrskommissariat doch noch anders.

Absprache vermutet

„Wie es zu dieser Wendung kommt, kann ich mir selbst nicht ganz erklären“, sagt Pressesprecherin Hella Christoph. Sie mutmaßt: „Dieser Fall ist nicht alltäglich, das hat noch niemand erlebt. Von daher mussten die Kollegen wohl erst einmal schauen.“ Zudem vermutete sie eine Absprache mit der Bezirksregierung.

„Eine Absprache ist mir nicht bekannt“, sagt jedoch Sigrun Rittrich von der Bezirksregierung. „Aber was die Polizei verkehrsrechtlich macht, entzieht sich ohnehin unserer Kenntnis.“ Kenntnis hat Rittrich dagegen davon, was der Schweizer Pilot überhaupt über dem Kreisgebiet Gütersloh zu suchen hatte. „Er hat sich die Route eben so gelegt. Zum Beispiel führte sie auch über den Westerwald. Das ist Sache des Piloten.“

Genau so liege es allein im Ermessen des Piloten, den Ort einer Notlandung zu bestimmen. „Er musste im Bruchteil einer Sekunde entscheiden, was das Geeignete ist. Die Wahl der A 2 hat er sicherlich überlegt getroffen“, sagt Rittrich. Dabei spielte auch der Flugzeugtyp eine Rolle. „Auf einem Acker hätte er sich mit Sicherheit das Fahrwerk abgefahren. Eine Verletzung des Piloten und größere Schäden an der Maschine wären wahrscheinlich gewesen“, sagt Hermann Zinser, Geschäftsführer des Flugvereins Gütersloh.


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