Besuch in Teheran NRW hofft auf Investitionen in Iran

Auf Reisen: NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD). Foto: dpaAuf Reisen: NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD). Foto: dpa

Düsseldorf . Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) reist mit einer großen Delegation nach Iran. Derweil warten zu Hause einige Aufgaben – vor allem im wirtschaftlich gebeutelten Ruhrgebiet.

Vor seinem Besuch in der iranischen Hauptstadt Teheran hat der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) den Mut regionaler Firmen gelobt. Er freue sich, dass sich für die „ausgesprochen ungewöhnliche Reise mehr als hundert Delegationsteilnehmer angemeldet haben“, sagte Duin im Gespräch mit unserer Redaktion. Für konkrete Abschlüsse sei es zwar noch zu früh. Allerdings zeigte sich der Minister zuversichtlich, die „historisch engen deutsch-iranischen Wirtschaftsbeziehungen zu pflegen und Verträge in Aussicht zu stellen“.

Neben Maschinen- und Fahrzeugbau soll die Bauwirtschaft, Öl- und Förderindustrie im Mittelpunkt des dreitägigen Aufenthalts stehen. Obwohl nach den Atomvereinbarungen vom Juli vergangenen Jahres das Gros der Sanktionen gegen Iran wegfällt, halten sich viele europäische und US-amerikanische Unternehmen noch zurück. So herrschen mitunter Bedenken ob der Einhaltung gängiger internationaler Wirtschaftsstandards, etwa im Kampf gegen Geldwäsche.

Nullwachstum im bevölkerungsreichsten Bundesland

Angesichts der schlechten Wirtschaftskennzahlen in NRW hob Duin den Stellenwert des Landes für ausländische Investoren hervor. „Gerade die Chinesen und Japaner wissen die Infrastruktur, die gut ausgebildeten Fachkräfte und die engere Verzahnung von Forschung und Entwicklung mit den Betrieben in NRW zu schätzen“, sagte Duin.

Im April hatte das statistische Landesamt mitgeteilt, dass die nordrhein-westfälische Wirtschaft 2015 nicht gewachsen sei. Kurz darauf legte das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung nach. Demnach liegt NRW bei allen wesentlichen Wirtschaftsindikatoren im bundesweiten Vergleich am Tabellenende. In der Auftragsstudie für die FDP spricht das Institut mit Blick auf die Aussichten des bevölkerungsreichsten Bundeslandes von einem „alarmierenden Befund“.

Minister mahnt das Ruhrrevier zur Geschlossenheit

Nachholbedarf sieht Duin nun vor allem im Ruhrgebiet. In der Region sei neben der privaten Investitionsbereitschaft die interkommunale Zusammenarbeit „nicht so ausgeprägt wie in anderen Teilen des Landes“. Duin sieht darin ein „traditionelles Versäumnis“. In einigen Städten des Ruhrreviers sei „das tiefe Vertrauen in industrielle Großstrukturen historisch gewachsen“. Diese Mentalität  gelte es aufzubrechen, um an die Erfolge anderer Regionen Anschluss zu gewinnen.

Vor dem Hintergrund warb der Minister für mehr selbstständiges Engagement und eine dichtere Vernetzung von Universitäten mit den Unternehmen in der Region – nach ostwestfälisch-lippischem Vorbild. „Kooperationen wie it’s OWL dienen als Blaupause für andere Landesteile“, sagte Duin. „Wir brauchen im Ruhrgebiet eine Institution, die staatliches und privates Geld einsammelt, um einzelne Wirtschaftsprojekte voranzutreiben.“

Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort NRW

Insgesamt blockierten sich gerade kleine und mittlere Betriebe noch zu häufig selbst, etwa mit Blick auf den digitalen Wandel, sagte Duin. Im Mittelstand gebe es einige Akteure, „die die Digitalisierung als vorübergehenden Hype ansehen“. Statt sich den technischen Möglichkeiten zu verweigern sollten sie sich nach Ansicht des Ministers von innovativen Geschäftsmodellen und Wachstumsmöglichkeiten überzeugen lassen.

Den Befund der Arbeitgeber , wonach NRW an „investitionsfeindlichen“ Umwelt- und Sozialauflagen leide, wies Duin weitgehend zurück. Eine Abwanderung befürchte er nicht, „zumal Niedersachsen den Unternehmen nicht weniger Gesetze zumutet als NRW“, so der SPD-Politiker. Gleichzeitig sprach sich Duin für mehr Planungssicherheit und eine geringere Steuerbelastung der Kommunen aus. „Wir brauchen eine Akzeptanz, eine neue Anerkennung der Industrie.“


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